
Der Facebook- und Instagram-Konzern Meta will sich über den Kapitalmarkt zusätzliche Milliarden für den Ausbau seiner künstlichen Intelligenz sichern. Insgesamt könnte das Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien und wandelbaren Wertpapieren rund 95 Milliarden US-Dollar einnehmen. Ein erster Teil des umfangreichen Finanzierungsplans wurde am Montag, 26. Oktober 2026, offiziell gestartet. Für bestehende Aktionäre könnte die Kapitalbeschaffung Veränderungen mit sich bringen.
Meta Platforms hat zwei öffentliche Wertpapierangebote mit einem Gesamtvolumen von ungefähr 35 Milliarden US-Dollar angekündigt. Davon entfallen 22,5 Milliarden Dollar auf Stammaktien der Klasse A. Weitere rund 12,5 Milliarden Dollar sollen durch Hinterlegungsscheine auf neue wandelbare Vorzugsaktien eingeworben werden.
Die Stammaktien werden über sogenannte Forward-Verkaufsvereinbarungen angeboten. Dabei erhält Meta die Erlöse nicht unmittelbar beim Verkauf durch die beteiligten Finanzinstitute, sondern grundsätzlich erst bei der späteren Abwicklung der Vereinbarungen. Diese kann nach den angekündigten Bedingungen bis November 2027 erfolgen.
Zusätzlich plant der Konzern ein Aktienverkaufsprogramm über ungefähr 60 Milliarden Dollar. Hierfür sollen Aktien der neuen Klasse C verwendet werden, die keine regulären Stimmrechte besitzen. Das Programm soll frühestens im ersten Quartal 2027 beginnen. Verbindliche Vereinbarungen dafür bestehen bislang nicht. Auch der tatsächlich erzielte Erlös ist offen.
Die geplante Meta Aktienemission hat auch Bedeutung für Anleger, die bereits Anteilsscheine des Unternehmens besitzen. Werden zusätzliche Aktien ausgegeben, erhöht sich die Gesamtzahl der Anteile. Dadurch kann der prozentuale wirtschaftliche Anteil bisheriger Aktionäre am Unternehmen sinken, sofern diese keine weiteren Aktien erwerben.
Gleichzeitig soll eine neue Aktienstruktur die Stimmrechtsverhältnisse weitgehend schützen. Bereits bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 21. Oktober hatte Meta angekündigt, ab Januar 2027 stimmrechtslose Aktien der Klasse C einzuführen.
Bestehende Aktionäre sollen für jede gehaltene Aktie der Klassen A oder B zusätzlich eine Aktie der Klasse C erhalten. Diese einmalige Aktiendividende steht unter den angekündigten rechtlichen Voraussetzungen. Der genaue Stichtag und der Ausgabetermin müssen noch festgelegt werden.
Die Zuteilung entspricht wirtschaftlich einer geplanten Aktienaufteilung im Verhältnis zwei zu eins. Allein durch diese Maßnahme erhöht sich der Unternehmenswert nicht. Die Stimmrechte der bisherigen Aktionäre bleiben durch die zusätzliche Zuteilung unverändert.
Die spätere Ausgabe weiterer Aktien zur Kapitalbeschaffung ist davon zu unterscheiden. Sie kann den wirtschaftlichen Anteil bestehender Aktionäre verringern. Bei den stimmrechtslosen C-Aktien geschieht das, ohne zusätzliche reguläre Stimmrechte auszugeben. Damit soll auch die beherrschende Stellung von Konzernchef Mark Zuckerberg erhalten bleiben.
Auch drei der weltweit wichtigsten Halbleiterunternehmen könnten sich an der Kapitalbeschaffung beteiligen. Nvidia, AMD und Broadcom haben nach Angaben von Meta Interesse bekundet, gemeinsam Stammaktien der Klasse A im Wert von insgesamt bis zu fünf Milliarden US-Dollar zu erwerben.
Verbindliche Kaufvereinbarungen bestehen allerdings nicht. Die drei Unternehmen können ihre geplanten Beteiligungen noch verändern oder vollständig darauf verzichten. Auch ist nicht garantiert, dass ihnen Aktien im gewünschten Umfang zugeteilt werden.
Die mögliche Beteiligung ist bemerkenswert, weil alle drei Unternehmen wichtige Anbieter von Technologien für KI-Rechenzentren sind. Nvidia entwickelt unter anderem leistungsstarke KI-Beschleuniger, während AMD und Broadcom ebenfalls Rechen- und Netzwerktechnik für große Rechenzentren anbieten.
Mit einem Aktienkauf würden die Unternehmen nicht nur als Technologieanbieter auftreten, sondern zugleich Kapital in einen wichtigen Abnehmermarkt investieren. Ob und in welchem Umfang die Beteiligungen tatsächlich zustande kommen, war zunächst offen.
Hinter den Finanzierungsplänen steht der milliardenschwere Ausbau der technischen Infrastruktur. Meta erwartet für das Gesamtjahr 2026 Investitionsausgaben einschließlich bestimmter Leasingzahlungen zwischen 135 und 145 Milliarden US-Dollar. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf Rechenzentren und Rechenleistung für künstliche Intelligenz.
Der Konzern entwickelt eigene KI-Modelle, digitale Assistenten und Anwendungen für Unternehmen. Zugleich setzt Meta künstliche Intelligenz ein, um die Empfehlungen von Inhalten auf Facebook und Instagram sowie die Ausspielung von Werbung zu verbessern.
Die finanziellen Auswirkungen werden bereits in den Quartalszahlen sichtbar. Im dritten Quartal 2026 erzielte Meta einen Umsatz von rund 64,6 Milliarden Dollar, 26 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn lag bei ungefähr 9,9 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen einen negativen freien Cashflow von 2,12 Milliarden Dollar. Diese Kennzahl beschreibt, wie viel Geld nach bestimmten Investitionsausgaben aus dem laufenden Geschäft übrig bleibt. Ein negativer Wert bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen insgesamt Verluste schreibt.
Ende September verfügte Meta nach eigenen Angaben noch über liquide Mittel und kurzfristig beziehungsweise am Markt verfügbare Wertpapiere von insgesamt rund 82,45 Milliarden Dollar.
Mit der umfangreichen Aktienausgabe ergänzt Meta seine bisherigen Finanzierungsmöglichkeiten. Der Konzern will seine Investitionen künftig durch eine Kombination aus operativen Einnahmen, Anleihen, strategischen Partnerschaften und Eigenkapital finanzieren.
Die Dimension der geplanten Investitionen zeigt, wie kapitalintensiv die Entwicklung leistungsfähiger KI-Systeme geworden ist. Neben der Entwicklung entsprechender Software benötigen die Unternehmen große Rechenzentren, spezialisierte Chips, leistungsfähige Netzwerke und erhebliche Stromkapazitäten.
Meta konkurriert dabei unter anderem mit Google, Microsoft und weiteren Entwicklern künstlicher Intelligenz. Der Ausbau der Rechenkapazitäten ist eine wichtige Voraussetzung, um größere KI-Modelle zu trainieren und neue Anwendungen für Milliarden potenzielle Nutzer bereitzustellen.
Nach Darstellung von Meta tragen bisherige KI-Investitionen bereits zu besseren Werbeergebnissen und einer stärkeren Nutzung seiner Plattformen bei. In welchem Umfang zusätzliche KI-Produkte langfristig eigenständige Gewinne erwirtschaften werden, ist dagegen noch offen.
Das mögliche Gesamtvolumen von rund 95 Milliarden Dollar setzt sich aus den bereits gestarteten Wertpapierangeboten und einem zusätzlichen, bislang nur geplanten Aktienverkaufsprogramm zusammen.
Für die laufenden Angebote sind außerdem Mehrzuteilungsoptionen vorgesehen. Dadurch könnte das tatsächlich platzierte Volumen dieses ersten Teils über den zunächst genannten rund 35 Milliarden Dollar liegen.
Beim geplanten 60-Milliarden-Dollar-Programm sollen Aktien schrittweise über den Markt verkauft werden können. Wann Meta diese Möglichkeit nutzt und welche Beträge tatsächlich eingenommen werden, hängt von den weiteren Entscheidungen des Unternehmens und den Marktbedingungen ab.
Damit ist der Finanzierungsplan zwar angekündigt, die vollständige Kapitalaufnahme aber keineswegs abgeschlossen. Für bestehende Aktionäre sind insbesondere der endgültige Umfang der neuen Aktien, die Auswirkungen auf ihre Beteiligungsquoten und die wirtschaftlichen Ergebnisse der KI-Investitionen von Bedeutung.
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