
Aldi Nord und Aldi Süd starten am Mittwoch, 7. Oktober 2026, eine neue Preisrunde bei Wurst, Schinken und Würstchen. Nach Angaben der beiden Unternehmensgruppen werden mehr als 20 Artikel dauerhaft günstiger. Je nach Produkt sinkt der Verkaufspreis um zehn bis 50 Cent. Betroffen sind vor allem Artikel der Eigenmarke Gut Drei Eichen, daneben einzelne Produkte anderer Marken. Mehrere Preisänderungen gelten nur bei Aldi Nord oder Aldi Süd beziehungsweise regional. Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der Fleisch und Fleischwaren auf vorgelagerten Handelsstufen deutlich billiger geworden sind.
Aldi senkt Wurstpreise unter anderem bei Wiener Würstchen, Schinken, Bratwurst, Leberwurst und verschiedenen Aufschnittprodukten. Zu den größten absoluten Preisnachlässen gehören nach Unternehmensangaben die Schinkenbockwurst von Gut Drei Eichen mit 500 Gramm bei Aldi Süd sowie eine regionale Rote Wurst derselben Marke. Beide kosten künftig 4,49 Euro statt 4,99 Euro. Bei Aldi Nord wird eine Ein-Kilogramm-Packung Hareico Wiener Würstchen regional von 9,49 auf 8,99 Euro reduziert.
Die Ein-Kilogramm-Packung Wiener Würstchen von Gut Drei Eichen wird von 6,79 auf 6,49 Euro günstiger. Katenschinkenwürfel mit 250 Gramm kosten künftig 1,99 statt 2,29 Euro. Gleiches gilt für fettreduzierte Rohschinkenwürfel mit 150 Gramm. Bei einem Prosciutto-Crudo-Mix sinkt der Preis ebenfalls von 2,29 auf 1,99 Euro.
Weitere Reduzierungen fallen kleiner aus. Wiener Würstchen mit 400 Gramm kosten künftig 2,89 statt 2,99 Euro, Streich-Minis 1,39 statt 1,49 Euro und Rostbratwurst mit 540 Gramm bei Aldi Süd 4,19 statt 4,29 Euro. Aldi Süd weist die neuen Preise bereits bei seinen dauerhaft günstigeren Produkten aus. Nicht alle genannten Waren sind jedoch in sämtlichen Filialen erhältlich.
Die neue Preisrunde trifft auf eine auffällige Entwicklung entlang der Lieferkette. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Fleisch und Fleischwaren im deutschen Großhandel im August 2026 durchschnittlich 6,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juli sank das Preisniveau noch einmal um 0,9 Prozent. Auch bei lebenden Tieren registrierte Destatis im Jahresvergleich einen deutlichen Rückgang von 18,3 Prozent.
Auch bei den Erzeugerpreisen zeigt sich eine Entspannung. Im August lagen die Preise für in Deutschland erzeugtes Schweinefleisch laut Destatis 16,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Bei Rindfleisch lag der Rückgang bei 9,3 Prozent. Bereits im Juli waren Schweinefleisch auf Erzeugerebene 22,2 Prozent und Rindfleisch 6,8 Prozent günstiger gewesen als ein Jahr zuvor.
Damit fallen wichtige Preise auf vorgelagerten Wirtschaftsstufen, während sich die Entwicklung an der Ladenkasse bislang deutlich langsamer verändert hat. Im Juli lagen die Verbraucherpreise für Fleisch und Fleischwaren bundesweit noch 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Preise für Nahrungsmittel insgesamt stiegen damals nur um 0,4 Prozent. Im August waren Lebensmittel insgesamt lediglich 0,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.
Die Zahlen lassen allerdings keinen direkten Schluss zu, wie stark sinkende Erzeuger- oder Großhandelspreise bei einzelnen Wurstpackungen ankommen müssen. In den Ladenpreis fließen neben dem Rohstoff weitere Kosten ein, darunter Verarbeitung, Verpackung, Energie, Transport, Personal und Handelsspannen.
Eine ausdrücklich auf die am Mittwoch angekündigten Wurstpreissenkungen bezogene Reaktion eines großen Konkurrenten war bis 12:28 Uhr zunächst nicht bestätigt. Lidl veröffentlichte zuletzt am 1. Oktober eine eigene Preisrunde für mehr als 30 Snacks, Süßwaren und Erfrischungsgetränke. Auch Norma hatte Anfang Oktober Preise bei Nüssen, Chips und Softdrinks reduziert.
Der Wettbewerb um günstige Lebensmittelpreise ist allerdings seit Monaten intensiv. Ende September hatte Aldi beispielsweise verschiedene Gebäckartikel billiger gemacht. Lidl folgte damals ebenfalls mit Preissenkungen und reduzierte zusätzlich Schokoladenprodukte. Bereits andere Produktgruppen wie Kaffee, Butter oder Getränke waren zuvor Gegenstand mehrerer Preisrunden verschiedener Handelsketten.
Dass sich Preise zwischen den großen Ketten schnell angleichen können, ist im deutschen Lebensmittelhandel keine Ausnahme. Eine im Februar veröffentlichte Auswertung der Preisvergleichs-App Smhaggle im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur kam bei rund 2.000 vergleichbaren Artikeln zu dem Ergebnis, dass die Preise der Kernsortimente bei Discountern und Supermärkten häufig nahezu identisch sind. Nach Angaben aus der Untersuchung reagieren Händler wie Rewe, Edeka oder Kaufland auf Preissenkungen der Discounter häufig innerhalb weniger Stunden oder weniger Tage.
Die Aldi-Runde bedeutet deshalb nicht, dass Lebensmittel generell deutlich billiger werden. Nach der vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes lagen die Nahrungsmittelpreise im September 2026 insgesamt 0,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die allgemeine Inflationsrate fiel mit 3,3 Prozent wesentlich höher aus, vor allem wegen der stark gestiegenen Energiepreise.
Innerhalb des Lebensmittelkorbs entwickeln sich die einzelnen Warengruppen sehr unterschiedlich. Während etwa Butter, Molkereiprodukte sowie Fleisch auf einigen vorgelagerten Handelsstufen deutlich günstiger wurden, verteuerten sich andere Waren. Entscheidend für Verbraucher ist deshalb weniger die durchschnittliche Lebensmittelinflation als die konkrete Zusammensetzung ihres Einkaufs.
Für Wurst und Schinken erhöht der Rückgang der Großhandels- und Erzeugerpreise derzeit zumindest den Spielraum für weitere Preisbewegungen im Handel. Aldi nutzt diesen Spielraum nun bei mehr als 20 Produkten. Ob andere große Handelsketten ihre vergleichbaren Sortimente ebenfalls kurzfristig anpassen, war am Mittwochmittag noch nicht bestätigt.
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