
Der chinesische Autohersteller BYD will seine Produktion in Europa deutlich ausbauen. Während das erste europäische Pkw-Werk im ungarischen Szeged später als ursprünglich geplant in Betrieb gehen soll, prüft der Konzern bereits weitere Standorte. Frankreich und Spanien gehören zu den möglichen Kandidaten. Damit treibt BYD seine internationale Expansion voran, obwohl der Aufbau der eigenen Fertigung innerhalb der Europäischen Union bislang langsamer verläuft als vorgesehen.
Das Werk in Szeged sollte ursprünglich bis Ende 2025 die Herstellung von Elektroautos aufnehmen. Inzwischen plant BYD den Beginn der regulären Produktion für das vierte Quartal 2026. Konzernvizepräsidentin Stella Li hatte diesen Zeitplan im Juni gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters genannt und am 12. Oktober in einem Interview mit dem französischen Sender BFM Business bekräftigt. Ein konkreter Starttag wurde nicht mitgeteilt.
Die Fabrik im Süden Ungarns ist für BYD von besonderer Bedeutung. Sie soll das erste europäische Pkw-Werk des Herstellers werden. Der Konzern hatte den Standort im Dezember 2023 angekündigt und mit dem Aufbau einer regionalen Produktions- und Lieferkette verbunden. Als eines der ersten Fahrzeuge soll dort der elektrische Kleinwagen Dolphin Surf hergestellt werden.
Der Bau ist allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Eine am 13. Oktober veröffentlichte Auswertung von Satellitenbildern zeigt mehrere errichtete Produktionshallen, während auf anderen Teilen des Geländes weiterhin gebaut wird. Ein vollständiger Abschluss aller Bauarbeiten ist für den Beginn der Fahrzeugfertigung allerdings nicht zwingend erforderlich.
Trotz der Verzögerung in Ungarn plant BYD bereits den nächsten Expansionsschritt. Stella Li erklärte am 12. Oktober während des Pariser Autosalons, dass der Hersteller eine zweite und dritte Autofabrik in Europa anstrebe. Frankreich gehöre zu den Ländern, die dafür näher untersucht würden. Als einen Standortvorteil nannte die Managerin die vergleichsweise wettbewerbsfähigen Energiekosten.
Auch Spanien ist für BYD interessant. Bereits im Juni hatte Li bei einem Termin in Berlin bestätigt, dass das Land zu den Kandidaten für eine weitere Produktionsstätte gehört. Dabei brachte sie die Übernahme einer bestehenden Autofabrik ins Gespräch. Der Konzern würde demnach eine vorhandene Anlage bevorzugen, statt grundsätzlich ein neues Werk zu errichten.
Eine endgültige Standortentscheidung gibt es bisher nicht. Auch Investitionssummen oder verbindliche Termine für die zusätzlichen Fabriken wurden nicht bekannt gegeben.
Parallel zu den europäischen Expansionsplänen hat BYD ein anderes Vorhaben zurückgestellt. Der Konzern hatte 2024 angekündigt, rund eine Milliarde US-Dollar in ein neues Automobilwerk in der Türkei zu investieren. Vorgesehen war ursprünglich ein Produktionsbeginn im Jahr 2026.
Im Juni bestätigte Stella Li allerdings, dass der Bau der Fabrik noch nicht begonnen habe und das Projekt vorerst ruhe. Einen neuen Zeitplan nannte sie nicht. Stattdessen konzentriert sich BYD zunächst auf die Produktionsstätte in Ungarn und die Suche nach weiteren Standorten in Europa.
Damit gewinnt die Fertigung innerhalb der EU für das Unternehmen zusätzlich an Bedeutung. Eine Produktion in Ungarn, Frankreich oder Spanien würde es BYD ermöglichen, Fahrzeuge näher an seinen europäischen Absatzmärkten herzustellen.
Ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor sind die europäischen Einfuhrabgaben. Die EU hatte im Oktober 2024 zusätzliche Ausgleichszölle auf batteriebetriebene Elektroautos aus China beschlossen. Für BYD wurde ein Satz von 17 Prozent festgelegt. Fahrzeuge, die innerhalb der EU gefertigt werden, fallen nicht unter diese speziellen Importzölle für chinesische Elektroautos.
Hinzu kommen mögliche neue Vorgaben für die europäische Wertschöpfung. Die EU diskutiert derzeit Regeln, die eine stärkere lokale Produktion und den Einsatz europäischer Zulieferer fördern sollen. Mehrere chinesische Hersteller arbeiten deshalb am Aufbau eigener Fertigungskapazitäten und Lieferketten in Europa.
BYD hat dafür bereits erste Partnerschaften geschlossen. Der österreichische Stahlkonzern voestalpine wurde 2025 als Lieferant für das Werk in Szeged vorgestellt. Außerdem hatte BYD angekündigt, seine europäische Unternehmenszentrale und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Budapest anzusiedeln.
Die Investitionspläne treffen auf ein stark gewachsenes Auslandsgeschäft. Nach den im Juni veröffentlichten Zahlen stieg der Absatz von BYD in Europa 2025 um rund 270 Prozent auf knapp 188.000 Fahrzeuge. In den ersten fünf Monaten 2026 legten die europäischen Verkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nochmals um 144 Prozent auf mehr als 100.000 Fahrzeuge zu.
Der Ausbau der europäischen Fertigung würde BYD eine größere Unabhängigkeit von Fahrzeugimporten aus China ermöglichen. Zugleich verschärft sich damit der Wettbewerb auf einem Markt, in dem etablierte Hersteller wie Volkswagen, Renault und Stellantis ihre eigenen Elektroautoangebote weiterentwickeln.
Für BYD bleibt Szeged zunächst das zentrale europäische Industrieprojekt. Die geplanten weiteren Werke in Frankreich, Spanien oder anderen Ländern sollen die Produktionsbasis langfristig ergänzen. Wann aus den Standortüberlegungen konkrete Investitionsentscheidungen werden, ist bislang offen.
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