
Der US-amerikanische Spielekonzern Electronic Arts schließt das traditionsreiche Entwicklerstudio BioWare und beendet die Arbeiten am nächsten Teil der Reihe Mass Effect. Die Entscheidung ist Bestandteil einer umfassenden Neuordnung des Unternehmens. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen konzernweit rund 400 Arbeitsplätze wegfallen. Die Umstrukturierung erfolgt nur wenige Monate nach der milliardenschweren Übernahme des Spielepublishers durch eine internationale Investorengruppe.
Die Schließung von BioWare gab Electronic Arts am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in einer veröffentlichten Mitteilung an seine Beschäftigten bekannt. Darin erklärte die Unternehmensführung, dass die Entwicklung eines neuen Mass-Effect-Spiels nicht fortgesetzt werde. Gleichzeitig werde das Studio einschließlich seines Standorts im kanadischen Edmonton geschlossen.
BioWare gehörte seit 2007 zu Electronic Arts und entwickelte einige der bekanntesten Rollenspielreihen der Branche. Dazu zählen Dragon Age, Mass Effect, Baldur’s Gate und Star Wars: Knights of the Old Republic. Das 1995 gegründete Studio blickt damit auf mehr als drei Jahrzehnte Spieleentwicklung zurück.
Die Entscheidung beendet auch das bislang angekündigte neue Mass-Effect-Projekt. Nach Angaben von EA hatte zuletzt nur noch ein kleines Team an der frühen Entwicklung gearbeitet. Einen Veröffentlichungstermin gab es nicht.
Der Stellenabbau bei Electronic Arts geht offenbar deutlich über die Schließung von BioWare hinaus. Nach Informationen von Bloomberg sollen konzernweit etwa 400 Stellen gestrichen werden. Das entspricht ungefähr drei Prozent der Belegschaft. Rund 50 Beschäftigte sollen unmittelbar bei BioWare betroffen sein.
Die Zahlen gehen auf eine mit den Unternehmensplanungen vertraute Person zurück. Electronic Arts selbst nannte in seiner öffentlichen Mitteilung keine konkrete Gesamtzahl der wegfallenden Arbeitsplätze.
Der Konzern kündigte an, betroffene Mitarbeiter bei der Suche nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens zu unterstützen. Welche weiteren Standorte und Abteilungen vom Stellenabbau betroffen sind, blieb zunächst offen.
Die Schließung ist Teil einer größeren Neuausrichtung. EA will seine Investitionen stärker auf ausgewählte Spielemarken und Entwicklungsprojekte konzentrieren. Dazu zählen insbesondere Battlefield, Apex Legends und das Sportspielgeschäft mit EA Sports FC.
Zugleich sollen die Entwicklerstudios Respawn Entertainment und DICE gemeinsam an einem neuen Projekt arbeiten. Auch die Entwicklung eines weiteren Star-Wars-Jedi-Spiels und des angekündigten Marvel-Spiels Iron Man wird fortgesetzt.
Veränderungen gibt es außerdem bei den Reihen Die Sims und skate. Während EA das Sims-Projekt mit dem Codenamen „Project Evergreen“ priorisiert, wird die Entwicklung von „Project Lotus“ vorerst pausiert. Das Team hinter skate. soll verkleinert werden.
Die Entscheidungen verdeutlichen eine veränderte Investitionsstrategie: Electronic Arts will weniger große Entwicklungsprojekte gleichzeitig finanzieren und seine Ressourcen stärker bündeln.
Die Einschnitte erfolgen rund zweieinhalb Monate nach einem bedeutenden Eigentümerwechsel. Am 4. August 2026 hatte Electronic Arts den Abschluss seiner Übernahme durch ein Investorenkonsortium bekannt gegeben. Daran beteiligt sind der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und Affinity Partners.
Die Transaktion hatte einen Unternehmenswert von rund 55 Milliarden US-Dollar. Im Zuge der Übernahme wurde Electronic Arts von der Börse genommen. Die Aktien des Konzerns werden seitdem nicht mehr an der Nasdaq gehandelt.
Die Finanzierung des Geschäfts sah auch eine erhebliche Fremdkapitalkomponente vor. Bereits bei der Ankündigung der Übernahme im September 2025 waren rund 18 Milliarden Dollar an Darlehensmitteln für den Abschluss vorgesehen.
Ob die aktuellen Einschnitte unmittelbar mit den finanziellen Verpflichtungen aus der Übernahme zusammenhängen, hat Electronic Arts nicht ausdrücklich bestätigt. Das Unternehmen begründet die Neuordnung vor allem mit verändertem Wettbewerb, neuen Wachstumsmöglichkeiten und dem Ziel, Investitionen stärker auf ausgewählte Bereiche zu konzentrieren.
Mit BioWare verschwindet ein Entwicklerstudio, das die internationale Rollenspielbranche über Jahrzehnte geprägt hat. Besonders die Mass-Effect-Reihe und die Dragon-Age-Spiele machten das Unternehmen weltweit bekannt.
In den vergangenen Jahren hatte BioWare allerdings mehrere Rückschläge erlebt. Das 2019 veröffentlichte Anthem erfüllte die Erwartungen nicht. Auch Dragon Age: The Veilguard, das 2024 erschien, blieb wirtschaftlich hinter den Zielsetzungen von Electronic Arts zurück.
Für die Spielebranche bedeutet die Schließung den Verlust eines etablierten Entwicklungsstandorts mit langjähriger Erfahrung bei erzählerisch geprägten Rollenspielen. Für EA ist sie zugleich ein Beispiel dafür, wie weit der Konzern seine Projektplanung im Zuge der Neuordnung verändert.
Mit dem Ende der laufenden Entwicklung entfällt vorerst auch die angekündigte Fortsetzung von Mass Effect. Ob EA die Marke später mit einem anderen Entwicklerstudio fortführen könnte, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
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