
Der US-Energietechnikkonzern GE Vernova will den Hochspannungsspezialisten Trench Group für umgerechnet rund neun Milliarden US-Dollar übernehmen. Verkäufer ist die Beteiligungsgesellschaft Triton Partners, die das Unternehmen erst 2024 von Siemens Energy übernommen hatte. Die entsprechende Vereinbarung wurde am Mittwoch, 28. Oktober 2026, bekannt gegeben. Die Übernahme der Trench Group soll voraussichtlich Ende 2027 abgeschlossen werden.
Für die Übernahme sind nach Angaben von GE Vernova neun Milliarden US-Dollar vorgesehen. Die Finanzierung soll jeweils zur Hälfte aus vorhandenen liquiden Mitteln und Fremdkapital erfolgen. Voraussetzung für den Abschluss sind unter anderem die erforderlichen behördlichen Genehmigungen sowie gesetzlich vorgeschriebene Konsultationen mit Arbeitnehmervertretern.
Mit dem Kauf erweitert GE Vernova sein Geschäft mit Hochspannungstechnik. Der Konzern erwartet, dass Trench im Jahr 2028 einen Umsatz von rund 1,9 Milliarden US-Dollar erreicht. Die prognostizierte bereinigte operative Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegt bei etwa 36 Prozent.
Der vereinbarte Kaufpreis entspricht nach Berechnungen von GE Vernova ungefähr dem 13-Fachen des für 2028 erwarteten bereinigten operativen Ergebnisses vor möglichen Synergieeffekten. Dabei handelt es sich um Unternehmensprognosen und nicht um bereits erzielte Geschäftsergebnisse.
Trench stellt unter anderem elektrische Durchführungen, Messwandler und Spulen für Hochspannungsanlagen her. Diese Komponenten werden beispielsweise in Umspannwerken und bei der Übertragung großer Strommengen benötigt.
Das Unternehmen beschäftigt nach Angaben von GE Vernova mehr als 3.000 Menschen und verfügt über elf Produktionsstandorte in Europa, Nordamerika und Asien. Zum Kundenkreis gehören mehr als 800 Energieversorger und Betreiber großer Rechenzentren.
Die Nachfrage nach entsprechender Technik wächst, weil Stromnetze modernisiert und erweitert werden müssen. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien erhöhen Rechenzentren und die zunehmende Elektrifizierung industrieller Prozesse den Bedarf an leistungsfähiger Strominfrastruktur.
Für GE Vernova ist Trench bereits ein Zulieferer. Durch die geplante Übernahme könnte der US-Konzern wichtige Komponenten künftig innerhalb des eigenen Unternehmens herstellen und seine Produktionskapazitäten ausbauen.
Eine zusätzliche Rolle spielt dabei ein neuer Trench-Standort in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Dort soll Ende 2027 die Fertigung von Komponenten für Anlagen mit einer Spannung von 765 Kilovolt beginnen.
Besonders auffällig ist die Vorgeschichte der Trench Group. Siemens Energy hatte bereits im Oktober 2023 eine Vereinbarung zum Verkauf an Triton unterzeichnet. Der wirtschaftliche Übergang erfolgte am 1. April 2024.
Im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2024 bezifferte Siemens Energy den vorläufigen Kaufpreis auf 401 Millionen Euro. Der damalige Verkauf gehörte zu einer umfassenderen Neuausrichtung des Konzerns. Siemens Energy wollte sein Unternehmensportfolio vereinfachen und Investitionen stärker auf ausgewählte Kerngeschäfte konzentrieren.
Nun steht Trench vor einem weiteren Eigentümerwechsel zu einem wesentlich höheren Kaufpreis. Ein unmittelbarer Vergleich der beiden Summen bildet die wirtschaftliche Entwicklung allerdings nicht vollständig ab. Das Unternehmen wurde unter Triton ausgebaut, zudem unterscheiden sich die Zeitpunkte und die verwendeten Währungen.
Siemens Energy ist an dem neuen Verkauf nicht beteiligt. Der Kaufpreis von neun Milliarden US-Dollar würde an den bisherigen Eigentümer Triton gehen.
Seit dem Eigentümerwechsel 2024 hat sich Trench erheblich verändert. Bei der Übernahme durch Triton beschäftigte das Unternehmen rund 2.400 Menschen und betrieb neun Produktionsstandorte.
Nach Angaben von Triton wurden seit der Ausgliederung mehr als 800 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und drei ergänzende Unternehmen übernommen. Außerdem investierte der Finanzinvestor in Produktionsanlagen und den Ausbau internationaler Kapazitäten.
Triton erklärte, Trench habe inzwischen einen jährlichen Auftragseingang von mehr als zwei Milliarden Euro sowie einen Umsatz von über einer Milliarde Euro erreicht.
Für GE Vernova ist insbesondere die vorhandene Nachfrage von Bedeutung. Nach Unternehmensangaben verfügt Trench über einen Auftragsbestand und Rahmenvereinbarungen im Gesamtwert von etwa fünf Milliarden US-Dollar. Ein Teil dieser Vereinbarungen reicht zeitlich bis in das kommende Jahrzehnt.
GE Vernova entstand 2024 durch die Abspaltung des Energiegeschäfts von General Electric. Das Unternehmen ist seit April 2024 eigenständig an der New Yorker Börse notiert und zählt zu den internationalen Anbietern von Anlagen für Stromerzeugung und Stromnetze.
Mit Trench würde der Konzern seine beiden großen Geschäftsfelder Grid Systems Integration und Power Transmission ergänzen. Dabei geht es unter anderem um Komponenten für die Übertragung elektrischer Energie über große Entfernungen.
Die geplante Übernahme fällt in eine Phase hoher Investitionen in die Strominfrastruktur. Auch Siemens Energy ist mit seiner Sparte Grid Technologies in diesem Markt tätig.
Für GE Vernova bedeutet die Vereinbarung zunächst eine langfristige Investitionsentscheidung. Bis zum vorgesehenen Abschluss Ende 2027 sollen Trench und GE Vernova weiterhin eigenständig arbeiten.
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