
Nach wochenlangen Unterbrechungen kehren mehrere Rheinfähren in den Betrieb zurück. Steigende Wasserstände ermöglichen wieder Überfahrten, nachdem zahlreiche Verbindungen wegen des Niedrigwassers eingestellt werden mussten. Für die Betreiber hat die monatelange Trockenheit jedoch erhebliche wirtschaftliche Folgen. Auch Industrie, Handel und Binnenschifffahrt kämpfen mit höheren Transportkosten und eingeschränkten Kapazitäten.
Die Rheinfähre zwischen Düsseldorf-Urdenbach und Dormagen-Zons soll am Sonntag, 25. Oktober 2026, ihren Betrieb wieder aufnehmen. Das kündigte Betreiber Wolfgang Jansen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an. Zuvor hatte die Verbindung wegen des niedrigen Rheinwasserstands wiederholt pausieren müssen.
Auch an anderen Abschnitten des Rheins verbessert sich die Lage. Die Fähren zwischen Bad Honnef und Rolandseck sowie zwischen Linz und Remagen-Kripp sind bereits wieder unterwegs. Für die Verbindung zwischen Bonn-Bad Godesberg und Königswinter ist ein Neustart am Montag vorgesehen. Ob auch die Fähre zwischen Leverkusen und Köln wieder fahren kann, soll ebenfalls am Montag geprüft werden.
Besonders deutlich werden die wirtschaftlichen Folgen bei der Zonser Fähre. Nach Angaben von Wolfgang Jansen konnte das Unternehmen in diesem Jahr an insgesamt 68 Tagen keine Überfahrten anbieten. Während des außergewöhnlichen Niedrigwassers 2018 waren es 46 Tage gewesen.
Der Betreiber beziffert den bisherigen Umsatzrückgang 2026 auf mehr als ein Drittel. Erstmals musste das Familienunternehmen Kurzarbeit einführen. Neben der Betreiberfamilie beschäftigt der Betrieb fünf Festangestellte und fünf Aushilfen.
Die Ausfälle trafen das Unternehmen ausgerechnet während der wirtschaftlich wichtigen Sommermonate. In dieser Zeit nutzen zahlreiche Fußgänger und Radfahrer die Verbindung für Ausflüge. Im Herbst und Winter ist das Fahrgastaufkommen gewöhnlich niedriger.
Jansen zufolge konnte der Betrieb die finanziellen Belastungen bislang auch dank eines guten Vorjahres bewältigen. Ein weiteres Jahr mit ähnlich langen Unterbrechungen würde die wirtschaftliche Situation erheblich verschärfen.
Nicht alle Fährbetriebe profitieren noch von den steigenden Wasserständen. Die Bislicher Fähre zwischen Wesel und Xanten wird ihren Betrieb in diesem Jahr nicht mehr aufnehmen.
Nach Angaben von Fährleiter Philipp Feine fiel die Verbindung wegen des Niedrigwassers mehr als acht Wochen aus. Er rechnet für 2026 mit höchstens 45.000 Passagieren. Das wären rund 20.000 weniger als in einem gewöhnlichen Jahr.
Da die Ausflugsfähre ihre Saison Ende Oktober regulär beendet, lohnt sich ein kurzfristiger Neustart nicht mehr. Für das kommende Jahr sollen mögliche technische Anpassungen geprüft werden, damit der Betrieb auch bei niedrigen Wasserständen länger möglich bleibt. Dazu gehören Veränderungen an den Anlegestellen.
Die jüngsten Regenfälle haben die Wasserführung des Rheins verbessert. Eine vollständige Entspannung ist damit allerdings noch nicht erreicht.
Am Pegel Düsseldorf wurden nach Daten des amtlichen Informationsdienstes ELWIS am Samstag, 24. Oktober, um 5 Uhr 20 Zentimeter registriert. Für Sonntagmorgen prognostizierte die Bundesanstalt für Gewässerkunde einen Anstieg auf rund 32 Zentimeter.
Die niedrigen Werte verdeutlichen, wie angespannt die Situation weiterhin ist. Der frühere Düsseldorfer Tiefstwert aus dem Oktober 2018 lag bei 23 Zentimetern und wurde 2026 zeitweise deutlich unterschritten.
Dabei beschreibt der Pegelstand nicht unmittelbar die tatsächliche Wassertiefe in der Fahrrinne. Für Schiffe ist entscheidend, welcher Tiefgang auf dem jeweiligen Flussabschnitt sicher möglich ist.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen weit über die Fährunternehmen hinaus. Für die Binnenschifffahrt bedeutet Niedrigwasser, dass Frachtschiffe häufig nur mit deutlich reduzierter Ladung fahren können. Dadurch werden zusätzliche Transporte notwendig, während die Kosten pro beförderter Gütermenge steigen.
Eine gemeinsame Unternehmensbefragung mehrerer Industrie- und Handelskammern entlang des Rheins macht das Ausmaß der Belastung deutlich. Von den mehr als 150 befragten Betrieben meldeten 78 Prozent höhere Kosten. 72 Prozent mussten ihre Logistikprozesse verändern. Fast jedes dritte Unternehmen schränkte seine Produktion ein.
Bei mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen erhöhten sich die Logistikkosten um mindestens 25 Prozent. Die Erhebung wurde vom 29. Juli bis 4. August 2026 durchgeführt und umfasst überwiegend Unternehmen aus Industrie und Logistik. Sie ist damit keine repräsentative Untersuchung der gesamten deutschen Wirtschaft.
Besonders betroffen sind Branchen, die große Mengen an Rohstoffen und Waren transportieren. Dazu gehören die Chemieindustrie, Stahlunternehmen, die Mineralölwirtschaft und der Getreidehandel.
Wie sich die Einschränkungen auf Lieferketten auswirken, zeigt die Mineralölwirtschaft. Der Branchenverband en2x erklärte Anfang Oktober, dass der Transport von Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin durch das Niedrigwasser erheblich erschwert werde.
Wo Binnenschiffe nicht ausreichend Ladung aufnehmen können, müssen zusätzliche Tankkraftwagen oder Güterzüge eingesetzt werden. Da diese Kapazitäten begrenzt sind, steigen nach Angaben des Verbands die Transportkosten. Das kann sich auch auf die Preise an Tankstellen auswirken.
Für Handelsunternehmen entstehen außerdem zusätzliche Herausforderungen, wenn Warenlieferungen umgeplant werden müssen. Die Logistikgruppe ELSEN verweist darauf, dass Ausweichtransporte über Straße und Schiene zusätzliche Kapazitäten beanspruchen und Lieferzeiten verlängern können.
Die wieder steigenden Rheinpegel lösen die grundlegenden Probleme der Wasserstraße nicht. Bereits im August hatte das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit den Ländern Maßnahmen besprochen, um Lieferketten bei außergewöhnlich niedrigen Wasserständen zu sichern.
Die Industrie- und Handelskammern verlangen zusätzliche Investitionen in die Wasserstraßeninfrastruktur. Dazu gehören Verbesserungen an Fahrrinnen und die Förderung von Schiffen, die auch bei geringem Tiefgang größere Transportmengen befördern können.
Auch bei Fährverbindungen werden technische Veränderungen diskutiert. Die Stadt Bad Honnef hatte bereits im August vorgeschlagen, die Rampen an den Anlegestellen weiter in den Rhein zu verlängern. Damit könnten Überfahrten bei niedrigeren Pegelständen möglicherweise länger aufrechterhalten werden.
Für die betroffenen Unternehmen ist der erneute Betrieb der Rheinfähren deshalb eine wirtschaftliche Erleichterung. Die Einnahmeausfälle und zusätzlichen Transportkosten der vergangenen Monate bleiben jedoch bestehen.
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