
Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson hat im dritten Quartal 2026 mehr umgesetzt und operativ besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Die am Donnerstag, 15. Oktober, um 7 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit veröffentlichten Ericsson Quartalszahlen zeigen zugleich einen deutlich niedrigeren Nettogewinn als vor einem Jahr. An den Börsen überwog am Vormittag die positive Reaktion. Unterdessen geriet die Aktie des finnischen Wettbewerbers Nokia unter Druck.
Ericsson erzielte von Juli bis September einen Umsatz von 59,5 Milliarden schwedischen Kronen. Ein Jahr zuvor waren es 56,2 Milliarden Kronen gewesen. Das entspricht einem berichteten Zuwachs von rund sechs Prozent. Bereinigt um Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmen wuchs der Umsatz um sieben Prozent. Vor allem das Geschäft mit Mobilfunknetzen trug dazu bei. In drei von vier regionalen Marktgebieten verzeichnete Ericsson organisches Wachstum.
Die Analysten hatten im Mittel mit einem Umsatz von 55,4 Milliarden Kronen gerechnet. Damit lag der tatsächliche Wert gut vier Milliarden Kronen über der Erwartung. Die positive Abweichung von den Prognosen betrifft somit nicht allein die Entwicklung des Gewinns, sondern auch das höhere Geschäftsvolumen.
Das um Restrukturierungskosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte, kurz EBITA, lag bei 10,1 Milliarden Kronen. Die von Ericsson bereitgestellte Analystenumfrage hatte einen durchschnittlichen Wert von 7,87 Milliarden Kronen ergeben. Die entsprechende Marge erreichte 17,0 Prozent, während die Prognose bei 14,2 Prozent lag. Im Vorjahresquartal hatte Ericsson allerdings noch ein bereinigtes EBITA von 15,8 Milliarden Kronen und eine Marge von 28,1 Prozent ausgewiesen.
Dieser hohe Vorjahreswert war durch einen Veräußerungsgewinn von 7,6 Milliarden Kronen geprägt. Ohne diesen Sondereffekt stieg das bereinigte EBITA im Jahresvergleich. Der ausgewiesene Nettogewinn sank dagegen von 11,3 auf 5,8 Milliarden Kronen. Der verwässerte Gewinn je Aktie ging von 3,33 auf 1,77 Kronen zurück. Auch bei diesen Zahlen erschwert der damalige Veräußerungsertrag einen direkten Vergleich. Das ausgewiesene operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, EBIT, lag im jüngsten Quartal bei knapp 8,9 Milliarden Kronen.
Die Ericsson-Aktie reagierte am 15. Oktober mit deutlichen Kursgewinnen. Auf Tradegate lag der Kurs laut wallstreetONLINE um 10.18 Uhr bei 9,328 Euro und damit 9,02 Prozent über dem Vortageswert. Diese Momentaufnahme ist kein Schlusskurs. Auch Reuters registrierte im europäischen Vormittagshandel einen kräftigen Anstieg nach Vorlage der Ergebnisse.
Anders verlief der Handel bei Nokia. Die Aktie des finnischen Konkurrenten lag nach Angaben von wallstreetONLINE auf Tradegate um 10.22 Uhr bei 8,292 Euro, ein Minus von 2,17 Prozent gegenüber dem dortigen Vortageskurs. Dass die gegensätzlichen Bewegungen unmittelbar durch die Ergebnisse von Ericsson ausgelöst wurden, ist damit nicht belegt. Die Zahlen verdeutlichen jedoch, dass die Anleger beide Unternehmen an diesem Vormittag unterschiedlich bewerteten.
Ericssons neuer Vorstandschef Per Narvinger sieht den Markt für Funkzugangsnetze, also die Technik zur Verbindung von Mobilfunkgeräten mit dem Netz, derzeit ohne nennenswertes Wachstum. Zugleich erwartet das Unternehmen, dass steigende Kosten für Komponenten im Jahr 2027 auf die Bruttomarge drücken werden. Eine konkrete Gewinnprognose für 2027 nannte Ericsson in seiner Quartalsmitteilung nicht. Die bereinigte Bruttomarge des Konzerns lag im dritten Quartal bei 47,7 Prozent nach 48,1 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Parallel kündigte Ericsson organisatorische Änderungen an. Ab dem 1. Januar 2027 sollen die bisher getrennten asiatischen Marktgebiete zu einer Region Asien-Pazifik zusammengelegt werden. Zudem werden Teile des bisherigen Geschäftsbereichs Enterprise Wireless Solutions anderen Einheiten zugeordnet. Damit will das Unternehmen seine Entwicklungsressourcen bündeln und effizienter arbeiten.
Ericsson und Nokia konkurrieren international bei der Ausstattung und Modernisierung von Telekommunikationsnetzen. Höhere Umsätze im Netzgeschäft von Ericsson können deshalb Anhaltspunkte für die Nachfrage in der Branche liefern. Sie belegen aber weder Marktanteilsverluste bei Nokia noch eine entsprechende Entwicklung von dessen Gewinn. Zudem setzt Nokia neben Mobilfunktechnik verstärkt auf optische Netze und Infrastruktur für KI- und Cloud-Kunden.
Nokia hatte für das zweite Quartal 2026 einen vergleichbaren operativen Gewinn von 434 Millionen Euro und einen Konzernumsatz von rund 4,8 Milliarden Euro veröffentlicht. Seine nächsten Quartalszahlen will das Unternehmen am 22. Oktober 2026 vorlegen. Erst diese eigenen Geschäftszahlen ermöglichen einen aktuellen Vergleich der operativen Entwicklung beider Wettbewerber. Für Ericsson bleiben nach den besser als erwartet ausgefallenen Quartalsergebnissen vor allem die Kostenentwicklung und die schwache Dynamik im Markt für Mobilfunkzugangsnetze zentrale Herausforderungen.
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