
Die traditionsreiche Brauerei Wolters verschwindet als Produktionsbetrieb aus Braunschweig, die bekannte Biermarke soll dagegen erhalten bleiben. Nach der angekündigten Schließung des Hofbrauhauses zum Jahresende zeichnet sich für die Marke eine neue Zukunft ab. Die TCB-Gruppe soll die Wolters-Markenfamilie übernehmen und die Biere künftig innerhalb ihres Brauereiverbunds produzieren. Für einen Teil der rund 90 Beschäftigten könnten neue Arbeitsplätze entstehen. Der bisherige Brauereistandort wird dennoch zum 31. Dezember 2026 geschlossen.
Die geplante Übernahme ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach dem am Freitag bekannt gewordenen Konzept müssen unter anderem endgültige Vereinbarungen geschlossen, Vermögenswerte geprüft und notwendige Zustimmungen eingeholt werden. Damit steht zwar ein konkreter Weg für die Zukunft der Marke fest, einzelne Bestandteile der Vereinbarung sind aber noch nicht endgültig umgesetzt.
Die TCB-Gruppe will die Wolters-Markenfamilie sowie weitere mit ihr verbundene Vermögenswerte übernehmen. Die Originalrezeptur der Biere soll erhalten werden. Produktion und Abfüllung sollen künftig innerhalb der Unternehmensgruppe organisiert werden. Wo Wolters künftig konkret gebraut und abgefüllt wird, war am Freitag noch nicht abschließend benannt.
TCB betreibt mehrere große Brauereistandorte in Europa. In Deutschland gehören unter anderem die Gilde Brauerei in Hannover und die Feldschlößchen Brauerei in Dresden zur Gruppe. Hinzu kommt das Frankfurter Brauhaus in Frankfurt an der Oder. Nach eigenen Angaben produziert die Unternehmensgruppe an ihren Standorten insgesamt rund neun Millionen Hektoliter Bier pro Jahr.
Für Verbraucher soll der Wechsel möglichst ohne Unterbrechung erfolgen. Nach dem derzeitigen Konzept sollen Wolters-Biere weiterhin im Handel und in der Gastronomie erhältlich sein. Auch die regionale Verbindung der Marke soll erhalten werden. Dazu gehört nach bisheriger Planung unter anderem die Fortsetzung des Sponsorings von Eintracht Braunschweig.
An der Entscheidung über den bisherigen Produktionsstandort ändert die neue Lösung nichts. Das Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig soll zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden. Damit endet dort eine Brautradition, deren Geschichte bis ins Jahr 1627 zurückreicht.
Die Brauerei hatte im Sommer 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Anfang September wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Ein Investorenprozess sollte zunächst eine Fortführung der Produktion ermöglichen. Ende September wurde jedoch bekannt, dass für den bestehenden Brauereibetrieb keine tragfähige Investorenlösung gefunden worden war.
Als Gründe für die Aufgabe der bisherigen Produktionsstruktur werden der technische, strukturelle und immobilienbezogene Zustand des Standorts genannt. Die Produktion im bisherigen Werk soll deshalb nicht Bestandteil der neuen Markenlösung sein.
Auch das Gelände selbst könnte allerdings Teil der Vereinbarung mit TCB werden. Vorgesehen ist, dass das Wolters-Betriebsgrundstück ebenfalls an die Unternehmensgruppe übergeht. Für dessen künftige Nutzung gibt es noch kein abschließendes Konzept. Als eine mögliche Verwendung wurden Veranstaltungen in Teilen der vorhandenen Gebäude genannt.
Besonders weitreichend sind die Folgen für die Belegschaft. Rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden bereits Ende September über die geplante Stilllegung informiert. Die Rettung der Marke bedeutet nicht automatisch die Rettung ihrer bisherigen Arbeitsplätze in Braunschweig.
TCB plant nach dem derzeitigen Stand, bis zu 40 neue Beschäftigungsmöglichkeiten an verschiedenen Standorten der Unternehmensgruppe anzubieten. Welche Beschäftigten dafür infrage kommen und an welchen Orten diese Stellen entstehen, hängt von den benötigten Funktionen und Qualifikationen ab. Eine Garantie für 40 Übernahmen oder für einzelne konkrete Arbeitsverträge besteht bislang nicht.
Die Stadt Braunschweig hatte bereits nach Bekanntwerden der Standortschließung Gespräche mit dem Unternehmen, dem Betriebsrat und der Arbeitsagentur angekündigt, um die Beschäftigten beim Übergang in neue Arbeitsverhältnisse zu unterstützen.
Die Insolvenz von Wolters fällt in eine schwierige Phase für die deutsche Brauwirtschaft. Der Bierabsatz deutscher Brauereien und Bierlager sank 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 7,8 Milliarden Liter. Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der vergleichbaren Statistik im Jahr 1993. Erstmals wurden weniger als acht Milliarden Liter erreicht.
Der Rückgang ist zudem keine kurzfristige Entwicklung. Gegenüber 2015 lag der Bierabsatz 2025 um 18,9 Prozent niedriger. Auch die Zahl der Brauereien nimmt ab. Ende 2025 gab es bundesweit 1.415 Brauereien, 53 weniger als ein Jahr zuvor und 137 weniger als beim Höchststand 2019.
Für das Hofbrauhaus Wolters Braunschweig bedeutet diese Entwicklung nun eine Trennung von Marke und Produktionsort. Während die Braustätte nach fast vier Jahrhunderten geschlossen wird, soll Wolters als Biermarke in einem größeren Brauereiverbund fortgeführt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die geplante Transaktion mit der TCB-Gruppe wie vorgesehen abgeschlossen wird.






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