
Die Warenhauskette Galeria steckt erneut in einem Insolvenzverfahren – und damit rückt auch die Zukunft der beiden Häuser in Münster wieder in den Blick. Das Unternehmen hat am Freitag, 2. Oktober 2026, beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Geschäftsbetrieb in den bundesweit 83 verbliebenen Warenhäusern soll zunächst fortgesetzt werden. Auch für Münster gibt es bislang keine Ankündigung, dass eine der beiden Filialen schließen soll.
Galeria stellt Insolvenzantrag und muss damit bereits zum vierten Mal seit 2020 ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Welche unmittelbaren Faktoren den erneuten Antrag ausgelöst haben, erläuterte das Unternehmen zunächst nicht näher. Auch zu möglichen Konsequenzen für einzelne Standorte lagen am Freitagmorgen noch keine abschließenden Angaben vor. Klar ist zunächst lediglich, dass die Warenhäuser ihren Betrieb fortsetzen sollen.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet der Insolvenzantrag zunächst keine sofortige Schließung der Warenhäuser. Galeria betreibt aktuell 83 Filialen in Deutschland. Auch die eigene Unternehmensseite weist dieses Filialnetz aus. Die Zahl der Beschäftigten liegt nach Unternehmensangaben bei mehr als 10.000, in Berichten zum aktuellen Insolvenzantrag ist von rund 12.000 Arbeitsplätzen die Rede.
Ob und in welchem Umfang das neue Verfahren Auswirkungen auf das Filialnetz haben wird, war zunächst offen. Bereits vor dem Insolvenzantrag hatte Galeria allerdings angekündigt, einen erheblichen Teil seiner Standorte wirtschaftlich überprüfen zu wollen. Im Juli standen 33 der 83 Warenhäuser auf dem Prüfstand. Bei diesen Häusern ging es unter anderem um die Ertragskraft, die Höhe der Mieten und mögliche Anpassungen der Verkaufsflächen. Galeria wollte dazu mit den jeweiligen Vermietern verhandeln.
Die Prüfung bedeutete seinerzeit nicht automatisch, dass die betroffenen Häuser geschlossen werden sollten. Das Unternehmen hatte erklärt, jeden Standort einzeln betrachten zu wollen. Ob sich diese Planungen durch den jetzt gestellten Insolvenzantrag verändern, war zunächst nicht bekannt.
Die erneute Insolvenz folgt auf mehrere Monate, in denen Galeria bereits mit seiner Finanzierung und der Wirtschaftlichkeit des Filialnetzes beschäftigt war. Ende Juni 2026 erhielt das Unternehmen eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro vom US-Investor Gordon Brothers. Die Finanzierung war mit einem auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan verbunden. Dazu gehörte auch die Überprüfung des Filialnetzes.
Galeria hatte zuvor auch mit Vermietern über Zahlungsbedingungen gesprochen. Im Zusammenhang mit der Kreditfinanzierung sollten unter anderem offene Mietzahlungen beglichen und bestehende Finanzierungen neu geordnet werden. Im Sommer rückten anschließend die 33 auf ihre Wirtschaftlichkeit zu untersuchenden Standorte in den Mittelpunkt.
Dass nun erneut ein Insolvenzantrag gestellt wurde, zeigt, dass die finanzielle Stabilisierung nicht ausgereicht hat, um ein weiteres gerichtliches Verfahren zu verhindern. Zu den genauen finanziellen Umständen des aktuellen Antrags gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Für Galeria ist es bereits das vierte Insolvenzverfahren innerhalb weniger Jahre. Das Unternehmen hatte erstmals 2020 während der Corona-Pandemie ein Schutzschirmverfahren begonnen. Ende 2022 folgte ein weiteres Verfahren. Anfang Januar 2024 musste die damalige Galeria Karstadt Kaufhof erneut Insolvenz anmelden. Auslöser der dritten Insolvenz war auch die Krise der damaligen Eigentümergruppe Signa.
Das Verfahren von 2024 wurde Ende Juli desselben Jahres abgeschlossen. Neue Eigentümer wurden die US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und das Family Office des Unternehmers Bernd Beetz. Von den damals noch 92 Warenhäusern wurden letztlich neun geschlossen. Ab August 2024 ging Galeria mit 83 Filialen und rund 12.000 Beschäftigten in den Neustart. Gleichzeitig wurden die traditionsreichen Namen Karstadt und Kaufhof aus der Unternehmensbezeichnung gestrichen.
Anfang 2025 hatte Miteigentümer Beetz noch erklärt, alle 83 Warenhäuser arbeiteten profitabel. Im Verlauf des Jahres 2026 verschärfte sich die wirtschaftliche Situation jedoch erneut. Die neue Kreditlinie und die Prüfung zahlreicher Filialen waren sichtbare Teile des erneuten Sanierungsversuchs.
Welche Standorte durch das jetzt beantragte Insolvenzverfahren gefährdet sein könnten, lässt sich aus dem Antrag allein nicht ableiten. Die im Sommer angekündigte Überprüfung von 33 Filialen gibt zwar Hinweise darauf, wo Galeria bereits besonderen wirtschaftlichen Handlungsbedarf gesehen hatte. Daraus folgt jedoch nicht automatisch eine Schließungsentscheidung im neuen Verfahren.
Ebenso war zunächst nicht bekannt, wie das Insolvenzverfahren konkret ausgestaltet werden soll und welche Sanierungsschritte folgen. Entscheidend für Beschäftigte, Vermieter, Lieferanten und Innenstädte wird sein, in welchem Umfang das Unternehmen sein derzeitiges Filialnetz erhalten kann.
Für Münster bedeutet das vorerst: Die beiden Galeria-Häuser sollen weiter geöffnet bleiben. Ob sich daran im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens etwas ändert, ist derzeit nicht absehbar.
Galeria gehört zu den letzten großen klassischen Warenhausketten Deutschlands. Noch 2020 verfügte das Unternehmen über deutlich mehr Standorte. Nach mehreren Sanierungsrunden, Filialschließungen und Eigentümerwechseln ist das Netz inzwischen auf 83 Warenhäuser geschrumpft. Mit dem neuen Insolvenzantrag steht der erst 2024 begonnene Neustart erneut vor einer grundlegenden Bewährungsprobe. Der Verkauf in den Häusern soll unterdessen zunächst weitergehen.






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