
Münster. Das Stadtmuseum Münster öffnet im November erneut seine Türen für einen besonders sensiblen Besuchszeitraum, der sich gezielt an Menschen aus dem Autismus-Spektrum und mit Wahrnehmungsbeeinträchtigungen richtet. Bei der sogenannten Stillen Stunde werden alle lauten Geräuschquellen im Gebäude abgeschaltet, außerdem entfallen in dieser Zeit Führungen oder Gruppenangebote. Dadurch soll eine Umgebung entstehen, die reizärmer ist und es diesen Besucherinnen und Besuchern leichter macht, die Ausstellungen in ihrem eigenen Tempo zu erkunden. Das Museum stellt dafür verschiedene Hilfsmaterialien bereit, darunter Gehörschutz, Kommunikationskarten sowie einen Rückzugsort, der klar ausgeschildert ist. Ergänzend hat das Team einen eigenen Stille-Stunde-Pfad entwickelt, der als App und Broschüre verfügbar ist. Er dient der Vorbereitung auf den Besuch und hilft dabei, Eindrücke zu strukturieren und die Orientierung zu erleichtern. Münster Kultur erhält damit ein Angebot, das inklusives Erleben in den Mittelpunkt stellt und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die nächste Stille Stunde findet am Dienstag, 18. November, ab 16 Uhr statt, weitere Termine werden online bekanntgegeben.
Im Stadtmuseum Münster beginnt Ende November traditionell die Zeit, in der der Blick auf historische Weihnachtskultur rückt. Ab Freitag, 21. November, ist erneut die kunstvolle neapolitanische Krippe zu sehen, deren Figuren aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die Darstellung umfasst nicht nur die biblische Geschichte rund um die Heilige Familie, sondern auch Alltagsszenen, wie sie für die süditalienische Krippenkunst charakteristisch sind. Die Figuren zeigen Menschen beim Einkaufen, bei Gesprächen oder beim Essen, wodurch ein lebendiges Bild der damaligen Lebenswelt entsteht. Die Krippe gehört als Dauerleihgabe des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege zum festen Bestand des Museums und war früher während der Weihnachtszeit in der Clemenskirche zu sehen. In Münster Termine gehört diese Ausstellung zu den publikumsstärksten Angeboten der Wintermonate und bleibt in diesem Jahr bis zum 11. Januar 2026 aufgebaut. Durch ihre detailreiche Gestaltung trägt sie seit Jahren dazu bei, die Verbindung zwischen regionaler Museumskultur und europäischem Kunsthandwerk sichtbar zu machen.
Am Samstag, 22. November, bietet das Stadtmuseum Münster eine öffentliche Führung durch den Themenraum Kolonialismus an. Die Ausstellung setzt sich damit auseinander, welche Rolle Münster zwischen 1884 und 1918 im Kontext des deutschen Kolonialismus spielte. Damals besaß Deutschland Kolonien in Afrika, im pazifischen Raum und in China, und auch in Münster profitierten zahlreiche Menschen wirtschaftlich von Strukturen, die mit Ausbeutung und Unterdrückung verbunden waren. Ziel der Führung ist es laut Museum, die historischen Zusammenhänge verständlicher zu machen und die Spuren kolonial geprägter Sichtweisen bis in die Gegenwart einzuordnen. Der Themenraum ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit 15 Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie der Universität Münster. Die Führung beginnt um 16 Uhr, die Teilnahme kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Wegen begrenzter Plätze wird ein frühes Erscheinen empfohlen. Das Angebot ergänzt die in den vergangenen Jahren intensivierte wissenschaftliche Aufarbeitung und zeigt, wie stark lokale Geschichte an globale Entwicklungen gebunden war.
Der November bietet im Stadtmuseum Münster auch ein Programm für Kinder: Am Samstag, 22. November, können Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zehn Jahren das Zeichnen von Gegenständen erlernen. Von 15 bis 17 Uhr begleitet die Künstlerin Gintarė Skroblytė die jungen Besucherinnen und Besucher durch die Sammlung und unterstützt sie dabei, eigene Eindrücke in Zeichnungen umzusetzen. Ziel des Kurses ist es, einen spielerischen Zugang zur Museumswelt zu schaffen und die Aufmerksamkeit auf Details zu lenken, die im Alltag oft übersehen werden. Da der Kurs auf zehn Plätze begrenzt ist, bittet das Museum um Anmeldung. Die Teilnahme kostet zwölf Euro pro Kind, inklusive Material. Treffpunkt ist das Museumsfoyer. Mit Angeboten wie diesen will das Museum den Nachwuchs an Kulturarbeit heranführen und den Zugang zu künstlerischen Techniken erleichtern. Dass Kinder früh mit historischen Objekten in Berührung kommen, gehört seit Jahren zu den pädagogischen Schwerpunkten des Hauses.
Noch bis Sonntag, 23. November, zeigt das Stadtmuseum Münster die Reihe „Vor 50 Jahren – Münster 1975“. Die Ausstellung verbindet historische Pressefotografien mit einem Zeitstrahl, der internationale Entwicklungen des Jahres 1975 den Ereignissen in Münster gegenüberstellt. Die Fotoauswahl basiert auf mehreren tausend archivierten Negativen und Abzügen und erlaubt einen Einblick in politische Entscheidungen, gesellschaftliche Themen und den Alltag der Bevölkerung. Das Museum setzt damit die systematische Auswertung seines größten Sammlungsbestands fort. Wer die Schau noch sehen möchte, hat also nur noch wenige Tage Zeit. Gleichzeitig kündigt das Museum bereits die nächste Runde der Reihe an: Ab Freitag, 5. Dezember, rückt das Jahr 1976 in den Fokus. Auch hierzu erscheint ein Begleitkatalog, der im Museum erhältlich sein wird. Die langfristige Aufarbeitung der fotografischen Bestände zeigt, wie viel Geschichte in lokalen Archiven steckt und wie sich Gegenwart und Vergangenheit immer wieder spiegeln.
Gemeinsam halten wir unabhängige Nachrichten frei zugänglich. Was es dir wert ist, entscheidest du.
Als historische Ergänzung präsentiert das Museum außerdem einen Blick in die Spielzeugwelt des Jahres 1965. In seinem Schaufenster zur Stadtgeschichte zeigt das Stadtmuseum anhand alter Presseberichte, wie Kaufhäuser damals bereits Mitte November mit vollen Spielwarenabteilungen warben. Jungen wünschten sich motorisierte Autos, Rennbahnen oder Tiefgaragen, während Mädchen Puppen mit beweglichen Augen und Frisierkopffunktionen bevorzugten. Diese Einblicke sollen verdeutlichen, wie stark Konsumwünsche, Trends und Rollenbilder im Laufe der Jahrzehnte miteinander verknüpft waren und wie sehr sich gesellschaftliche Vorstellungen inzwischen verändert haben. Die kleine Präsentation steht im Zusammenhang mit den größeren historischen Ausstellungen des Hauses und lädt dazu ein, familiäre Weihnachtserinnerungen mit der Stadtgeschichte zu verbinden. Damit endet ein Novemberprogramm, das sowohl Rückschau als auch Gegenwartsbezug bietet.