
Die große deutsche Autohandelsgruppe König befindet sich in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Betroffen sind die Autohaus Gotthard König GmbH mit Sitz in Berlin und deren hundertprozentige Tochter Autohaus König GmbH aus Teltow. Das Amtsgericht Charlottenburg ordnete Anfang September entsprechende Sicherungsmaßnahmen an und bestellte den Berliner Rechtsanwalt Dr. Rainer Eckert zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst weiterlaufen.
Die Verfahren betreffen zwei zentrale Gesellschaften der Unternehmensgruppe. Für die Autohaus König GmbH ordnete das Amtsgericht Charlottenburg am 1. September 2026 unter anderem an, dass Verfügungen über Vermögenswerte nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam sind. Zudem wurden Vollstreckungsmaßnahmen eingeschränkt. Die öffentliche Bekanntmachung folgte am 2. September.
Auch für die Autohaus Gotthard König GmbH wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Damit befindet sich eine der größeren deutschen Autohandelsgruppen in einer umfassenden Restrukturierung. Die Insolvenz von Autohaus König bedeutet allerdings nicht, dass die Filialen unmittelbar geschlossen werden.
Nach Angaben des Unternehmens sollen Verkauf, Werkstätten, Fahrzeugauslieferungen und weitere Dienstleistungen während des Verfahrens fortgesetzt werden. Auch auf der Unternehmenswebsite weist König aktuell darauf hin, dass der Geschäftsbetrieb und die Werkstattservices weiterlaufen.
Nach Unternehmensangaben vom 2. September beschäftigt die Autohaus-König-Gruppe rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an rund 84 Standorten. Einen Schwerpunkt bildet Berlin mit zahlreichen Niederlassungen. Allein in Berlin und Brandenburg waren Anfang September nach Angaben des rbb 41 Filialen mit insgesamt 688 Beschäftigten betroffen.
Die Gruppe vertreibt mehrere Automarken. Dazu gehören unter anderem Renault und Dacia sowie Marken des Stellantis-Konzerns wie Opel, Fiat, Jeep und Citroën. Das Unternehmen geht auf eine 1966 in West-Berlin gegründete freie Werkstatt zurück und arbeitet seit 1980 als Renault-Vertragspartner.
Neben dem Schwerpunkt in Berlin und Ostdeutschland finden sich auch Händlerprofile der Autohaus Gotthard König GmbH für München. Auf AutoScout24 waren zuletzt unter anderem Standorte an der Boschetsrieder Straße und an der Einsteinstraße mit Fahrzeugangeboten gelistet. In der aktuellen zentralen Standortübersicht von Autohaus König erscheinen diese Münchner Adressen dagegen nicht unter den regulären Filialen.
Ob und in welchem Umfang diese Münchner Vertriebsadressen unmittelbar vom laufenden Insolvenzverfahren betroffen sind, war zunächst nicht gesondert bestätigt. Ebenso gab es keine gesicherten Angaben dazu, dass dort Standorte geschlossen werden sollen.
Das Unternehmen erklärte am 2. September, eine außergerichtliche Lösung habe sich trotz Gesprächen mit Geschäftsführung, Gesellschaftern, Kreditgebern und Herstellerpartnern nicht mehr erreichen lassen. Als unmittelbaren Anlass des Verfahrens nennt die Gruppe eine eingetretene Zahlungsunfähigkeit.
Zugleich verweist das Unternehmen auf Veränderungen im Automobilhandel. Genannt werden der Übergang zur Elektromobilität, stärkerer Wettbewerb durch neue Anbieter sowie ein schwaches Neuwagengeschäft. Dabei handelt es sich um die vom Unternehmen und dem vorläufigen Insolvenzverwalter dargestellte Einordnung der wirtschaftlichen Ursachen.
Berichte über konkrete Schuldenhöhen und interne Geschäftspraktiken kursieren ebenfalls. Belastbare öffentlich zugängliche Bestätigungen für einzelne dieser Angaben lagen zunächst nicht vor. Sie sind deshalb nicht Grundlage der Darstellung.
Ziel des Verfahrens ist nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters die Fortführung und Restrukturierung der Gruppe. Gemeinsam mit Herstellerpartnern und finanzierenden Banken soll ein Konzept entwickelt werden, das möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze erhält. Gespräche mit Renault und Stellantis liefen Anfang September bereits.
Für die Beschäftigten sind die Löhne im vorläufigen Verfahren zunächst über das Insolvenzgeld abgesichert. Die August-Gehälter sollten nach Angaben aus dem Verfahren rückwirkend über Insolvenzgeld ausgezahlt werden. Welche Standorte langfristig Teil einer sanierten Autohaus-König-Gruppe bleiben können, war Mitte September noch nicht entschieden.
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