
Holstein Kiel hält an Tim Walter fest. Obwohl der Fußball-Zweitligist auch nach acht Saisonspielen auf den ersten Sieg wartet, stellt sich die Vereinsführung demonstrativ hinter den 50 Jahre alten Cheftrainer. Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe hat einer möglichen Trainerdiskussion eine klare Absage erteilt. Die Entscheidung folgt auf das 0:0 gegen Tabellenführer Hertha BSC am Freitagabend. Sportlich bleibt die Lage allerdings angespannt: Mit fünf Punkten steht Kiel nach dem achten Spieltag wieder am Tabellenende.
Die Rückendeckung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Verein dringend Ergebnisse benötigt. Fünf Unentschieden und drei Niederlagen stehen in der bisherigen Ligabilanz. Nach der Niederlage gegen Eintracht Braunschweig hatte Rebbe bereits eine deutliche Verbesserung gefordert. Der Auftritt gegen Hertha erfüllte diese Erwartung zumindest hinsichtlich der Leistung. An der weiterhin ausstehenden ersten Siegprämie in Form von drei Punkten änderte das Unentschieden jedoch nichts.
Die Entscheidung über die unmittelbare Zukunft des Trainers hat Geschäftsführer Sport Olaf Rebbe öffentlich bekräftigt. Bereits nach der Begegnung mit Hertha BSC erklärte er am Freitagabend gegenüber dem NDR, dass der Verein keine Trainerdiskussion führe. Am Samstag folgte nach Angaben der Kieler Nachrichten eine weitere Stellungnahme, die vom Verein verbreitet wurde. Darin unterstrich Rebbe, dass die Verantwortlichen weiterhin an eine gemeinsame Lösung der schwierigen sportlichen Situation glauben. Sein deutlichster Satz lautete: „Es gibt keine Trainer-Diskussion.“
Rebbe verwies zugleich auf die regelmäßige sportliche Auswertung nach den Spielen. Die Analyse des Hertha-Unentschiedens sei Bestandteil des üblichen Arbeitsablaufs gewesen. Eine besondere Sitzung zur Zukunft des Trainers stellte er damit nicht in den Mittelpunkt. Die Vereinsführung wolle geschlossen bleiben und die sportliche Entwicklung gemeinsam voranbringen. Auch die Kieler Nachrichten berichteten am Samstag, dass Walter das Training wie gewohnt leitete und beim nächsten Ligaspiel gegen Dynamo Dresden auf der Trainerbank sitzen soll. Eine Trennung vom Trainer ist damit zumindest für die unmittelbar bevorstehende Begegnung nicht vorgesehen.
Allerdings hatte Rebbe wenige Tage zuvor nach der 0:1-Niederlage bei Eintracht Braunschweig deutliche Kritik an der sportlichen Situation geäußert. Vor der Begegnung mit Hertha forderte er eine erkennbare Reaktion der Mannschaft. Im Kicker hatte der Sportgeschäftsführer zudem darauf hingewiesen, dass bei ausbleibenden Punkten im Profifußball bestimmte Mechanismen greifen könnten. Eine uneingeschränkte langfristige Jobgarantie war damit nicht verbunden. Die aktuelle Rückendeckung bedeutet daher vor allem, dass die sportliche Leitung vorerst keinen Trainerwechsel anstrebt.
Die sportlichen Zahlen erklären, weshalb die Zukunft von Tim Walter überhaupt zum Thema geworden ist. Holstein Kiel hat in acht Zweitligapartien erst fünf Punkte gesammelt und dabei sieben Tore erzielt. Besonders auswärts tut sich die Mannschaft schwer. Von vier Begegnungen in fremden Stadien gingen drei verloren, lediglich eine endete unentschieden. Zuhause blieb Kiel dagegen bisher ohne Niederlage, wartet allerdings ebenfalls noch auf den ersten Sieg. Nach dem Unentschieden gegen Hertha verbesserte sich der Verein zunächst auf den Relegationsplatz. Die Sonntagssiege von Dresden und Karlsruhe sorgten jedoch dafür, dass Kiel wieder auf Platz 18 zurückfiel.
Die Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund der vergangenen beiden Spielzeiten bemerkenswert. Im Mai 2024 hatte Holstein Kiel erstmals den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Nach nur einer Saison folgte 2025 der Abstieg. Auch die anschließende Zweitligasaison verlief schwierig. Im Februar 2026 trennte sich der Verein von Aufstiegstrainer Marcel Rapp und verpflichtete Walter als Nachfolger. Unter seiner Leitung stabilisierte sich die Mannschaft, erreichte durch eine zwischenzeitliche Serie von fünf Siegen und einem Unentschieden vorzeitig den Klassenerhalt und schloss die Saison schließlich auf Platz zwölf ab.
Am 30. Mai 2026 verständigten sich Verein und Trainer auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit für ein weiteres Jahr. Damit ist Walters Engagement nach der damaligen Vereinsmitteilung auf die Saison 2026/27 ausgelegt. Als gemeinsame Zielsetzung nannte Holstein eine nachhaltige sportliche Weiterentwicklung. Ein ausdrückliches Versprechen, unmittelbar in die Bundesliga zurückzukehren, enthielt die Erklärung nicht. Für Walter ist es bereits die zweite Amtszeit in Kiel. Zuvor hatte er die Mannschaft in der Saison 2018/19 trainiert und anschließend unter anderem beim VfB Stuttgart, Hamburger SV und englischen Club Hull City gearbeitet.
Tim Walter selbst hatte vor dem Duell gegen Hertha BSC versucht, die Diskussion um seine persönliche Zukunft zurückzustellen. „Es geht nicht um meine Person. Es geht rein um den Verein“, sagte er am 14. Oktober. Zugleich erklärte der Trainer, dass die schwierige Tabellenlage seine Freude an der täglichen Arbeit mit der Mannschaft nicht beeinträchtige. Nach dem Unentschieden gegen die Berliner zeigte er sich mit dem Einsatz seines Teams zufrieden. Die Mannschaft hatte ihre Spielweise angepasst und deutlich kompakter verteidigt als in einigen Begegnungen zuvor.
Eine offiziell bestätigte Suche nach einem Nachfolger gibt es nicht. Aufmerksamkeit erregte allerdings die Anwesenheit des derzeit vereinslosen Trainers Lukas Kwasniok beim Spiel gegen Hertha BSC. Der NDR berichtete, dass Kwasniok auf der Tribüne saß. Rebbe erklärte dem Sender dazu, dass er keinen Kontakt zu ihm gehabt habe. Auch die zuvor diskutierte Möglichkeit eines Ultimatums für Walter beruhte auf einer Interpretation der Äußerungen des Sportgeschäftsführers. Die Kieler Nachrichten hatten diese Einschätzung am 11. Oktober in einem Kommentar vertreten. Eine konkrete Frist für einen Trainerwechsel wurde vom Verein nicht bestätigt.
Der nächste sportliche Termin steht bereits fest. Am Sonntag, 25. Oktober 2026, empfängt Holstein Kiel um 13.30 Uhr Dynamo Dresden. Beide Vereine befinden sich im unteren Tabellenbereich. Für die Kieler ist die Partie eine Gelegenheit, die bisherige Sieglosigkeit zu beenden. Drei Tage später folgt im DFB-Pokal das Heimspiel gegen Bundesligist TSG Hoffenheim. Rebbes Bekenntnis schafft vor diesen Begegnungen Klarheit über die Besetzung des Trainerpostens. An der schwierigen Ausgangslage in der Liga ändert die Entscheidung vorerst nichts: Kiel benötigt dringend Siege, um den Anschluss an das gesicherte Tabellenmittelfeld wiederherzustellen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu