
Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Donnerstag, 5. November 2026, mit deutlichen Kursverlusten auf die jüngsten Entwicklungen in der Technologiebranche reagiert. Besonders stark gerieten Halbleiterhersteller und Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz unter Druck. Der Nasdaq 100 fällt im frühen New Yorker Handel um mehr als drei Prozent. Gleichzeitig erreichte der deutsche Leitindex DAX im Tagesverlauf einen neuen Höchststand. Die unterschiedliche Entwicklung folgt auf die US-Zwischenwahlen, deren Ergebnis die Erwartungen an die amerikanische Wirtschafts- und Technologiepolitik verändert hat.
Der technologielastige Nasdaq 100 notierte am Donnerstag um 15:53 Uhr mitteleuropäischer Zeit laut finanzen.net bei 27.485,84 Punkten. Das entsprach einem Rückgang von 3,35 Prozent gegenüber dem vorherigen Handelsschluss. Noch am Mittwoch hatte der Index mit einem Plus von 0,91 Prozent bei 28.437,17 Punkten geschlossen. Damit gab er einen erheblichen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab.
Auch die anderen großen amerikanischen Aktienindizes verzeichneten Verluste. Um 15:57 Uhr deutscher Zeit lag der marktbreite S&P 500 nach Reuters-Kursdaten bei 7.560,88 Punkten, ein Minus von 1,66 Prozent. Der Dow Jones Industrial Average verlor zur gleichen Zeit 0,66 Prozent auf 53.004,25 Punkte. Der Nasdaq Composite, der wesentlich mehr Unternehmen als der Nasdaq 100 umfasst, büßte 3,09 Prozent auf 24.941,44 Punkte ein.
Damit konzentrierten sich die stärksten Verluste zunächst auf den Technologiesektor. Die amerikanischen Standardwerte hielten sich vergleichsweise besser, obwohl auch sie unter den Stand des Vortages rutschten. Die Kursangaben beziehen sich auf den frühen Handel und stellen keine Schlusskurse dar.
Im Mittelpunkt der Verkaufsbewegung standen Unternehmen, deren Geschäft eng mit künstlicher Intelligenz, Rechenzentren und leistungsfähigen Computerchips verbunden ist. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor im frühen Handel zeitweise rund 7,1 Prozent. Zu den belasteten Unternehmen gehörten Nvidia, AMD, Intel und Marvell Technology.
Besonders deutlich zeigte sich der Druck beim amerikanischen Chiphersteller Qualcomm. Dessen Aktien verloren zunächst rund neun Prozent. Das Unternehmen hatte am Mittwoch Geschäftszahlen vorgelegt, die insbesondere im Smartphone-Segment Schwächen offenbarten. Der Umsatz mit entsprechenden Chips sank im vierten Geschäftsquartal um 26 Prozent auf 5,14 Milliarden Dollar. Damit blieb Qualcomm hinter den Erwartungen von Analysten zurück. Gleichzeitig verwies der Konzern auf steigende Kosten in der Halbleiterproduktion und den Ausbau seines Geschäfts mit Rechenzentren.
Auch weitere Unternehmen verzeichneten erhebliche Kursverluste. Der Computerhersteller Dell gab nach Reuters-Angaben um rund 10,5 Prozent nach. Bei Tesla lag das Minus zeitweise bei 9,5 Prozent. Betreiber von Rechenzentren wie CoreWeave und Nebius verloren ebenfalls deutlich an Wert. Nicht alle Technologieunternehmen waren gleichermaßen betroffen. Die Aktien des Werbetechnologieunternehmens AppLovin legten nach besser als erwarteten Geschäftszahlen zeitweise um rund 32 Prozent zu.
Die Kursbewegungen stehen im Zusammenhang mit dem Ausgang der amerikanischen Zwischenwahlen vom 3. November. Die Demokraten gewannen die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat. Damit verschieben sich die politischen Kräfteverhältnisse gegenüber dem republikanischen Präsidenten Donald Trump erheblich.
Am Mittwoch hatte das Wahlergebnis zunächst eine breite Erholungsbewegung ausgelöst. Der Dow Jones gewann 3,03 Prozent und stieg auf 53.356,12 Punkte. Der S&P 500 legte um 1,58 Prozent zu, während der Nasdaq Composite einen Zuwachs von 1,44 Prozent verzeichnete. Anleger hatten zunächst positiv auf die größere politische Klarheit reagiert.
Am Donnerstag rückten dagegen mögliche Folgen für die amerikanische Technologiebranche stärker in den Vordergrund. Marktteilnehmer rechnen damit, dass die demokratische Mehrheit den Ausbau großer Rechenzentren und die damit verbundenen Belastungen für Stromnetze und Verbraucher stärker überprüfen könnte.
In einzelnen Bundesstaaten, darunter Texas und Georgia, waren Kandidaten erfolgreich, die sich für Einschränkungen beim Bau weiterer Rechenzentren ausgesprochen hatten. Daraus ergeben sich Befürchtungen, dass geplante Investitionen in KI-Infrastruktur langsamer umgesetzt werden könnten. Konkrete bundesweite Beschränkungen waren damit jedoch noch nicht beschlossen. Zudem bleibt dem Präsidenten die Möglichkeit, gegen Gesetzesvorhaben des Kongresses sein Veto einzulegen.
Während amerikanische Technologieaktien unter Druck standen, setzte der deutsche Aktienmarkt seine Erholung zunächst fort. Der DAX erreichte am Donnerstag einen neuen Höchststand und übertraf damit die bisherige Bestmarke vom 28. August 2026 bei 26.618,74 Punkten.
Im Handelsverlauf stieg der Index zeitweise auf 26.671,19 Punkte, wie die Deutsche Presse-Agentur am frühen Nachmittag meldete. Bereits am Mittwoch hatte der DAX deutlich zugelegt und den Handel mit einem Gewinn von 2,22 Prozent bei 26.437,67 Punkten beendet.
Die Entwicklung in Frankfurt wurde unter anderem durch Hoffnungen auf eine Entspannung der amerikanischen Außen- und Handelspolitik unterstützt. Auch neue deutsche Konjunkturdaten sorgten für positive Impulse. Die Auftragseingänge der Industrie waren im September gegenüber dem Vormonat um 4,4 Prozent gestiegen.
Allerdings profitierten nicht alle deutschen Unternehmen von der freundlicheren Stimmung. Die Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall verloren nach einer erneuten Senkung der Unternehmensprognose zeitweise mehr als 15 Prozent. Der Börsenrekord war damit keineswegs Ausdruck einer einheitlich positiven Entwicklung sämtlicher DAX-Unternehmen.
Neben den politischen Entwicklungen beeinflussen die Energiepreise und die amerikanische Geldpolitik weiterhin die internationalen Aktienmärkte. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hatte die Rohölpreise zuvor erheblich steigen lassen und damit Inflationsängste verstärkt.
Nach dem Wahlergebnis waren die Ölpreise zunächst kräftig gefallen. Die Nordseesorte Brent verlor am Mittwoch zeitweise fast neun Prozent. Am Donnerstag setzte jedoch eine Gegenbewegung ein. Der Preis stieg im Tagesverlauf wieder um etwa 2,5 Prozent auf rund 97 Dollar je Barrel. Damit blieb Energie trotz der zwischenzeitlichen Entlastung ein bedeutender Unsicherheitsfaktor.
Hinzu kommen die Aussichten auf weitere Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hatte ihren Leitzins bereits im September angehoben. Angesichts der weiterhin hohen Inflation rechnen Marktteilnehmer mit einer zusätzlichen Straffung der Geldpolitik. Die Präsidentin der regionalen Notenbank von Cleveland, Beth Hammack, sprach sich am Donnerstag für einen schrittweisen Kurs weiterer Zinserhöhungen aus.
Höhere Finanzierungskosten sind insbesondere für Unternehmen relevant, die große Investitionen in Rechenzentren und neue Technologien planen. Gleichzeitig können steigende Zinsen die Bewertung zukünftiger Unternehmensgewinne beeinflussen. Bei stark gewachsenen Technologieunternehmen wirken sich veränderte Zinserwartungen deshalb besonders deutlich auf die Aktienkurse aus.
Eine weitere wichtige Entscheidungshilfe für die Finanzmärkte steht am Freitag, 6. November, bevor. Dann sollen die offiziellen amerikanischen Arbeitsmarktdaten für Oktober veröffentlicht werden.
Sie könnten neue Hinweise darauf liefern, wie widerstandsfähig die amerikanische Wirtschaft angesichts hoher Energiepreise und gestiegener Finanzierungskosten ist. Zugleich sind die Beschäftigungszahlen ein wichtiger Faktor für die weiteren Zinsentscheidungen der Federal Reserve.
Der Kursrutsch an der Wall Street am Donnerstag verdeutlicht die unterschiedlichen Bewertungen der wirtschaftlichen Aussichten. Während Investoren bei zahlreichen europäischen Unternehmen zunächst Chancen durch veränderte politische Rahmenbedingungen sahen, wurden die hohen Investitionserwartungen amerikanischer Technologie- und KI-Unternehmen kritischer bewertet.
Der weitere Verlauf des New Yorker Handels war zum Zeitpunkt der Kursaufnahme noch offen. Ein endgültiges Bild der Tagesentwicklung ergibt sich erst mit den amerikanischen Schlusskursen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu