Wadephul drängt auf mehr Getreideexporte über das Schwarze Meer

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Symbolbild mit KI erstellt

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Bundesaußenminister Johann Wadephul fordert neue Anstrengungen, um Getreidelieferungen aus der Ukraine und Russland über das Schwarze Meer zu erleichtern. Der CDU-Politiker hält dafür eine begrenzte Waffenruhe auf See für einen möglichen ersten Schritt. Hintergrund sind die erheblichen Behinderungen der Schifffahrt infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

In einem am Donnerstag, 1. Oktober, veröffentlichten Interview mit WEB.DE erklärte Wadephul, die Welt sei dringend auf die Exporte angewiesen. Eine fortgesetzte Behinderung der Lieferungen könne nach seiner Einschätzung Hunger und politische Instabilität in besonders abhängigen Staaten verschärfen. Als möglichen Einstieg in eine Lösung nannte er eine partielle Waffenruhe.

Wadephul sieht Chance für begrenzte Vereinbarung

Wadephul verbindet seine Forderung mit den internationalen Folgen der gestörten Handelswege. Besonders Länder des sogenannten Globalen Südens sind auf Getreideimporte aus der Schwarzmeerregion angewiesen. Der Außenminister argumentiert, dass auch Staaten betroffen seien, zu denen Russland enge politische oder wirtschaftliche Beziehungen unterhalte.

Nach Wadephuls Darstellung bestehen deshalb grundsätzlich Interessen, die eine begrenzte Vereinbarung ermöglichen könnten. Ein konkreter Verhandlungsdurchbruch ist jedoch nicht bekannt. Das Auswärtige Amt hatte bereits am 28. September erklärt, dass mehrere internationale Partner Deutschland darum gebeten hätten, die Frage der Getreideexporte gegenüber Russland anzusprechen. Ein konkretes Ergebnis des Gesprächs zwischen Wadephul und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow konnte das Ministerium damals nicht nennen.

Wadephul hatte Lawrow wenige Tage zuvor am Rande der UN-Generalversammlung in New York getroffen. Dabei sprach er nach Angaben der Bundesregierung auch die Lage im Schwarzen Meer an. Es war das erste direkte Gespräch der Außenminister Deutschlands und Russlands seit mehreren Jahren.

Ukrainischer Seekorridor geriet 2026 massiv unter Druck

Die Getreideexporte über das Schwarze Meer waren nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine zunächst weitgehend eingebrochen. Im Juli 2022 vereinbarten die Vereinten Nationen und die Türkei mit Russland und der Ukraine die Schwarzmeer-Getreideinitiative. Sie ermöglichte die Ausfuhr von fast 33 Millionen Tonnen Getreide und anderen Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen in 45 Länder. Russland verlängerte das Abkommen im Juli 2023 nicht.

Die Ukraine richtete anschließend einen eigenen maritimen Korridor ein. Dieser entwickelte sich erneut zu einer wichtigen Exportstrecke. Nach Angaben des ukrainischen Infrastrukturministeriums waren bis Anfang Juni 2026 seit dem Start des Korridors rund 200 Millionen Tonnen Fracht transportiert worden. Davon entfielen etwa 118 Millionen Tonnen auf Getreide.

Im Sommer verschärfte sich die Sicherheitslage jedoch erneut erheblich. Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats Ende Juli hieß es, die maritimen Exporte aus ukrainischen Häfen seien seit dem 22. Juli infolge russischer Angriffe auf zivile Handelsschiffe ausgesetzt worden. Nach den dort wiedergegebenen ukrainischen Angaben waren allein seit Anfang Juli 31 Handelsschiffe angegriffen worden. Mehr als 90 Prozent der ukrainischen Agrarausfuhren seien zuvor über die Schwarzmeerhäfen gelaufen.

Getreide bleibt ein wichtiger Teil der ukrainischen Exportwirtschaft

Die ukrainische Regierung versucht seitdem, alternative Transportwege auszubauen und zugleich die Schifffahrt auf dem Schwarzen Meer wieder zu stabilisieren. Mitte September berieten Regierung und Landwirtschaftsvertreter über zusätzliche Bahnverbindungen, Versicherungen für Schiffe und Maßnahmen zur Sicherung der Exportkorridore. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte zudem, die Regierung arbeite mit Partnern unter anderem in der Türkei, Ägypten und im Nahen Osten an Lösungen für den Seeverkehr.

Wadephul verwies im aktuellen Interview auf die Folgen der eingeschränkten Ausfuhren für die diesjährige ukrainische Ernte. Nach seiner Darstellung drohe etwa ein Drittel des geernteten Getreides zu verderben, falls keine ausreichenden Exportmöglichkeiten geschaffen würden. Eine unabhängig bestätigte aktuelle Gesamtzahl für diesen Anteil lag zunächst nicht vor.

Frühere Getreideinitiative zeigt mögliche Struktur

Eine neue Vereinbarung müsste nicht zwangsläufig die frühere Schwarzmeer-Getreideinitiative kopieren. Das damalige Modell zeigt jedoch, wie ein international abgesicherter Mechanismus funktionieren könnte. Unter Beteiligung der Vereinten Nationen, der Türkei, Russlands und der Ukraine wurden Schiffsbewegungen koordiniert und Handelsschiffe auf festgelegten Routen durch das Schwarze Meer geführt.

Ob sich Russland und die Ukraine derzeit auf eine vergleichbare oder deutlich begrenztere Regelung verständigen könnten, ist offen. Wadephul setzt zunächst auf eine partielle Waffenruhe im Schwarzen Meer. Eine entsprechende Vereinbarung war bis Donnerstag nicht bekannt.

Für Deutschland steht dabei weniger die Wiederbelebung eines bestimmten früheren Abkommens im Mittelpunkt als die Wiederherstellung verlässlicher Transportmöglichkeiten. Getreideexporte über das Schwarze Meer sind für zahlreiche Importländer von Bedeutung und zugleich ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Ukraine. Wadephuls Vorstoß zielt deshalb auf einen begrenzten Bereich des Krieges, in dem wirtschaftliche und humanitäre Interessen mehrerer Staaten zusammenlaufen.

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