
Hannover 96 findet auch unter Sandro Wagner nicht zurück in die Erfolgsspur. Nach der 0:2-Niederlage bei Eintracht Braunschweig am Sonntag, 25. Oktober 2026, wartet der neue Trainer weiter auf seinen ersten Sieg. Aus drei Zweitligaspielen holte Hannover unter seiner Leitung lediglich einen Punkt. Der Traditionsverein steht nach neun Spieltagen auf dem Relegationsplatz 16. Neben den sportlichen Problemen beschäftigen den Klub die angespannte Personallage und schwere Vorfälle mit Pyrotechnik beim Niedersachsen-Derby.
Die bisherige Bilanz von Sandro Wagner bei Hannover 96 fällt ernüchternd aus. Sein Pflichtspieldebüt am 10. Oktober endete mit einer 0:3-Niederlage beim 1. FC Magdeburg. Eine Woche später erreichte Hannover gegen den FC St. Pauli ein 1:1. Mit dem verlorenen Derby in Braunschweig folgte nun die zweite Niederlage unter Wagner.
Damit steht der 38-Jährige nach drei Ligaspielen bei einem Unentschieden und zwei Niederlagen. Hannover hat insgesamt acht Punkte aus neun Spielen gesammelt und lediglich zwei Saisonsiege vorzuweisen. Der Abstand zu den Mannschaften im gesicherten Tabellenmittelfeld ist weiterhin gering, allerdings befindet sich der Verein nach dem ersten Saisonviertel mitten im Abstiegskampf.
Wagner hatte seinen Posten im September übernommen. Hannover 96 stellte seinen Vorgänger Christian Titz am 14. September frei, nachdem die Mannschaft aus den ersten fünf Ligaspielen nur vier Punkte geholt hatte. Beim anschließenden 2:1 gegen den VfL Bochum betreute zunächst U23-Trainer Lars Barlemann das Team.
Am 19. September verkündete Hannover schließlich die Verpflichtung Wagners. Der frühere Nationalspieler unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028. Zuvor hatte er unter anderem als Assistent von Bundestrainer Julian Nagelsmann gearbeitet und den FC Augsburg trainiert. Mit seiner Verpflichtung verband Hannover die Erwartung, die Mannschaft sportlich zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.
Nach der Niederlage in Braunschweig zeigte sich Wagner deutlich enttäuscht. Besonders mit dem Auftritt vor der Halbzeit war der Trainer unzufrieden. Seine Mannschaft habe Schwierigkeiten gehabt, die eigene Spielordnung aufrechtzuerhalten und zweite Bälle zu gewinnen. Bereits während der ersten Hälfte seien deshalb taktische Veränderungen notwendig geworden.
Nach der Pause habe Hannover zwar mehr Kontrolle entwickelt und sich Chancen erspielt, die Möglichkeiten jedoch nicht genutzt. Wagner verwies darauf, dass sich seine Mannschaft derzeit schwertue, gute Spielphasen auch in Tore umzumünzen.
Trotz der ausbleibenden Ergebnisse stellte sich der Trainer hinter seine Spieler. Er betonte, weiterhin von der Qualität seiner Mannschaft überzeugt zu sein. Entscheidend sei nun, die Ursachen für die schwachen Leistungen aufzuarbeiten und im Training konkrete Verbesserungen zu erreichen.
Eine öffentliche Diskussion über seine persönliche Zukunft stand nach dem Derby nicht im Mittelpunkt seiner Aussagen. Vielmehr richtete Wagner den Blick auf die unmittelbare sportliche Entwicklung.
Auch Sportgeschäftsführer Jonas Boldt fand nach dem Derby deutliche Worte. Besonders das Auftreten in der ersten Halbzeit kritisierte er. Hannover habe sich zu häufig zurückgezogen und sei in wichtigen Zweikämpfen nicht ausreichend präsent gewesen.
Boldt machte deutlich, dass ein solcher Auftritt den Anforderungen eines Derbys nicht gerecht werde. Zugleich verwies er auf Probleme beim Selbstvertrauen der Mannschaft. Die jüngste Niederlage treffe nicht nur die Spieler, sondern den gesamten Verein und seine Anhänger.
Damit rückt neben taktischen Fragen zunehmend die mentale Verfassung des Teams in den Vordergrund. Hannover muss nach wiederholten Rückschlägen wieder mehr Sicherheit in seine Abläufe bekommen.
Die Ausgangslage ist auch deshalb anspruchsvoll, weil Hannover die vergangene Zweitligasaison auf dem vierten Tabellenplatz beendet und den Aufstieg in die Bundesliga nur knapp verpasst hatte. Von einer vergleichbaren Platzierung ist der Klub derzeit weit entfernt.
Die sportliche Situation wird durch mehrere Ausfälle erschwert. Beim Derby fehlten Hannover sechs Spieler, darunter mehrere Optionen für die Offensive.
Lars Gindorf stand nach einer Viruserkrankung noch nicht wieder zur Verfügung. Mustapha Bundu befand sich nach seiner Oberschenkelverletzung weiterhin im Aufbau. Benedikt Pichler musste wegen Beschwerden im Wadenbereich passen.
Hinzu kamen Karl Steinmann mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel, Joschua Siewert mit einer Innenbandverletzung im linken Knie und Bastian Allgeier wegen Adduktorenbeschwerden.
Wagner reagierte auf die Personallage auch mit Spielern aus dem Nachwuchsbereich. In Braunschweig kamen Tom Hobrecht und Merlin Sinanovic zu ihren ersten Einsätzen bei den Profis. Beide waren zuvor für Hannovers U23 aufgelaufen.
Wann die verletzten Spieler vollständig zurückkehren können, war zunächst nicht für alle Betroffenen geklärt. Gerade bei der anstehenden Abfolge von Pokal und Liga wäre eine größere personelle Auswahl für den Trainer hilfreich.
Neben der Niederlage muss sich Hannover 96 mit den Vorfällen im Gästebereich des Eintracht-Stadions beschäftigen. Nach dem zweiten Braunschweiger Treffer in der Nachspielzeit wurde aus dem Bereich der Hannover-Anhänger Pyrotechnik in Richtung anderer Zuschauerbereiche und des Spielfeldes abgefeuert.
Schiedsrichter Tobias Reichel unterbrach die Partie daraufhin für rund zehn Minuten. Feuerwehrkräfte mussten eingreifen, bevor das Spiel fortgesetzt werden konnte.
Die Polizei Braunschweig bestätigte, dass aus dem Gästebereich unter anderem Raketen auf Zuschauer und Einsatzkräfte abgefeuert wurden. Ein Besucher und eine Polizeibeamtin erlitten dabei leichte Verletzungen. Bereits vor dem Spiel waren bei einem Braunschweiger Fanmarsch vier Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt worden.
Boldt verurteilte die Vorfälle ausdrücklich. Enttäuschung über eine Derby-Niederlage rechtfertige kein derartiges Verhalten im Stadion.
Für Hannover könnten die Vorfälle auch sportgerichtliche Folgen haben. Der Deutsche Fußball-Bund ahndet vergleichbares Fehlverhalten von Anhängern regelmäßig mit Geldstrafen gegen die betroffenen Vereine. Eine konkrete Entscheidung des DFB zu den Ereignissen in Braunschweig lag am Sonntagabend noch nicht vor.
Für Hannover 96 bleibt wenig Zeit, die Niederlage aufzuarbeiten. Bereits am Mittwoch, 28. Oktober, empfängt die Mannschaft um 20.45 Uhr den 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals.
Anschließend wartet am Sonntag, 1. November, um 13.30 Uhr das Zweitligaheimspiel gegen Dynamo Dresden. Eine Woche später, am 8. November, tritt Hannover beim 1. FC Heidenheim an.
Für Wagner bieten diese Begegnungen die nächsten Gelegenheiten, mit seiner Mannschaft sportliche Fortschritte zu erzielen. Der Trainer muss dabei vor allem die fehlende Konstanz, die Probleme im Spielaufbau und die mangelnde Chancenverwertung angehen.
Nach drei Pflichtspielen ohne Sieg steht fest, dass der Trainerwechsel bislang nicht den erhofften sportlichen Umschwung gebracht hat. Die nächsten Begegnungen werden zeigen, ob Hannover unter Wagner den Anschluss an das Tabellenmittelfeld wiederherstellen kann.
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