Gesamtmetall sieht weitere 300.000 Industriearbeitsplätze in Gefahr

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor einem weiteren erheblichen Beschäftigungsrückgang in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Nach Einschätzung des Verbandes könnten innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre rund 300.000 zusätzliche Arbeitsplätze gefährdet sein. Die Warnung fällt in eine Phase intensiver Tarifauseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und der IG Metall. Seit Anfang November beteiligen sich Beschäftigte bundesweit an Warnstreiks.

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Beschäftigung in der Metallindustrie seit Jahren rückläufig

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander erklärte am 3. November 2026, die anhaltend geringe Auslastung vieler Unternehmen gefährde zusätzliche 300.000 Arbeitsplätze in der Branche. Nach Berechnungen des Arbeitgeberverbandes sind seit 2019 bereits fast 350.000 Stellen weggefallen. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, könnte die Zahl der Beschäftigten auf etwa 3,4 Millionen sinken.

Die jüngsten Branchendaten verdeutlichen den bisherigen Beschäftigungsrückgang. Nach Angaben von Gesamtmetall arbeiteten im August 2026 rund 3,72 Millionen Menschen in der Metall- und Elektroindustrie. Das waren etwa 94.100 Beschäftigte beziehungsweise 2,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Beschäftigten ging saisonbereinigt den 35. Monat in Folge zurück.

Auch das Statistische Bundesamt dokumentiert einen deutlichen Stellenabbau in wichtigen Industriezweigen. Ende Juni 2026 beschäftigte die deutsche Automobilindustrie rund 42.300 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Das entsprach einem Rückgang von 5,8 Prozent. Im Maschinenbau sank die Beschäftigung innerhalb desselben Zeitraums um 2,7 Prozent.

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Arbeitgeber verweisen auf Kosten und schwache Auftragslage

Als wesentliche Belastungen nennt Gesamtmetall hohe Energie- und Arbeitskosten, bürokratische Anforderungen und den internationalen Wettbewerb. Insbesondere die Verlagerung industrieller Produktion an ausländische Standorte bereitet dem Verband Sorgen.

Eine im Oktober durchgeführte Befragung von Gesamtmetall unter 1.461 Mitgliedsunternehmen ergab, dass 42 Prozent der teilnehmenden Betriebe in den kommenden Monaten mit weiterem Personalabbau rechnen. Lediglich zwölf Prozent erwarteten zusätzliche Beschäftigung. An der Befragung beteiligten sich Unternehmen mit insgesamt rund 800.000 Beschäftigten. Die Ergebnisse beschreiben die Erwartungen dieser Unternehmen und sind keine verbindlichen Beschäftigungsentscheidungen.

IG Metall fordert fünf Prozent höhere Löhne

Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung verschärft sich der Tarifkonflikt für rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Die IG Metall verlangt eine Entgelterhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich fordert sie tarifliche Regelungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sowie eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen.

Die Arbeitgeber hatten am 27. Oktober ein Angebot mit einer Einmalzahlung im Juli 2027 und einer dauerhaften Entgelterhöhung von 1,3 Prozent zum Juli 2028 vorgelegt. Die vorgesehene Gesamtlaufzeit beträgt 26 Monate bis Ende Dezember 2028. Die Einmalzahlung soll unter bestimmten wirtschaftlichen Voraussetzungen ausgesetzt werden können.

Die IG Metall lehnt das Angebot in seiner bisherigen Form ab. Die Gewerkschaft argumentiert, dass eine so geringe Entgeltsteigerung angesichts der Preisentwicklung einen Kaufkraftverlust bedeuten würde. Zugleich bewertet sie die wirtschaftliche Situation innerhalb der Industrie unterschiedlich. Während insbesondere Automobilhersteller und Zulieferer unter Druck stehen, entwickeln sich nach ihrer Einschätzung Bereiche wie Luftfahrt, Rüstung und Energietechnik deutlich besser.

Warnstreiks sollen Druck auf Arbeitgeber erhöhen

Nach dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober haben Anfang November bundesweit Warnstreiks begonnen. Die IG Metall plant im Verlauf der Woche Aktionen in mehr als 2.000 Betrieben. Bereits am 3. November beteiligten sich Tausende Beschäftigte an Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen.

Die Verhandlungen sollen ebenfalls fortgesetzt werden. Für Donnerstag, 5. November, ist eine dritte Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg vorgesehen. Weitere regionale Gespräche sind in Vorbereitung.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen damit nicht nur künftige Lohnerhöhungen, sondern auch Investitionen und die langfristige Sicherung industrieller Standorte. Die Warnung vor weiteren 300.000 gefährdeten Arbeitsplätzen beschreibt ein mögliches Szenario des Arbeitgeberverbandes. Wie stark die Beschäftigung tatsächlich zurückgehen wird, ist bislang offen.

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