
Der Räumungsverkauf bei BayWa Bau & Garten und Hellweg läuft bundesweit weiter. Nach der Insolvenz der beiden Baumarktbetreiber werden in zahlreichen Filialen die Warenbestände abverkauft. Allein in Bayern sind rund 30 BayWa-Bau- und Gartenmärkte betroffen. Für Standorte ohne neuen Betreiber ist die Schließung bis Ende November 2026 vorgesehen. Andere Märkte sollen von Wettbewerbern übernommen und teilweise im kommenden Frühjahr wiedereröffnet werden.
Die beiden Baumarktgesellschaften weisen auf ihren Internetseiten weiterhin auf den Abverkauf in sämtlichen Märkten hin. Die Verkaufsaktionen laufen bereits seit Anfang September. Zum Angebot gehören unter anderem Werkzeuge, Baustoffe, Farben, Gartenartikel und andere Produkte aus den vorhandenen Beständen.
Der Räumungsverkauf betrifft sowohl Filialen, für die bereits eine Übernahme angekündigt wurde, als auch Standorte ohne gesicherte Zukunft. Ein Abverkauf bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass ein Baumarkt dauerhaft geschlossen bleibt. Teilweise sollen die Geschäfte nach einem Betreiberwechsel unter einer anderen Marke weitergeführt werden.
Für die Märkte, die keinen Käufer finden, sieht der im Insolvenzverfahren festgelegte Zeitplan dagegen eine Schließung bis Ende November vor. Die Unternehmensführung hatte bereits Ende August erklärt, dass eine Fortführung des gesamten bisherigen Filialnetzes nicht möglich sei. Gespräche über einzelne Standorte sollten dennoch fortgesetzt werden.
Besonders deutlich sind die Veränderungen in Bayern zu sehen. Dort betrifft der Räumungsverkauf rund 30 BayWa-Bau- und Gartenmärkte. Dazu zählen unter anderem Standorte in Nürnberg, Fürth, Würzburg, Passau, Bad Tölz, Nördlingen, Murnau und Wolfratshausen. Auch in weiteren süddeutschen Städten laufen Verkaufsaktionen.
Welche dieser Filialen dauerhaft schließen müssen, hängt von den jeweiligen Übernahmelösungen ab. Bereits Ende August lagen für mehrere BayWa-Standorte konkrete Interessentenlösungen vor. Allerdings standen einige Vereinbarungen noch unter Vorbehalten, etwa der Zustimmung von Vermietern oder der zuständigen Wettbewerbsbehörden.
Dass eine zunächst angekündigte Perspektive nicht in jedem Fall Bestand hat, zeigt Poing im Landkreis Ebersberg. Für den dortigen BayWa-Bau- und Gartenmarkt bestätigte ein Sprecher der Eigenverwaltung im Oktober, dass keine Fortführungslösung zustande gekommen sei. Die Schließung ist für den 30. November 2026 vorgesehen. Auch dort läuft der Räumungsverkauf.
Während zahlreiche bisherige Märkte vor der Schließung stehen, wollen andere Baumarktunternehmen Teile des Filialnetzes übernehmen.
Obi erhielt nach eigenen Angaben Ende August den Zuschlag für zunächst fünf Standorte. Dazu gehören die bisherigen BayWa-Märkte in Nördlingen und Wolfratshausen sowie drei Hellweg-Filialen. Insgesamt arbeiten an diesen fünf Standorten rund 250 Beschäftigte. Obi strebt eine Übernahme zum 1. Dezember 2026 an und plant nach Umbauten eine Wiedereröffnung im März 2027. Für weitere Märkte liefen Verhandlungen.
Bauhaus kündigte die Übernahme von sieben Standorten an, darunter den BayWa-Markt in Backnang. Das Unternehmen stellte für diese Filialen die Sicherung von rund 400 Arbeitsplätzen in Aussicht. Die Wiedereröffnung unter der Marke Bauhaus ist nach Umbauarbeiten für das Frühjahr 2027 geplant.
Auch Hornbach will sein deutsches Filialnetz durch die Insolvenz der Hellweg-Gruppe erweitern. Das Unternehmen kündigte im September Vereinbarungen für sechs bisherige Hellweg-Standorte an. Diese sollen Anfang Dezember übernommen und im Frühjahr 2027 unter der Marke Hornbach eröffnet werden. Für die Umsetzung waren noch erforderliche Genehmigungen vorgesehen.
Die Gesellschaften Hellweg Die Profi-Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG und BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG hatten Mitte Juni 2026 Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Essen eröffnete die Verfahren am 26. August.
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensführung grundsätzlich handlungsfähig. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger. In diesem Fall wurde Rechtsanwalt Stefan Denkhaus mit dieser Aufgabe betraut.
Zu Beginn des Verfahrens betrieb Hellweg nach Unternehmensangaben 68 Baumärkte mit rund 2.900 Beschäftigten. BayWa Bau & Garten verfügte über 46 Standorte und beschäftigte rund 1.300 Menschen. Die Zahl der tatsächlich vom Abverkauf erfassten Märkte veränderte sich im Laufe des Verfahrens.
Für die beiden Unternehmenszentralen in Dortmund und Garching wurde bereits im August die Schließung angekündigt. Davon waren zusammen rund 340 Beschäftigte betroffen. Auch Mitarbeitende an zunächst nicht gesicherten Filialstandorten erhielten vorsorglich Kündigungen.
Als Belastungen für die Unternehmen wurden unter anderem eine zurückhaltende Nachfrage, steigende Mieten, höhere Betriebskosten und die schwache Entwicklung des Baumarktgeschäfts genannt.
Die Insolvenz der BayWa-Bau- und Gartenmärkte ist von der wirtschaftlichen Situation der BayWa AG zu unterscheiden. Die Baumarktgesellschaft gehört zur Hellweg-Gruppe und ist keine Konzerngesellschaft der börsennotierten BayWa AG.
Die BayWa AG ist deshalb nicht die Betreibergesellschaft, gegen die sich das Insolvenzverfahren der Baumärkte richtet. Die Trennung ist insbesondere für die Einordnung der betroffenen Unternehmen und ihrer Standorte von Bedeutung.
Für die Beschäftigten und Kunden der bisherigen Hellweg- und BayWa-Märkte bleibt damit vor allem der weitere Verlauf der angekündigten Betreiberwechsel maßgeblich. Wo eine Übernahme gelingt, besteht eine Perspektive für die Fortführung des Standorts. Märkte ohne neue Betreiber sollen nach dem bisherigen Zeitplan bis Ende November schließen.
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