Claas investiert Millionen in neues Werk: Beschäftigte verzichten auf Bezahlung

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Landmaschinenhersteller Claas baut seinen Produktionsstandort in Paderborn aus und investiert dafür mehr als 70 Millionen Euro. Das Unternehmen will über 100 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und bestehende Stellen langfristig sichern. Möglich macht die Investition auch ein Tarifkompromiss zwischen der Unternehmensführung und der IG Metall. Die Beschäftigten werden dafür sechs Jahre lang mehr arbeiten, ohne für die zusätzlichen Stunden bezahlt zu werden.

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Claas plant Investitionen von mehr als 70 Millionen Euro

Der Landmaschinenkonzern Claas hat den Ausbau seines Werks in Paderborn beschlossen. Die Entscheidung wurde im Oktober 2026 anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Standorts bekannt gegeben. In den kommenden Jahren sollen mehr als 70 Millionen Euro in zusätzliche Produktionsflächen, moderne Fertigungsanlagen und neue Technologien fließen.

Im Mittelpunkt steht die Herstellung von Getrieben, Raupenlaufwerken und hydraulischen Komponenten für Landmaschinen. Claas reagiert damit nach eigenen Angaben auf die steigende Nachfrage nach leistungsfähiger Antriebstechnik. Die neuen Kapazitäten sollen außerdem die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens innerhalb seines internationalen Produktionsnetzwerks stärken.

Konzernchef Jan-Hendrik Mohr begründete die Entscheidung unter anderem mit der technischen Kompetenz der Beschäftigten und den am Standort geschaffenen Rahmenbedingungen. Für den Ausbau hat Claas bereits benachbarte Grundstücke des Baustoffkonzerns Heidelberg Materials erworben. Dadurch können Produktionsabläufe und Logistik an der Halberstädter Straße erweitert und neu organisiert werden.

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Beschäftigte leisten sechs Jahre lang unbezahlte Mehrarbeit

Die Investitionsentscheidung ist mit einem erheblichen Zugeständnis der Belegschaft verbunden. Nach den Vereinbarungen zwischen Claas und der IG Metall wird die reguläre Wochenarbeitszeit für sechs Jahre von 35 auf 37,5 Stunden angehoben. Die zusätzlichen 2,5 Stunden werden nicht bezahlt. Anschließend soll wieder die bisherige 35-Stunden-Woche gelten.

Die Regelung ist Bestandteil eines Zukunftstarifvertrags, der die Investitionen und die Beschäftigung am Standort absichern soll. Bei einer Mitgliederversammlung stimmten nach Angaben der IG Metall rund 85 Prozent der teilnehmenden Gewerkschaftsmitglieder der Vereinbarung zu.

Der Kompromiss war innerhalb der Belegschaft umstritten. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jörg Bettermann bestätigte gegenüber dem WDR, dass es über die zusätzliche Arbeitszeit deutliche Auseinandersetzungen gegeben habe. Eine Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder unterstützte die Vereinbarung dennoch.

Mehr als 100 neue Arbeitsplätze geplant

Mit dem Ausbau sollen die rund 700 bestehenden Arbeitsplätze langfristig gesichert werden. Zusätzlich plant Claas mehr als 100 neue Stellen. Der Zukunftstarifvertrag verbindet die Investitionszusagen außerdem mit einer umfassenden Qualifizierung der Beschäftigten.

Hintergrund ist der geplante technologische Wandel in der Fertigung. Automatisierte Produktionsanlagen, Robotik und künstliche Intelligenz sollen künftig eine größere Rolle spielen. Die Beschäftigten sollen durch Weiterbildungsmaßnahmen auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden.

Die IG Metall sieht in der Vereinbarung eine Möglichkeit, industrielle Produktion und die Entwicklung moderner Landtechnik weiterhin in Deutschland zu halten. Der beschlossene Zukunftstarifvertrag betrifft das Projekt CITPLUS, mit dem die neue Produktionsinfrastruktur vollständig in Paderborn entstehen soll.

Ursprüngliche Pläne für anderen Standort aufgegeben

Der Entscheidung waren längere Überlegungen über die künftige Produktionsstruktur vorausgegangen. Claas hatte im Dezember 2025 Pläne für einen Neubau in der benachbarten Gemeinde Borchen aufgegeben. Hintergrund waren nach damaligen Angaben Schwierigkeiten bei der Umsetzung und die Dauer der erforderlichen Verfahren.

Anschließend standen auch Produktionsstandorte in Frankreich und Ungarn als Alternativen zur Diskussion. Mit der jetzt vereinbarten Investition erhält Claas in Paderborn zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten am bestehenden Standort.

Das Unternehmen hatte bereits im September 2025 auf seine begrenzten Fertigungskapazitäten hingewiesen. Damals wurde angekündigt, einen Teil der Hydraulikmontage vorübergehend an einen weiteren Standort in Paderborn zu verlagern.

Claas erweitert auch Werke in Frankreich und Ungarn

Der Ausbau in Deutschland ist Teil einer umfassenderen Weiterentwicklung des europäischen Produktionsnetzwerks. Claas investiert zugleich in seine Werke im französischen Le Mans und im ungarischen Törökszentmiklós.

In Frankreich entsteht eine neue multifunktionale Produktionshalle. Am ungarischen Standort plant das Unternehmen ein Zentrum für die Endausrüstung und den Versand von Landmaschinen.

Für Claas in Paderborn bedeutet die Investition eine langfristige Erweiterung der industriellen Fertigung. Der Standort entwickelt und produziert unter anderem stufenlose Traktorgetriebe, Raupenlaufwerke und Spezialhydraulik für Landmaschinen. Diese Komponenten werden sowohl innerhalb des Konzerns eingesetzt als auch an externe Maschinenbauer geliefert.

Claas gehört zu den international führenden Herstellern von Landtechnik. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Familienunternehmen einen Umsatz von rund 4,92 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit 11.654 Menschen. Die neuen Investitionen sollen die technologische Leistungsfähigkeit und die Produktionskapazitäten des Konzerns weiterentwickeln.

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