
Wer sein Haus renoviert, modernisiert oder energetisch saniert, muss für zahlreiche Handwerksarbeiten deutlich mehr bezahlen als noch vor einigen Jahren. Besonders stark haben sich bestimmte technische Arbeiten verteuert. Eine Auswertung auf Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass die Preise ausgewählter Handwerksleistungen zwischen 2021 und 2025 im Durchschnitt um 36 Prozent gestiegen sind. Die untersuchten Materialgruppen verteuerten sich dagegen um durchschnittlich 24,3 Prozent. Bei einem einzelnen Gewerk lag der Preisanstieg sogar bei 81,7 Prozent.
Den stärksten Preisanstieg verzeichneten Dämm- und Brandschutzarbeiten an technischen Anlagen. Laut der Auswertung der Vermittlungsplattform Aroundhome verteuerten sie sich zwischen 2021 und 2025 um 81,7 Prozent.
Deutlich gestiegen sind auch die Preise für Gebäudeautomation. Hier lag der Zuwachs bei 49,1 Prozent. Beschlagarbeiten wurden um 44,1 Prozent teurer, Verglasungsarbeiten um 42,6 Prozent.
Bei Arbeiten, die für viele Hauseigentümer besonders relevant sind, fallen die Steigerungen ebenfalls erheblich aus. Dachdeckungsarbeiten kosteten 2025 durchschnittlich 40,9 Prozent mehr als 2021. Bei Tischlerarbeiten waren es 40,4 Prozent, bei Klempnerarbeiten 38,9 Prozent und bei Maler- und Lackierarbeiten 31 Prozent.
Nicht alle Gewerke entwickelten sich gleichermaßen. Gerüstarbeiten verteuerten sich im untersuchten Zeitraum um 20,6 Prozent, Zimmer- und Holzbauarbeiten um 22,4 Prozent und Mauerarbeiten um 22,6 Prozent.
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen Handwerksleistungen und ausgewählten Rohstoffgruppen. Während die untersuchten Bauleistungen durchschnittlich um 36 Prozent teurer wurden, stiegen die Erzeugerpreise der betrachteten Rohstoffe und Materialien um 24,3 Prozent.
Auch innerhalb der Materialgruppen entwickelten sich die Preise unterschiedlich. Steine, Erden und sonstige Bergbauerzeugnisse verteuerten sich um 41,9 Prozent. Für Glas, Keramik und verwandte Erzeugnisse errechnete Aroundhome einen Anstieg um 32,4 Prozent.
Wesentlich geringer fiel die Steigerung bei Holz mit 13,3 Prozent und bei Metallen mit 14,3 Prozent aus. Energiebezogene Produktgruppen verzeichneten dagegen teilweise erheblich höhere Zuwächse.
Die Berechnungen beruhen auf zwei unterschiedlichen amtlichen Statistiken. Für die Handwerksleistungen wurden Baupreisindizes herangezogen, für die Materialien Erzeugerpreisindizes gewerblicher Produkte.
Die Baupreisindizes erfassen die von Bauunternehmen verlangten Preise für komplette Bauleistungen. Darin sind neben Arbeitskosten auch Material, betriebliche Aufwendungen und weitere Preisbestandteile enthalten. Aus den Ergebnissen lässt sich deshalb nicht unmittelbar ableiten, dass die Löhne im Handwerk um 36 Prozent gestiegen sind.
Die Preisentwicklung hat sich im laufenden Jahr fortgesetzt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 9. Oktober 2026 lagen die Preise für den Neubau konventioneller Wohngebäude im August 2026 um 5,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Dachdeckungsarbeiten mit 7,6 Prozent sowie bei Zimmer- und Holzbauarbeiten mit 7,2 Prozent aus. Auch Elektro-, Sicherheits- und informationstechnische Anlagen verteuerten sich um 7,2 Prozent.
Für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden ohne Schönheitsreparaturen ermittelte die Behörde im selben Zeitraum einen Preisanstieg um 6,0 Prozent. Damit verteuerten sich auch Arbeiten an bestehenden Gebäuden weiter.
Wie sich die Preisentwicklung auf typische Modernisierungsmaßnahmen auswirkt, verdeutlichen Beispielrechnungen von Aroundhome.
Für die Neueindeckung eines Daches mit einer Fläche von rund 100 Quadratmetern setzt die Plattform für 2026 durchschnittlich etwa 13.000 Euro an. Im Jahr 2021 waren es demnach rund 9.510 Euro. Der Unterschied beträgt knapp 3.500 Euro beziehungsweise 36,7 Prozent.
Auch der Austausch von zehn Kunststofffenstern einschließlich Einbau wurde nach diesen Berechnungen erheblich teurer. Statt rund 6.910 Euro im Jahr 2021 fallen inzwischen etwa 9.300 Euro an. Das entspricht einer Steigerung von 34,6 Prozent.
Für einen Fassadenanstrich auf etwa 100 Quadratmetern beziffert die Plattform die Kosten auf rund 10.200 Euro im Jahr 2025. Gegenüber 2021 entspricht das einem Plus von 27,3 Prozent.
Bei den Beträgen handelt es sich um Kalkulationsbeispiele des Unternehmens, nicht um verbindliche Preise. Die tatsächlichen Kosten hängen unter anderem vom Gebäudezustand, vom Arbeitsumfang, den verwendeten Materialien und dem beauftragten Betrieb ab.
Angesichts der Preisunterschiede empfiehlt die Verbraucherzentrale, vor größeren Handwerksaufträgen zwei bis drei Angebote oder Kostenvoranschläge einzuholen. Entscheidend sei nicht allein der Gesamtpreis, sondern auch, welche Leistungen darin enthalten sind.
Besonders wichtig sind genaue Angaben zu Material, Arbeitsumfang und möglichen Zusatzarbeiten. Verbraucher sollten außerdem zwischen einem verbindlichen Angebot und einem unverbindlichen Kostenvoranschlag unterscheiden.
Bei einem Kostenvoranschlag kann der tatsächliche Rechnungsbetrag höher ausfallen. Wird eine wesentliche Überschreitung absehbar, muss der Betrieb darüber informieren. Als Richtwert nennt die Verbraucherzentrale eine Überschreitung um mehr als 15 bis 20 Prozent.
Eine Entlastungsmöglichkeit besteht weiterhin über die Einkommensteuer. Nach der für 2026 geltenden Regelung können Privatpersonen für begünstigte Handwerkerleistungen im eigenen Haushalt 20 Prozent der berücksichtigungsfähigen Arbeitskosten steuerlich geltend machen. Die Steuerermäßigung beträgt maximal 1.200 Euro pro Jahr.
Materialkosten sind davon ausgeschlossen. Voraussetzung sind unter anderem eine ordnungsgemäße Rechnung und eine unbare Zahlung.
Allerdings plant die Bundesregierung eine Änderung für 2027. Nach dem Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes soll der steuerlich begünstigte Anteil von 20 auf 15 Prozent sinken. Zugleich soll der maximale Steuerbonus von 1.200 auf 900 Euro reduziert werden. Beschlossen ist diese Kürzung bislang nicht.
Für Eigentümer bedeutet die Preisentwicklung vor allem, dass Modernisierungen sorgfältiger kalkuliert werden müssen. Pauschale Preisannahmen reichen gerade bei größeren Vorhaben kaum aus. Entscheidend bleiben der konkrete Leistungsumfang und vergleichbare Angebote verschiedener Fachbetriebe.
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