GE Aerospace sichert sich wichtigen Triebwerkszulieferer

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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GE Aerospace plant eine der größten Übernahmen der jüngeren Luftfahrtindustrie. Der US-Triebwerkshersteller hat sich mit den bisherigen Eigentümern auf den Kauf des Zulieferers Consolidated Precision Products, kurz CPP, für 11,75 Milliarden US-Dollar geeinigt. Hinter der Milliardenübernahme steht vor allem ein Problem, das Flugzeug- und Triebwerkshersteller seit Jahren beschäftigt: Hochpräzise Gussteile gehören weiterhin zu den Engpässen in den internationalen Lieferketten. Mit dem Zukauf will GE Aerospace einen größeren Teil dieser Produktion unter eigene Kontrolle bringen.

Die Vereinbarung wurde bereits am 8. September bekanntgegeben. Ein abgeschlossenes Geschäft ist sie noch nicht. Der Vollzug ist nach Angaben von GE Aerospace für die zweite Hälfte des Jahres 2027 vorgesehen und hängt unter anderem von den erforderlichen behördlichen Genehmigungen ab. Damit gilt für die häufig verkürzte Formulierung GE Aerospace übernimmt CPP: Der Kaufvertrag steht, Eigentümer wird GE Aerospace jedoch erst nach Abschluss der Transaktion.

GE Aerospace zahlt 11,75 Milliarden Dollar für CPP

GE Aerospace will 7 Milliarden Dollar des Kaufpreises aus vorhandenen Barmitteln finanzieren. Den verbleibenden Betrag von 4,75 Milliarden Dollar soll das Unternehmen über neue Schulden aufbringen. Verkäufer sind die Beteiligungsgesellschaften Warburg Pincus und Berkshire Partners. Nach Angaben von GE Aerospace entspricht der Kaufpreis etwa dem 26-Fachen des für 2027 erwarteten EBITDA von CPP vor Synergien. Unter Einbeziehung der von GE erwarteten Synergien sinkt dieser Faktor rechnerisch auf etwa 18.

Der Konzern erwartet, dass die Übernahme bereits im ersten Jahr nach dem Abschluss einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie und zum freien Cashflow leisten wird, wenn einmalige Transaktionskosten und bestimmte Abschreibungen ausgeklammert werden. An den bisherigen Plänen zur Kapitalverwendung soll sich nach Unternehmensangaben durch die Übernahme nichts ändern.

CPP stellt hochentwickelte Gussteile und Strukturbauteile unter anderem aus Titan und Hochtemperaturlegierungen her. Die Produkte werden in Triebwerken, Flugzeugen, militärischen Anwendungen und im Energiesektor eingesetzt. Das Unternehmen produziert für nahezu alle wichtigen gegenwärtigen kommerziellen Flugzeugprogramme. GE Aerospace gehört bereits seit mehr als 15 Jahren zu den Kunden des Zulieferers. Für 2027 wird bei CPP mit einem Umsatz von rund 2 Milliarden Dollar gerechnet.

Gussteile bleiben ein Engpass im Triebwerksbau

Die industrielle Bedeutung des Geschäfts reicht über die Größe des Kaufpreises hinaus. Präzisionsgussteile für Turbinenschaufeln und andere Komponenten müssen extremen Temperaturen, hohen Drehzahlen und starken mechanischen Belastungen standhalten. Ihre Herstellung erfordert spezielles Materialwissen, komplexe Produktionsverfahren und umfangreiche Qualitätskontrollen. Kapazitäten lassen sich deshalb nicht kurzfristig beliebig ausweiten.

Gerade diese Bauteile zählen weiterhin zu den Engpässen der Luftfahrtindustrie. Die Nachfrage nach neuen Triebwerken, Ersatzteilen und Wartungsleistungen ist hoch, während Hersteller und Zulieferer ihre Produktionssysteme nach den Störungen der vergangenen Jahre weiter hochfahren. Reuters zufolge stammen rund 70 Prozent des CPP-Umsatzes aus Komponenten für Triebwerke. CPP liefert unter anderem Teile für GE-Programme wie LEAP und GEnx. GE rechnet zudem damit, dass sein Bedarf an sogenannten Airfoils bis 2030 um mehr als 30 Prozent steigen wird.

Durch die Übernahme bekommt GE Aerospace unmittelbaren Zugriff auf zusätzliche Fertigungskapazität in einem besonders kritischen Abschnitt der Lieferkette. Der Konzern will seine eigenen Produktionsmethoden bei CPP einsetzen, Kapazitäten erweitern und zusätzlich investieren. CPP soll zugleich weiterhin Kunden außerhalb des GE-Konzerns beliefern. Damit bleibt das Unternehmen Bestandteil der breiteren Luftfahrt-Lieferkette.

Honeywell sieht Übernahme positiv für die Branche

Am Dienstag, 15. September, äußerte sich auch Honeywell Aerospace zu dem geplanten Geschäft. Konzernchef Jim Currier bezeichnete die Übernahme als insgesamt positive Entwicklung für die Industrie. Honeywell und CPP stünden bei den von Honeywell bezogenen Produkten nicht in unmittelbarem Wettbewerb, erklärte Currier bei einer Investorenkonferenz.

Seine Aussagen zeigen zugleich, dass die Strategie von GE Aerospace Teil einer breiteren Entwicklung ist. Große Luftfahrtkonzerne versuchen verstärkt, besonders wichtige Produktionsschritte wieder enger an das eigene Unternehmen zu binden. Honeywell arbeitet ebenfalls daran, zuvor ausgelagerte Kernkompetenzen teilweise zurückzuholen. Hintergrund sind anhaltende Schwierigkeiten bei spezialisierten Zulieferern. Currier berichtete, dass Honeywell noch bei rund 70 Lieferanten Probleme mit Qualität oder termingerechter Produktion sehe.

Auch andere Unternehmen beobachten die Transaktion genau. Die Aktie des Gussteile-Spezialisten Howmet Aerospace verlor am Tag der Bekanntgabe rund zehn Prozent. Howmet-Chef John Plant erklärte anschließend, sein Unternehmen könne die steigende Nachfrage weiterhin bedienen. Die deutliche Kursreaktion zeigt dennoch, welche Bedeutung Investoren dem Vorstoß von GE in einen bislang stärker von unabhängigen Zulieferern geprägten Bereich beimessen.

GE-Aerospace-Aktie reagierte zunächst nur leicht

Bei GE Aerospace selbst fiel die unmittelbare Börsenreaktion auf die Übernahme deutlich geringer aus. Am Tag der Ankündigung, dem 8. September, sank die Aktie an der New York Stock Exchange um rund 0,7 Prozent auf etwa 334,41 Dollar. Der Markt reagierte damit zunächst vergleichsweise verhalten auf den hohen Kaufpreis und die strategische Neuausrichtung in der Lieferkette.

Am Dienstag, 15. September, geriet die Aktie stärker unter Druck und notierte im Tagesverlauf zeitweise bei rund 308,50 Dollar. Dieser Rückgang lässt sich jedoch nicht allein mit der CPP-Übernahme erklären. Die gesamte Luftfahrtbranche wurde durch stark gestiegene Ölpreise belastet. Höhere Treibstoffkosten können Fluggesellschaften unter Druck setzen und damit mittelbar die Erwartungen für Flugverkehr, Wartung und Ersatzteilgeschäft beeinflussen.

Zusätzlich hatte Melius Research GE Aerospace kurz zuvor von Buy auf Hold abgestuft und das Kursziel reduziert. Bereits am Montag hatte die Aktie bei 317,34 Dollar geschlossen. Die Bewegung am Dienstag fiel damit deutlich stärker aus als die unmittelbare Reaktion auf die Übernahme eine Woche zuvor. Eine isolierte Zuordnung des Kursverlusts zum CPP-Geschäft wäre deshalb nicht sachgerecht.

Milliardenübernahme steht für einen Wandel der Luftfahrtindustrie

Der CPP-Kauf fügt sich in eine zunehmende Konsolidierung unter Luftfahrtzulieferern ein. Nach Daten von Janes Capital Partners wurden bis Ende August 2026 bereits 154 Transaktionen im kommerziellen Luftfahrtsektor mit einem Gesamtvolumen von rund 14 Milliarden Dollar registriert. Gefragt sind vor allem Unternehmen mit spezialisierten Produktionsverfahren, qualifizierten Beschäftigten und Kapazitäten, die sich nicht schnell neu aufbauen lassen.

Parallel erhöhen Airbus und Boeing ihre Flugzeugproduktion, während Triebwerkshersteller sowohl die Erstausrüstung neuer Maschinen als auch eine große bestehende Flotte mit Ersatzteilen und Wartungsleistungen versorgen müssen. GE Aerospace verfügt nach eigenen Angaben über eine installierte Basis von rund 50.000 kommerziellen und 30.000 militärischen Triebwerken. Damit ist eine zuverlässige Versorgung mit kritischen Komponenten nicht nur für die Produktion neuer Motoren relevant, sondern auch für das langfristige Servicegeschäft.

Die geplante Übernahme von CPP ist deshalb mehr als ein klassischer Zukauf von Umsatz. GE Aerospace investiert fast 12 Milliarden Dollar in einen Produktionsbereich, dessen Kapazitäten über die Auslieferung von Triebwerken und Ersatzteilen mitentscheiden können. Ob die erwarteten Synergien und Kapazitätssteigerungen tatsächlich erreicht werden, wird sich erst nach dem geplanten Abschluss und der anschließenden Integration zeigen. Zunächst müssen die zuständigen Behörden der Transaktion zustimmen.

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