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Cyberkriminalität als Organisierte Kriminalität: Ein Blick hinter die digitalen Kulissen

Adrian V., der Haupttäter im Missbrauchsfall Münster, wurde im Juli 2021 zu 14 Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der Bundesgerichtshof wies eine Revision erst vor wenigen Wochen ab. In den ersten eineinhalb Jahren nach Bekanntwerden des Missbrauchsfalls wurden bereits 57 Beschuldigte namentlich identifiziert und insgesamt 160 Jahre Freiheitsstrafe verhängt. Doch die Ermittlungen setzen sich fort.
Foto: Unsplash, KeepCoding

Die Welt der Cyberkriminalität entwickelt sich rasant weiter und gleicht zunehmend den Strukturen traditioneller organisierter Kriminalität. Wie im physischen so auch im virtuellen Raum, operieren Cyberkriminelle immer professioneller und in gut organisierten Netzwerken. Ihre Angriffe sind nicht mehr nur gelegentliche Versuche von Einzelgängern, sondern koordinierte Aktionen, die auf maximale Erträge ausgerichtet sind. Für ein tieferes Verständnis dieser dunklen Welt und wie Unternehmen sich schützen können, haben wir mit Janeke Röschenkämper, einer renommierten Expertin für Cybersecurity, gesprochen.

Cyberkriminalität: Eine strukturierte und hierarchische Organisation

„Cyberkriminalität hat sich zu einer stark strukturierten Form von Kriminalität entwickelt, die in vielen Aspekten traditionellen Mafiastrukturen ähnelt“, erklärt Janeke Röschenkämper. Sie beschreibt, wie Cyberkriminalitätsringe hierarchisch aufgebaut sind, mit klaren Rollenverteilungen und Spezialisierungen. „Es gibt die Entwickler, die Schadsoftware programmieren, die Distributoren, die diese verbreiten, und die Geldwäscher, die die finanziellen Transaktionen verschleiern.“

Die Professionalisierung der Cyberangriffe

Die Professionalisierung in der Cyberkriminalität spiegelt sich in der Qualität und Komplexität der Angriffe wider. Janeke Röschenkämper betont, dass die Angriffe oft so ausgefeilt sind, dass selbst hochentwickelte Sicherheitssysteme sie nur schwer erkennen können. „Die Angriffsvektoren sind vielfältig und reichen von Phishing über Ransomware bis hin zu fortgeschrittenen persistenten Bedrohungen (APT), bei denen Angreifer unbemerkt im Netzwerk verbleiben und kontinuierlich Daten sammeln können.“

Wirtschaftliche Motive hinter Cyberangriffen

Die Motive hinter diesen organisierten Cyberangriffen sind fast immer finanzieller Natur. Janeke erklärt: „Cyberkriminalität ist zu einem großen Geschäft geworden. Es geht darum, möglichst viel Geld zu erwirtschaften, sei es durch direkten Diebstahl, Erpressung, den Verkauf gestohlener Daten oder sogar durch Kryptowährungs-Mining.“

Verteidigungsstrategien gegen organisierte Cyberkriminalität

Angesichts dieser Bedrohungslage ist es entscheidend, dass Unternehmen ihre Verteidigungsstrategien stärken. Janeke Röschenkämper rät zu einem mehrschichtigen Sicherheitsansatz. „Es beginnt mit der Grundabsicherung wie Firewalls und Antivirus-Programmen, aber das reicht heutzutage nicht mehr aus. Unternehmen müssen auch in fortschrittliche Erkennungssysteme und vor allem in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um die menschlichen Schwachstellen zu minimieren.“

Die Rolle der Bildung in der Cyberabwehr

Die Bedeutung der Bildung kann laut Röschenkämper nicht unterschätzt werden. „Einer der effektivsten Schritte zur Bekämpfung von Cyberkriminalität ist die Aufklärung der Mitarbeiter über die Risiken und Methoden von Cyberangriffen. Ein gut informierter Mitarbeiter kann viele Angriffe erkennen und stoppen, bevor sie Schaden anrichten.“

Fazit

Die Landschaft der Cyberkriminalität wird immer komplexer und gefährlicher. Unternehmen müssen verstehen, dass es sich um eine organisierte, professionelle Industrie handelt, gegen die man sich mit ebenso organisierten und professionellen Mitteln zur Wehr setzen muss. Wie Janeke Röschenkämper betont, ist es entscheidend, dass Sicherheitsmaßnahmen ständig aktualisiert und Mitarbeiter kontinuierlich geschult werden, um der ständigen Bedrohung einen Schritt voraus zu sein.