
Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten werden längst nicht mehr nur bei Erwachsenen mit Adipositas eingesetzt. Neue Studiendaten rücken nun erneut die Behandlung jüngerer Kinder in den Mittelpunkt. Besonders aufmerksam verfolgt wird die Phase-3-Studie STEP Young mit dem Wirkstoff Semaglutid. Erste Ergebnisse zeigen einen deutlichen Effekt auf den Body-Mass-Index bei Kindern zwischen sechs und unter zwölf Jahren. Für diese Altersgruppe ist Semaglutid zur Gewichtsbehandlung in der Europäischen Union allerdings bislang nicht zugelassen.
Die Daten liefern damit noch keine Grundlage für einen routinemäßigen Einsatz bei jüngeren Kindern. Sie erweitern jedoch die wissenschaftliche Diskussion darüber, welche Rolle Medikamente bei schwerer Adipositas im Kindesalter künftig spielen können. Gleichzeitig zeigen andere aktuelle Untersuchungen, dass GLP-1-Präparate bei Minderjährigen bereits häufiger eingesetzt werden und eine medikamentöse Behandlung am wirksamsten erscheint, wenn sie mit strukturierten Lebensstilmaßnahmen kombiniert wird.
In der internationalen STEP-Young-Studie werden 165 Kinder im Alter von sechs bis unter zwölf Jahren mit Adipositas untersucht. Die Studie ist randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert. Die Teilnehmer erhielten entweder Semaglutid oder ein Placebo. In beiden Gruppen gehörten außerdem eine kalorienreduzierte Ernährung und mehr körperliche Aktivität zum Behandlungsprogramm.
Nach 68 Wochen erreichten nach Angaben des Herstellers Novo Nordisk 40,4 Prozent der mit Semaglutid behandelten Kinder eine BMI-Kategorie unterhalb der Grenze für Adipositas. In der Placebogruppe traf dies auf kein Kind zu. Mehr als 85 Prozent der Teilnehmer hatten zu Beginn eine schwere Adipositas der Klassen II oder III.
Der primäre Studienendpunkt, die prozentuale Veränderung des BMI nach 68 Wochen, wurde nach Unternehmensangaben ebenfalls erreicht. Konkrete vollständige Daten zur durchschnittlichen BMI-Veränderung veröffentlichte Novo Nordisk mit der ersten Ergebnismeldung allerdings noch nicht.
Das ist eine wichtige Einschränkung. Bis Anfang Oktober liegen vor allem sogenannte Topline-Ergebnisse des Herstellers vor. Eine umfassende wissenschaftliche Präsentation der STEP-Young-Daten ist für die ObesityWeek vom 14. bis 17. November 2026 in Washington angekündigt. Erst damit werden weitere Details zu Wirksamkeit, Nebenwirkungen und einzelnen Untergruppen verfügbar.
Novo Nordisk erklärte zu den bisherigen Studiendaten, das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil habe den Erfahrungen aus früheren Untersuchungen mit Semaglutid und Liraglutid bei Jugendlichen und Erwachsenen entsprochen. Neue Sicherheitssignale seien nicht festgestellt worden. Nach Angaben des Unternehmens zeigten sich auch keine Auffälligkeiten bei Wachstum oder pubertärer Entwicklung.
Diese Ergebnisse beantworten die Frage nach möglichen Langzeitfolgen jedoch noch nicht. Gerade bei Kindern sind längere Beobachtungszeiträume von besonderer Bedeutung, weil Wachstum und körperliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen sind. Die STEP-Young-Studie untersucht deshalb neben den Ergebnissen nach 68 Wochen auch weitere Parameter bis Woche 104.
Bekannte häufige Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten betreffen vor allem den Magen-Darm-Trakt. Dazu zählen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen.
GLP-1 bei Kindern ist bereits heute Teil der Adipositastherapie, allerdings nur für bestimmte Wirkstoffe, Altersgruppen und Voraussetzungen. In der Europäischen Union darf Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy zur Gewichtsbehandlung bei Jugendlichen ab zwölf Jahren mit Adipositas eingesetzt werden, sofern ihr Körpergewicht über 60 Kilogramm liegt. Die Behandlung erfolgt zusätzlich zu Ernährungsumstellung und körperlicher Aktivität.
Für Kinder ab sechs Jahren steht mit Liraglutid ein anderer GLP-1-Rezeptoragonist zur Verfügung. Das Präparat Saxenda ist für Kinder zwischen sechs und unter zwölf Jahren mit Adipositas zugelassen, wenn sie mindestens 45 Kilogramm wiegen. Auch diese Behandlung ist ausdrücklich als Ergänzung zu gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität vorgesehen.
Dass Semaglutid bei Sechs- bis Elfjährigen nun in einer großen Phase-3-Studie untersucht wird, könnte langfristig zu einer Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten führen. Eine Zulassung für diese Altersgruppe ergibt sich aus den Studienergebnissen allein jedoch nicht.
Eine 2026 in „JAMA Pediatrics“ veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit stärkt zugleich die Evidenz für medikamentöse Therapien bei älteren Kindern und Jugendlichen. Die Forscher werteten 42 randomisierte Studien mit insgesamt 3.835 Teilnehmern im Alter von zehn bis 19 Jahren aus.
Den größten kurzfristigen Effekt auf den BMI fanden die Wissenschaftler bei einer Kombination aus Medikamenten und strukturierten Maßnahmen zu Ernährung, Bewegung und Verhalten. Besonders stark fiel die BMI-Reduktion bei Semaglutid in Verbindung mit Beratung aus. Die Autoren wiesen allerdings darauf hin, dass diese Schätzung auf einer begrenzten Zahl von Studien beruhte.
Die Analyse spricht damit nicht dafür, Medikamente als Ersatz für andere Therapiebausteine zu betrachten. Vielmehr erzielten kombinierte Ansätze bessere Ergebnisse als eine medikamentöse Behandlung allein.
Wie schnell sich die Praxis bereits verändert, zeigt eine weitere Untersuchung aus den USA. Eine im September im Fachjournal „Pediatrics“ veröffentlichte Studie untersuchte Daten von mehr als 3,5 Millionen Kindern zwischen acht und elf Jahren mit Adipositas und ohne Diabetes.
Über den gesamten Untersuchungszeitraum von 2019 bis Mitte 2026 erhielten lediglich 0,6 Prozent der Kinder ein Rezept für einen GLP-1-Rezeptoragonisten. Die Verschreibungsrate nahm jedoch stark zu. Besonders häufig wurden solche Medikamente Kindern mit schwerer Adipositas oder zusätzlichen gewichtsbedingten Erkrankungen verordnet.
Diese US-Daten lassen sich nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen. Sie zeigen aber, dass die Frage nach dem Einsatz von GLP-1-Medikamenten bei jüngeren Patienten längst praktische Bedeutung hat.
Die STEP-Young-Ergebnisse erweitern die bisherige Datenbasis nun auf Kinder unter zwölf Jahren. Ob Semaglutid für diese Altersgruppe künftig zugelassen wird, ist damit noch nicht entschieden. Zunächst stehen detaillierte Studiendaten und deren Bewertung durch Wissenschaftler und Arzneimittelbehörden aus.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu