Autozulieferer Schüle startet Sanierung unter Schutzschirm

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Julius Schüle Druckguss GmbH aus Schwäbisch Gmünd hat beim Amtsgericht Aalen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht ordnete am 18. September 2026 ein Schutzschirmverfahren nach Paragraf 270d der Insolvenzordnung an. Mit dem Antrag soll Schüle Druckguss in Eigenverwaltung saniert werden. Der Geschäftsbetrieb am deutschen Standort läuft nach Angaben der Verfahrensbeteiligten weiter.

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Schutzschirm für den deutschen Standort

Von dem Verfahren erfasst ist ausschließlich die deutsche Julius Schüle Druckguss GmbH. Die Tochtergesellschaften in Polen und der Slowakei sind nicht Teil des Insolvenzantrags. Am Stammsitz in Schwäbisch Gmünd arbeiten nach aktuellen Angaben 152 Beschäftigte. Ihre Löhne und Gehälter sind bis einschließlich November 2026 über das Insolvenzgeld abgesichert.

Die Unternehmensgruppe beschäftigt an ihren drei Standorten insgesamt rund 680 Menschen. Für das Geschäftsjahr 2025 wird ein Umsatz von rund 110,9 Millionen Euro genannt. Schüle ist auf Aluminiumdruckguss spezialisiert und fertigt Bauteile vor allem für die Automobilindustrie. Daneben beliefert die Gruppe weitere Industriebereiche.

Im Schutzschirmverfahren bleibt die Geschäftsführung grundsätzlich im Amt und steuert die Sanierung unter Aufsicht eines Sachwalters. Das Amtsgericht Aalen bestellte Arndt Geiwitz von SGP Schneider Geiwitz zum vorläufigen Sachwalter. Als Generalbevollmächtigter begleitet Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger die Eigenverwaltung. Zusätzlich ist bachert&partner mit der betriebswirtschaftlichen Sanierungsberatung befasst.

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Investorenprozess soll zeitnah beginnen

Nach Angaben der Restrukturierungsberater soll zeitnah ein Investorenprozess beginnen. Ziel sei eine nachhaltige Sanierung und der bestmögliche Erhalt des Standorts und der Arbeitsplätze. Eine Entscheidung über einen Investor oder einen konkreten Sanierungsplan lag zunächst nicht vor.

Die wirtschaftlichen Probleme führt das Unternehmen vor allem auf hohen Wettbewerbsdruck, Überkapazitäten sowie rückläufige Mengen und Margen im Automotive-Geschäft zurück. Hinzu kämen schwierige geopolitische Rahmenbedingungen. Diese Ursachenbeschreibung stammt aus dem Umfeld des Unternehmens und der Restrukturierungsberater. Eine unabhängige Aufschlüsselung, welchen Anteil die einzelnen Faktoren an der aktuellen Lage haben, wurde nicht veröffentlicht.

Restrukturierung begann bereits vor zwei Jahren

Der nun eingeleitete Schritt kommt nicht völlig überraschend. Bereits 2024 hatte Schüle eine Restrukturierung angekündigt. Damals ging es unter anderem um die Verlagerung von Produktion an die Standorte in Polen und der Slowakei sowie um einen Abbau von Stellen am Stammsitz. Die IG Metall sprach im Juni 2024 von gut 200 Beschäftigten in Schwäbisch Gmünd. Heute werden für den deutschen Standort 152 Mitarbeitende genannt.

Deutsche Autozulieferer verlieren zehntausende Stellen

Der Fall trifft auf eine Automobilzulieferindustrie, die seit Jahren unter erheblichem Anpassungsdruck steht. Nach einer Analyse von EY sank die Beschäftigung bei deutschen Zulieferern 2025 um elf Prozent. Seit 2019 gingen demnach rund 73.000 Stellen verloren, ein Rückgang von etwa 23 Prozent. Bei Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten nahm zugleich die Zahl der Insolvenzanmeldungen deutlich zu.

Auch eine Untersuchung von Oliver Wyman kommt bei einer anderen Datengrundlage zu einem ähnlichen Befund. Für Automobilzulieferer mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz wurden für 2025 insgesamt 59 Insolvenzen gezählt, nach 56 im Jahr zuvor. Die unterschiedlichen Fallzahlen verschiedener Untersuchungen erklären sich unter anderem durch abweichende Unternehmensgrößen und Erhebungsmethoden.

Die angespannte Lage zeigt sich auch bei Investitionen und Beschäftigung. In einer VDA-Umfrage unter 116 Zulieferern und weiteren mittelständisch geprägten Fahrzeugunternehmen im Mai 2026 bewerteten 41 Prozent ihre wirtschaftliche Situation als schlecht oder sehr schlecht. 54 Prozent gaben an, aktuell Beschäftigung in Deutschland abzubauen. 67 Prozent verschoben geplante Investitionen, verlagerten sie ins Ausland oder strichen sie vollständig.

Produktion bleibt deutlich unter dem Niveau von 2019

Gleichzeitig entwickelt sich der deutsche Automarkt nicht in allen Bereichen gleich. In den ersten acht Monaten 2026 stiegen die Pkw-Neuzulassungen nach VDA-Daten um fünf Prozent. Besonders stark legten batterieelektrische Fahrzeuge zu. Die Produktion in Deutschland sank im selben Zeitraum jedoch um vier Prozent auf rund 2,65 Millionen Pkw und lag damit 16 Prozent unter dem Niveau von 2019. Auch die Exporte gingen zurück.

Hinzu kommt der internationale Strukturwandel. Asiatische Zulieferer haben ihre Position auf dem Weltmarkt in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Nach einer aktuellen Analyse von Strategy& liegt inzwischen annähernd die Hälfte des globalen Zuliefergeschäfts in Asien. Besonders chinesische Unternehmen haben ihren Anteil innerhalb eines Jahrzehnts stark erhöht.

Für deutsche Zulieferer entsteht daraus ein schwieriges Umfeld. Sie müssen parallel in neue Technologien investieren, bestehende Produktionskapazitäten auslasten und sich gegen international wachsende Konkurrenz behaupten. Gerade mittelständische Unternehmen verfügen dabei häufig über weniger finanziellen Spielraum als große Fahrzeughersteller. Schwankende Abrufe, Transformationskosten und international unterschiedliche Kostenstrukturen können sich deshalb besonders stark auf ihre Investitionsfähigkeit auswirken.

Schüle produziert während der Sanierung weiter

Bei Schüle bedeutet der Schutzschirm zunächst nicht das Ende des Betriebs. Das Unternehmen produziert weiter, während Geschäftsführung, Berater und Sachwalter einen Sanierungsplan vorbereiten und nach einem Investor suchen. Ob die 152 Arbeitsplätze am Stammsitz vollständig erhalten werden können und wie die künftige Struktur der deutschen Gesellschaft aussehen wird, war zunächst offen.

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