BioNTech vor Führungswechsel: Şahin und Türeci gehen Ende 2026

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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BioNTech steht vor einem der größten personellen Einschnitte seiner Unternehmensgeschichte. Die Mitgründer Uğur Şahin und Özlem Türeci werden bis Ende 2026 aus ihren bisherigen Führungsfunktionen ausscheiden und in die Leitung eines neuen, eigenständigen Biotechnologieunternehmens wechseln. Der Schritt ist bereits seit März bekannt. Şahin und Türeci verlassen BioNTech damit nach Ablauf ihrer derzeitigen Dienstverträge in ihren bisherigen Führungsrollen.

Das Mainzer Unternehmen hatte die Pläne am 10. März 2026 offiziell angekündigt. Şahin ist Vorstandsvorsitzender und Türeci Chief Medical Officer von BioNTech. Beide sollen nach dem Auslaufen ihrer derzeitigen Dienstverträge in das neue Unternehmen wechseln. Dort wollen sie sich auf mRNA-Technologien der nächsten Generation konzentrieren.

Kurssturz folgte bereits im März

Die heftige Reaktion an der Börse erfolgte unmittelbar nach der ursprünglichen Ankündigung im März. Die in New York gehandelten BioNTech-Papiere verloren damals zeitweise mehr als 20 Prozent und fielen auf den niedrigsten Stand seit August 2024. Neben dem bevorstehenden Ausscheiden der beiden Gründer belasteten auch die Geschäftszahlen und der Ausblick die Stimmung der Anleger. BioNTech hatte für 2025 einen Nettoverlust von rund 1,14 Milliarden Euro ausgewiesen.

Anfang Oktober zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Kursrückgang. Die BioNTech-Aktie schloss am Freitag, 2. Oktober 2026, an der Nasdaq bei 96,90 Dollar. Am Vortag waren es 96,85 Dollar gewesen. Damit bewegte sich der Kurs praktisch seitwärts. Auch auf dem deutschen Markt waren Anfang Oktober keine Kursbewegungen zu beobachten, die mit dem mehr als 20-prozentigen Absturz vom März vergleichbar wären.

Der starke Kursverlust und die Bekanntgabe des geplanten Führungswechsels liegen damit zeitlich rund sieben Monate zurück. Anfang Oktober bewegte sich die Aktie dagegen weitgehend stabil.

Guido Oelkers übernimmt den Vorstandsvorsitz

Für die wichtigste Nachfolgeentscheidung hat BioNTech inzwischen Klarheit geschaffen. Der Aufsichtsrat ernannte im August Guido Oelkers zum künftigen Vorstandsvorsitzenden. Er soll sein Amt spätestens zum 1. Februar 2027 antreten und damit Şahin an der Unternehmensspitze ablösen.

Oelkers kommt vom schwedischen Biopharmaunternehmen Swedish Orphan Biovitrum, kurz Sobi. Dort war er seit 2017 Vorstandsvorsitzender. BioNTech verwies bei seiner Ernennung auf seine langjährige Führungserfahrung in der internationalen Pharma- und Biotechnologiebranche. Şahin kündigte an, den Übergang an seinen Nachfolger aktiv zu begleiten.

Für die Position von Türeci war Anfang Oktober dagegen noch keine Nachfolge bekanntgegeben. BioNTech hatte zuletzt erklärt, die Suche nach einer neuen medizinischen Leitung laufe weiter. Gesucht werde eine Führungskraft mit Erfahrung in der späten klinischen Entwicklung und bei komplexen Arzneimittelkandidaten.

Neues Unternehmen soll mRNA-Forschung vorantreiben

Şahin und Türeci ziehen sich nicht aus der Biotechnologie zurück. Das von ihnen geplante Unternehmen soll sich auf neue mRNA-Plattformen und frühe Forschungsansätze konzentrieren. Es wäre nach Ganymed Pharmaceuticals und BioNTech bereits das dritte Biotechnologieunternehmen, das die beiden gemeinsam aufbauen.

BioNTech selbst will Rechte und bestimmte mRNA-Technologien in das neue Unternehmen einbringen. Im Gegenzug ist eine Minderheitsbeteiligung vorgesehen. Außerdem hatte BioNTech Zahlungen abhängig von Entwicklungsfortschritten sowie Lizenzgebühren in Aussicht gestellt. Beide Unternehmen könnten künftig auch bei Kombinationsbehandlungen zusammenarbeiten.

Für BioNTech bedeutet die Trennung zugleich eine stärkere Konzentration auf bereits weiter entwickelte Arzneimittelprogramme. Der Konzern richtet einen erheblichen Teil seiner Forschung auf Krebsmedikamente aus. Dazu gehören mRNA-basierte Therapien, Immunmodulatoren und sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Für 2026 hatte das Unternehmen zahlreiche klinische Studien in späten Entwicklungsphasen angekündigt.

BioNTech baut Unternehmen nach der Pandemie um

Der Führungswechsel fällt in eine Phase umfassender Veränderungen. Die milliardenschweren Einnahmen mit dem gemeinsam mit Pfizer entwickelten Corona-Impfstoff sind gegenüber den Spitzenjahren der Pandemie deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig investiert BioNTech hohe Beträge in neue Krebsmedikamente und weitere Forschungsprogramme.

Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen Umsätze von 105,6 Millionen Euro nach 260,8 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich stand für das Quartal ein Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr summierte sich der Verlust damit auf mehr als eine Milliarde Euro.

Zu dem Umbau gehört auch eine Verkleinerung des Produktionsnetzes. Ende September bestätigte BioNTech, dass für mehrere Standorte in Deutschland keine Käufer gefunden worden seien. Betroffen sind unter anderem Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, seine Produktionskapazitäten an die veränderte Nachfrage anzupassen. Insgesamt können davon bis zu rund 1.860 Stellen betroffen sein.

Der Abschied von Şahin und Türeci ist damit Teil eines länger vorbereiteten Übergangs. Für BioNTech beginnt nach den außergewöhnlichen Corona-Jahren eine Phase, in der neue Krebsmedikamente, klinische Studiendaten und die erfolgreiche Übergabe der Unternehmensführung darüber entscheiden, wie sich der Konzern langfristig positioniert.

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