
In Deutschland stehen Elektroautofahrern deutlich mehr öffentliche Lademöglichkeiten zur Verfügung als noch vor gut einem Jahr. Zum 1. September 2026 waren bei der Bundesnetzagentur gut 209.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte registriert. Eine Auswertung der Daten durch das Energieunternehmen 1Komma5Grad beziffert den Zuwachs gegenüber Juli 2025 auf 24 Prozent. Damit setzt sich der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur fort, allerdings mit erheblichen Unterschieden zwischen einzelnen Städten und Landkreisen.
Von den gut 209.000 registrierten Anschlüssen entfallen der Auswertung zufolge etwas mehr als 150.000 auf Normalladepunkte und knapp 59.000 auf Schnellladepunkte. Damit machen Schnelllader inzwischen einen erheblichen Teil der öffentlichen Ladeinfrastruktur aus. Gerade auf längeren Strecken sind Ladepunkte mit höherer Leistung wichtig, weil sie die erforderlichen Standzeiten deutlich verkürzen können.
Besonders deutlich werden die regionalen Unterschiede beim Vergleich der Fläche. Unter den 107 kreisfreien Städten liegt Stuttgart nach der aktuellen Auswertung weiterhin mit großem Abstand vorne. Dort kommen 2.107 öffentliche Ladepunkte auf 100 Quadratkilometer. Gegenüber Juli 2025 entspricht das einem Anstieg von zwölf Prozent.
Auf den nächsten Plätzen folgen Regensburg mit 1.452 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer und München mit 1.179. In beiden Städten nahm die Dichte gegenüber dem Vergleichszeitpunkt um jeweils 19 Prozent zu. Ganz anders sieht die Situation am unteren Ende der Rangliste aus. Brandenburg an der Havel erreicht 59 Ladepunkte je 100 Quadratkilometer, Dessau-Roßlau 55 und Suhl 53.
Die Zahlen verdeutlichen, dass die reine Gesamtzahl der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland nur einen Teil der Entwicklung beschreibt. Für Autofahrer spielt auch eine Rolle, wie eng die Stationen räumlich verteilt sind und welche Ladeleistungen dort zur Verfügung stehen.
Eine hohe Ausgangsdichte ist allerdings nicht Voraussetzung für kräftiges Wachstum. Besonders große prozentuale Zuwächse verzeichnet die Auswertung teilweise in kleineren Städten. Schwabach in Bayern kommt auf ein Plus von 112 Prozent gegenüber Juli 2025 und erreicht nun 172 Ladepunkte je 100 Quadratkilometer. In Mülheim an der Ruhr stieg die Dichte um 89 Prozent auf 429 Ladepunkte je 100 Quadratkilometer.
Auch bei den 294 untersuchten Landkreisen hat sich die Rangfolge verändert. Der Kreis Mettmann liegt mit 344 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer an der Spitze. Das entspricht laut Auswertung einem Wachstum von 40 Prozent. Dahinter folgen der Landkreis Böblingen mit 328 Ladepunkten und der Main-Taunus-Kreis mit 281 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer.
Die Werte zeigen zugleich, warum Vergleiche allein anhand der absoluten Zahl von Ladepunkten wenig aussagekräftig sein können. Flächenmäßig kleine und dicht besiedelte Regionen erreichen naturgemäß höhere Werte je 100 Quadratkilometer als große, dünn besiedelte Landkreise. Für die tatsächliche Versorgung können deshalb zusätzlich Einwohnerzahl, Zahl der Elektroautos, Verkehrsaufkommen und verfügbare Ladeleistung eine Rolle spielen.
Die Zahlen der Bundesnetzagentur bilden die zentrale amtliche Grundlage für die Entwicklung der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur. Die Behörde veröffentlicht monatlich eine Liste der Ladeeinrichtungen. Der aktuelle Datensatz hat den Stand 1. September 2026. Er enthält diejenigen Ladeeinrichtungen, deren Anzeigeverfahren vollständig abgeschlossen ist und die nach dem vorliegenden Datenstand bereits in Betrieb sind.
Die Bundesnetzagentur weist zugleich darauf hin, dass das Register keine vollständige Erfassung sämtlicher öffentlich zugänglicher Ladeeinrichtungen ermöglicht. Stationen können beispielsweise fehlen, wenn sie noch nicht gemeldet wurden oder ihr Anzeigeverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Die tatsächliche Zahl öffentlich zugänglicher Ladeeinrichtungen ist deshalb höher als die im Register ausgewiesene Zahl.
Der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur ist inzwischen auch europäisch stärker an der verfügbaren Ladeleistung ausgerichtet. Die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe schreibt den Mitgliedstaaten unter anderem eine öffentlich verfügbare Ladeleistung von mindestens 1,3 Kilowatt je zugelassenem batterieelektrischem leichtem Fahrzeug und 0,8 Kilowatt je Plug-in-Hybrid vor. Zusätzlich gelten Ausbauvorgaben für wichtige europäische Verkehrsachsen.
Deutschland verfolgt mit dem im November 2025 beschlossenen Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 ebenfalls das Ziel, das Ladenetz flächendeckend und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Die Strategie umfasst unter anderem schnellere Genehmigungsverfahren, bessere Bedingungen für Netzanschlüsse sowie Maßnahmen zu Wettbewerb, Preistransparenz und Nutzerfreundlichkeit.
Der neue Datenstand zeigt damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland wächst deutlich, und auch Schnelllademöglichkeiten gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig hängt die praktische Versorgung weiterhin stark vom Standort ab. Während einige Städte und dicht besiedelte Landkreise bereits ein enges Ladenetz besitzen, liegen andere Regionen bei der räumlichen Dichte weit zurück.
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