
Der Auto- und Industriezulieferer Stabilus aus Koblenz hat seine langfristigen Wachstumsziele deutlich reduziert. Wegen schwächerer Geschäftsaussichten in China und Nordamerika rechnet das Unternehmen für 2030 nur noch mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro. Bisher waren etwa zwei Milliarden Euro vorgesehen. Gleichzeitig belasten Abschreibungen in Höhe von rund 67 Millionen Euro das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres. Das teilte Stabilus am Donnerstagabend, 5. November 2026, mit.
Die Stabilus Prognose 2030 fällt damit beim Umsatz um ein Viertel niedriger aus als bisher. Auch bei der erwarteten Profitabilität wird der Konzern vorsichtiger. Trotz dieser Entwicklung erreichte Stabilus nach vorläufigen Zahlen seine zuletzt konkretisierten Ziele für das Geschäftsjahr 2026, das am 30. September endete.
Hinter der gesenkten Prognose stehen vor allem veränderte Erwartungen an die internationale Automobilindustrie. Stabilus rechnet insbesondere in China und Nordamerika mit geringeren Absatzmöglichkeiten als bislang angenommen. Hinzu kommt, dass Kunden zurückhaltender in Produktionsausrüstung für die Fahrzeugindustrie investieren. Beide Entwicklungen erschweren nach Einschätzung des Unternehmens das geplante Wachstum.
Das Umsatzziel für 2030 liegt deshalb nur noch bei rund 1,5 Milliarden Euro. Auch die angestrebte bereinigte EBIT-Marge, also das Verhältnis des um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnisses zum Umsatz, wurde angepasst. Statt bisher 15 Prozent erwartet Stabilus nun eine Spanne zwischen 12 und 15 Prozent. Damit kalkuliert der Konzern auch bei der künftigen Profitabilität vorsichtiger.
Die Anpassung betrifft die mittelfristige Unternehmensplanung. Sie bedeutet nicht, dass Stabilus seine bereits konkretisierte Prognose für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2026 verfehlt hätte. Vielmehr trennt das Unternehmen zwischen den erreichten Jahreszielen und den inzwischen niedrigeren Erwartungen an die kommenden Jahre.
Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Stabilus nach vorläufigen Angaben einen Umsatz von 1.197,6 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es 1.296,1 Millionen Euro gewesen. Damit gingen die Erlöse um rund 7,6 Prozent zurück. Die bereinigte EBIT-Marge verringerte sich von 11,0 auf 10,4 Prozent. Der bereinigte Free Cashflow sank von 119,0 auf 96,1 Millionen Euro.
Trotz dieser Rückgänge lag Stabilus innerhalb seiner zuletzt veröffentlichten Erwartungen. Das Unternehmen hatte einen Jahresumsatz von ungefähr 1,15 Milliarden Euro, eine bereinigte operative Marge von etwa zehn Prozent und einen bereinigten Free Cashflow von rund 90 Millionen Euro prognostiziert. Diese Zielwerte wurden nach den vorläufigen Berechnungen erreicht beziehungsweise übertroffen.
Auch im vierten Geschäftsquartal blieb das Marktumfeld schwierig. Zwischen Juli und September 2026 erreichte Stabilus einen Umsatz von 302,1 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 316,1 Millionen Euro gewesen. Das entspricht einem Rückgang um 4,4 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern verringerte sich von 34,0 auf 28,9 Millionen Euro.
Die Quartalszahlen fielen dennoch teilweise besser aus als von Analysten erwartet. Nach den vom Unternehmen veröffentlichten Konsensschätzungen waren zuvor lediglich 267,4 Millionen Euro Umsatz und 21,9 Millionen Euro bereinigtes EBIT erwartet worden. Der bereinigte Free Cashflow blieb mit 39,5 Millionen Euro dagegen unter der Markterwartung von 47,4 Millionen Euro. Die Vergleichswerte stammen aus einer von Vara Research zusammengestellten Konsensschätzung vom 28. Oktober 2026.
Neben dem Umsatzrückgang muss Stabilus erhebliche bilanzielle Belastungen berücksichtigen. Das Unternehmen stellte für die Region Americas einen Wertminderungsbedarf von rund 67 Millionen Euro fest. Auslöser sei eine teilweise schwächer als erwartet ausgefallene Nachfrage.
Die Wertminderungen von rund 67 Millionen Euro betreffen den sogenannten Goodwill. Dabei handelt es sich um einen Geschäfts- oder Firmenwert, der beispielsweise bei Unternehmensübernahmen entsteht. Sinkt der erwartete wirtschaftliche Nutzen bestimmter Geschäftsbereiche, kann eine Korrektur dieses bilanziellen Wertes erforderlich werden.
Die Abschreibungen führen nicht unmittelbar zu einem Abfluss finanzieller Mittel. Nach Unternehmensangaben haben sie deshalb keine Auswirkungen auf die Liquidität oder den bereinigten Free Cashflow. Allerdings verringern sie das ausgewiesene operative Ergebnis deutlich. Die entsprechenden Werthaltigkeitsprüfungen waren zum Zeitpunkt der Mitteilung noch nicht abgeschlossen und auch noch nicht abschließend geprüft.
Für das vierte Geschäftsquartal erwartet Stabilus unter Berücksichtigung der Sondereffekte ein EBIT von minus 48,1 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen positiven Wert von 5,5 Millionen Euro erzielt. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 wird ein EBIT von voraussichtlich 63,7 Millionen Euro ausgewiesen. Das wären 24,4 Prozent weniger als die 84,3 Millionen Euro des Vorjahres.
Der Unterschied zwischen bereinigtem und ausgewiesenem EBIT ist damit erheblich. Während die bereinigten Zahlen das operative Geschäft ohne bestimmte Sondereffekte darstellen, berücksichtigt das berichtete EBIT auch die bilanziellen Wertminderungen.
Die wirtschaftliche Entwicklung soll sich auch auf die Ausschüttung an die Anteilseigner auswirken. Der Vorstand will für das Geschäftsjahr 2026 eine Dividende von 0,22 Euro je Aktie vorschlagen. Für das vorherige Geschäftsjahr waren noch 0,35 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet worden. Die geplante Dividende würde damit um rund 37 Prozent sinken.
Insgesamt würde Stabilus bei Annahme des Vorschlags etwa 5,4 Millionen Euro ausschütten. Im Vorjahr waren es rund 8,6 Millionen Euro. Das Unternehmen begründet die niedrigere Ausschüttung mit der Ergebnisentwicklung und dem Ziel, seine Verschuldung weiter zu reduzieren. Angestrebt wird ein Nettoverschuldungsgrad von weniger als 2,0.
Eine endgültige Entscheidung über die Ausschüttung liegt noch nicht vor. Zunächst muss der Aufsichtsrat dem Vorschlag zustimmen. Anschließend soll die Hauptversammlung am 3. Februar 2027 darüber entscheiden.
Stabilus entwickelt und produziert unter anderem Gasfedern, Dämpfer und elektromechanische Antriebssysteme. Diese kommen beispielsweise in Heckklappen von Fahrzeugen, Maschinen, Industrieanlagen und Möbeln zum Einsatz. Das Unternehmen ist international tätig und bedient neben der Automobilindustrie zahlreiche weitere Wirtschaftsbereiche.
Die Abhängigkeit von den Entwicklungen der internationalen Fahrzeugmärkte spielt für die künftige Ausrichtung eine wichtige Rolle. Vorstandschef Michael Büchsner verwies in der Mitteilung auf die breitere Aufstellung außerhalb des klassischen Automobilgeschäfts. Als mögliche Wachstumsfelder nannte er Robotik, Automatisierung und Verteidigung.
Diese Geschäftsfelder sollen dazu beitragen, Stabilus langfristig breiter am Markt zu positionieren. Konkrete zusätzliche Umsatzbeiträge aus diesen Bereichen für das Geschäftsjahr 2030 wurden in der aktuellen Mitteilung allerdings nicht beziffert. Die niedrigeren Konzernziele bleiben damit zunächst der maßgebliche Rahmen für die mittelfristige Planung.
Weitere Einzelheiten zu den vorläufigen Ergebnissen will Stabilus am Freitag, 6. November 2026, bei einer Analysten- und Investorenkonferenz vorstellen. Die Veranstaltung ist für 9 Uhr angesetzt. Der vollständige Geschäftsbericht für das am 30. September beendete Geschäftsjahr soll am 7. Dezember 2026 veröffentlicht werden.
Damit steht Stabilus vor einer veränderten Ausgangslage für die kommenden Geschäftsjahre. Zwar hat der Konzern seine zuletzt festgelegten Jahresziele 2026 erfüllt, doch die niedrigeren Erwartungen in China und Nordamerika führen zu einer erheblichen Korrektur der langfristigen Umsatzplanung. Bis 2030 peilt Stabilus nun 500 Millionen Euro weniger Umsatz an als ursprünglich vorgesehen.
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