
Münster. Die Dombeleuchtung in Münster soll grundlegend erneuert werden. Für insgesamt 765.000 Euro ist eine moderne Außenbeleuchtung des St.-Paulus-Doms geplant, die weniger Energie verbrauchen, Lichtemissionen reduzieren und die Architektur des historischen Bauwerks gezielter hervorheben soll. Hinter dem Vorhaben steckt allerdings mehr als der Austausch alter Strahler: Das neue Lichtkonzept fügt sich in die langfristigen Planungen für Domplatz und Domquartier ein – und trifft nun auf eine deutlich angespanntere Haushaltslage der Stadt.
Von den vorgesehenen Gesamtkosten in Höhe von 765.000 Euro soll das Domkapitel 153.000 Euro übernehmen. Die Zustimmung der zuständigen kirchlichen Gremien steht dafür noch aus. Weitere 612.000 Euro sollen über öffentliche Mittel finanziert werden: 367.200 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen und 244.800 Euro von der Stadt Münster.
Möglich wird die Finanzierung über die Städtebauförderung und das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept für die Münsteraner Innenstadt. Darin ist die Beleuchtung des St.-Paulus-Doms bereits ausdrücklich als Maßnahme aufgeführt. Ziel ist eine klima- und artenschutzgerechte Anpassung des sogenannten „Masterplans Licht“.
Bauherr ist das Domkapitel als Eigentümer des Gebäudes. Nach Abschluss der Arbeiten soll es auch die Betriebs- und Unterhaltungskosten übernehmen. Eine neue Aufteilung ist bei den Stromkosten vorgesehen: Während diese bislang von der Stadt getragen werden, sollen sich Stadt und Domkapitel künftig die Kosten teilen.
Das Projekt steht zugleich in Verbindung mit der geplanten Weiterentwicklung des gesamten Domplatzes. In den offiziellen Planungen für Domplatz und Domquartier ist vorgesehen, die Beleuchtung rund um den Platz neu zu ordnen. Wege sollen auch nachts sicher nutzbar sein, dunkle Bereiche reduziert und gleichzeitig unnötige Lichtemissionen vermieden werden.
Dabei heißt es ausdrücklich, dass ein neues Lichtkonzept für den Dom in der weiteren Planung berücksichtigt werden soll. Für den Domplatz selbst sieht das Konzept energiesparende LED-Technik, eine möglichst insektenfreundliche Ausführung und eine Reduzierung der Beleuchtung auf das notwendige Maß vor.
Die neue Außenbeleuchtung des Doms folgt einem ähnlichen Ansatz. Statt das Gebäude großflächig anzustrahlen, soll Licht künftig gezielter eingesetzt werden. Einzelleuchten sollen teilweise unmittelbar am Bauwerk angebracht werden, wodurch bisherige Flächenstrahler weitgehend entfallen können. Fassaden, Türme und architektonische Details sollen dadurch stärker hervortreten, ohne unnötig viel Licht in die Umgebung abzugeben.
Dass die bisherige Beleuchtung technisch überholt ist, beschäftigt Stadt und Domkapitel nicht erst seit heute. Bereits im August 2022 wurde die nächtliche Außenbeleuchtung des St.-Paulus-Doms im Zuge der damaligen Energiesparmaßnahmen abgeschaltet.
Das Bistum verwies damals darauf, dass die vorhandenen Strahler alt seien und vergleichsweise viel Strom verbrauchten. Stadt und Domkapitel verständigten sich deshalb darauf, den Dom bis auf Weiteres nachts nicht mehr anzustrahlen.
Die nun vorgesehene LED-Technik soll genau an diesem Punkt ansetzen. Neben einem niedrigeren Energieverbrauch geht es um eine präzisere Lichtsteuerung und geringere Auswirkungen auf Insekten und andere nachtaktive Tiere.
Politisch bekommt das Projekt durch die jüngste Entwicklung der Stadtfinanzen zusätzliches Gewicht. Seit dem 8. September gilt in Münster eine Haushaltssperre. Hintergrund ist die drastisch gesunkene Prognose für die Schlüsselzuweisungen des Landes im kommenden Jahr. Im beschlossenen Doppelhaushalt hatte Münster für 2027 noch rund 95 Millionen Euro eingeplant. Nach der aktuellen Berechnung sind es lediglich rund 2,8 Millionen Euro.
Die Stadt arbeitet deshalb bereits an weiteren Sparmaßnahmen. Mitte September nahm eine Taskforce ihre Arbeit auf, die ein Konsolidierungspaket vorbereiten soll.
Damit fällt die Entscheidung über den städtischen Anteil von knapp 245.000 Euro in eine völlig andere finanzielle Situation als noch während der Planungsphase des Projekts. Der Rat soll nach bisherigem Stand am 7. Oktober über die Umsetzung entscheiden.
Die Außenbeleuchtung ist dabei nur ein Baustein der Veränderungen rund um Münsters prominentesten Platz. Der Domplatz soll langfristig unter anderem stärker auf Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit, Begrünung und einen bewussteren Umgang mit Beleuchtung ausgerichtet werden. Im Februar 2025 beschloss der Rat bereits die Konzeptskizze für die weitere Entwicklung von Domplatz und Domquartier.
Das Land unterstützt die Münsteraner Innenstadtentwicklung seit Jahren mit Städtebaufördermitteln. Allein 2025 erhielt die Stadt 1,5 Millionen Euro für die Vorbereitung verschiedener Projekte, darunter die weitere Planung des Domplatzes.
Sollte der Rat nun auch der neuen Außenbeleuchtung zustimmen, könnte damit 2027 ein weiterer Teil dieser langfristigen Umgestaltung sichtbar werden: Der St.-Paulus-Dom würde nach Jahren mit veralteter beziehungsweise reduzierter Außenbeleuchtung ein neues Lichtkonzept erhalten – mit weniger flächiger Anstrahlung und stärkerem Fokus auf Energieeffizienz, Architektur und Artenschutz.






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