Kleidung verkaufen, ohne selbst im Laden zu stehen: „vest“ startet in Münster

Secondhandladen in Münster
Symbolbild: Marija Zaric

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Münster. Kleidung verkaufen, ohne Fotos für Kleinanzeigen zu machen, Pakete zu verschicken oder stundenlang auf einem Flohmarkt zu stehen: Mit dieser Idee ist Anfang Oktober ein neuer Secondhandladen in Münster gestartet. An der Hafenstraße 29 verbindet „vest“ ein skandinavisch geprägtes Verkaufskonzept mit einem Café. Kundinnen und Kunden können eigene Verkaufsstände mieten und ihre gebrauchte Kleidung direkt im Geschäft anbieten. Das Ladenpersonal übernimmt anschließend den Verkauf. Allerdings hat das Modell seinen Preis.

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Secondhandladen in Münster funktioniert anders als klassische Geschäfte

Hinter dem neuen Geschäft steht Kristina Lombardi. Ihr Konzept unterscheidet sich von klassischen Secondhandläden, die gebrauchte Kleidung ankaufen oder auf Kommissionsbasis weiterverkaufen. Bei „vest“ mieten Privatpersonen eine eigene Verkaufsfläche, auf der sie ihre aussortierten Kleidungsstücke anbieten können.

Die Anbieter bestimmen selbst, welche Artikel sie verkaufen möchten und welchen Preis sie dafür verlangen. Anschließend bringen sie ihre Kleidung in den Laden und richten ihren Verkaufsstand ein. Während der Öffnungszeiten kümmert sich das Personal um die Kundschaft und wickelt die Verkäufe ab.

Möglich macht das eine digitale Verwaltung über die Plattform WeCircle. Dort werden sämtliche Artikel erfasst und mit Preisen versehen. Verkäuferinnen und Verkäufer können nachvollziehen, welche Kleidungsstücke bereits verkauft wurden. Die Auszahlung der Erlöse erfolgt nach Angaben des Unternehmens zweimal monatlich.

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Das Prinzip erinnert an sogenannte Flohmarkt-Supermärkte, die insbesondere in Skandinavien verbreitet sind. Sie verbinden private Verkaufsflächen mit einem dauerhaft geöffneten Ladengeschäft. Anders als auf einem gewöhnlichen Flohmarkt müssen die Anbieter nicht selbst anwesend sein.

Was kostet es, bei „vest“ Kleidung zu verkaufen?

Wer einen Verkaufsstand mieten möchte, zahlt zunächst eine feste Gebühr. Die Preise richten sich nach der Dauer der Buchung. Zwei Wochen kosten 55 Euro, drei Wochen 75 Euro und vier Wochen 95 Euro. Zusätzlich erhält „vest“ eine Provision von 25 Prozent auf alle verkauften Artikel.

Wie stark diese Kosten den tatsächlichen Erlös beeinflussen, zeigt eine Beispielrechnung: Wer innerhalb von zwei Wochen Kleidung im Gesamtwert von 100 Euro verkauft, muss zunächst 25 Euro Provision abgeben. Nach Abzug der Standmiete von 55 Euro bleiben noch 20 Euro übrig. Bei einem Umsatz von 200 Euro wären es dagegen 95 Euro.

Das bedeutet auch: Wer seine Kleidung nicht verkauft, muss die Standmiete trotzdem bezahlen. Das Angebot eignet sich deshalb besonders für Menschen, die mehrere Kleidungsstücke gleichzeitig anbieten und dafür nicht selbst den gesamten Verkaufsprozess organisieren möchten.

Zu beachten ist außerdem, dass eine Mietwoche bei „vest“ aus sechs Öffnungstagen besteht. Sonntage sowie gesetzliche Feiertage, an denen der Laden geschlossen bleibt, werden nicht mitgezählt.

Verkaufsstände können regelmäßig neu bestückt werden

Ganz ohne Vorbereitung funktioniert der Verkauf allerdings nicht. Die angebotenen Artikel müssen vorab digital registriert und beschrieben werden. Anschließend werden die Preisschilder im Geschäft ausgedruckt.

Das Unternehmen empfiehlt, höchstens 40 Kleidungsstücke gleichzeitig an einem Stand anzubieten. Dadurch soll ausreichend Platz bleiben, damit Interessierte die Ware bequem durchsehen können. Neue Kleidung lässt sich während der Mietzeit jederzeit ergänzen.

In der Standmiete enthalten sind Kleiderbügel, Etiketten und 15 Warensicherungen. Zusätzliche Sicherungen kosten jeweils 50 Cent. Die Betreiber empfehlen außerdem, den eigenen Stand mindestens einmal wöchentlich aufzusuchen und bei Bedarf aufzuräumen.

Nicht verkaufte Kleidungsstücke müssen spätestens am Ende der Mietzeit wieder abgeholt werden. Bei verspäteter Räumung sehen die Geschäftsbedingungen zusätzliche Gebühren vor. Zudem enthalten die AGB einen weitreichenden Haftungsausschluss für gestohlene oder beschädigte Waren. Ob dieser rechtlich in jeder Situation wirksam ist, bleibt davon unberührt.

Ein ähnliches Verkaufsmodell gibt es mit LOPPI bereits in Münster

Die Idee gemieteter Verkaufsflächen ist in Münster nicht völlig neu. Bereits im Februar 2026 eröffnete mit LOPPI ein Geschäft im KOMcenter am Nevinghoff, das nach einem vergleichbaren Prinzip arbeitet. Auch dort können Privatpersonen Verkaufsflächen mieten, ihre Artikel anbieten und die Abwicklung dem Personal überlassen.

Allerdings konzentriert sich LOPPI auf Kinderkleidung, Spielzeug und weitere Kindersachen. „vest“ richtet sich dagegen an Menschen, die gebrauchte Mode anbieten oder kaufen möchten.

Über die Eröffnung von LOPPI hatte ms-aktuell.de bereits Anfang Februar berichtet.

Mit „vest“ bekommt das skandinavisch inspirierte Konzept in Münster somit eine weitere Variante. Neben der Ausrichtung auf Mode setzt das neue Geschäft vor allem auf die Kombination von Einkauf, Gastronomie und zusätzlichen Veranstaltungen.

Café mit Specialty Coffee und veganen Angeboten

Denn „vest“ soll nicht ausschließlich ein Ort für den Kauf und Verkauf gebrauchter Kleidung sein. Zum Geschäft an der Hafenstraße gehört auch ein Café, das unabhängig vom Secondhandangebot besucht werden kann.

Die verwendeten Kaffeebohnen stammen nach Angaben des Geschäfts von Apollo Coffee Roasters aus Dortmund. Angeboten werden unter anderem Espresso, Cappuccino, Filterkaffee und Matcha. Bei der Zubereitung kommen pflanzliche Milchalternativen zum Einsatz.

Auf der Speisekarte stehen außerdem kleinere Snacks und vegane Angebote. Dazu gehört beispielsweise ein gegrilltes Sandwich mit Kimchi und veganem Käse. Auch Limonaden, Eistee und Wasserkefir sind erhältlich.

Das Café soll zugleich Raum zum Verweilen bieten. Darüber hinaus möchte die Betreiberin die Räumlichkeiten für Workshops und weitere Veranstaltungen öffnen. Auch kleine lokale Marken können ihre Produkte im Geschäft präsentieren und verkaufen.

Münsters Secondhandangebot wächst weiter

Mit der Neueröffnung erweitert sich das Angebot für gebrauchte Mode in Münster. Neben klassischen Secondhandgeschäften, Vintageboutiquen und Flohmärkten gewinnen damit auch Verkaufsmodelle an Bedeutung, bei denen Privatpersonen ihre Kleidung direkt in stationären Geschäften anbieten können.

Für Verkäuferinnen und Verkäufer liegt der Vorteil vor allem im geringeren Organisationsaufwand. Sie müssen weder auf Anfragen von Onlinekäufern reagieren noch einzelne Kleidungsstücke verschicken. Gleichzeitig entstehen durch Standmiete und Provision feste Kosten, die beim Verkauf berücksichtigt werden müssen.

Für Käuferinnen und Käufer bietet das Modell wiederum die Möglichkeit, regelmäßig wechselnde Kleidungsstücke unmittelbar vor Ort anzusehen und anzuprobieren.

Ob sich das Konzept langfristig etabliert, dürfte deshalb auch davon abhängen, wie erfolgreich die Anbieter ihre Verkaufsstände nutzen können.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu