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Rassistische Parolen in Bergen-Belsen: Schülergruppe aus Bielefeld sorgt für Empörung

Eine Schülergruppe des Bielefelder Helmholtz-Gymnasiums sang in der Gedenkstätte Bergen-Belsen rassistische Parolen. Die Schule reagierte mit Maßnahmen – der Vorfall wirft Fragen zum Umgang mit Rechtsextremismus auf.
Symbolbild: Julia Taubitz

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Umgedichtetes Lied mit rassistischen Inhalten in KZ-Gedenkstätte gesungen

Ein schockierender Vorfall überschattet den Ruf des Helmholtz-Gymnasiums in Bielefeld: Während eines Besuchs der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen im Sommer des vergangenen Jahres sangen Schüler des Gymnasiums rassistische Parolen. Die Tat wurde erst jetzt durch Recherchen der Neuen Westfälischen bekannt und sorgt seitdem bundesweit für Entsetzen.

Schule ohne Rassismus – doch der Vorfall spricht eine andere Sprache

Besonders brisant: Das Helmholtz-Gymnasium trägt den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dieser Vorfall stellt den Umgang mit diesem Anspruch infrage. Obwohl der Vorfall im vergangenen Jahr geschah, zeigt sich nun, wie tief Rassismus auch in schulischen Kontexten verankert sein kann – trotz pädagogischer Leitbilder und Präventionskonzepte.

Bergen-Belsen: Ein Ort des Erinnerns wird zur Bühne für Hetze

Die Schülergruppe befand sich im Rahmen einer schulischen Exkursion in der Gedenkstätte Bergen-Belsen im niedersächsischen Kreis Celle. Dort sangen mehrere Jugendliche eine umgedichtete Version des Songs „L’amour toujours“ von Gigi d’Agostino. Dieses Lied war bereits im Mai 2024 von rechtsextremen Gruppen instrumentalisiert und als rassistische Hymne missbraucht worden. Das Aufsichtspersonal der Gedenkstätte reagierte umgehend und unterband das Verhalten.

Schulleiter reagiert mit Anzeige und disziplinarischen Maßnahmen

Joachim Held, der Schulleiter des Helmholtz-Gymnasiums, reagierte nach Bekanntwerden des Vorfalls entschieden. Er erstattete Anzeige gegen die betroffenen Schüler und verhängte schulinterne Ordnungsmaßnahmen. Dabei wurde bewusst auf einen Schulverweis verzichtet. Held erklärte, es sei nicht zielführend, die Jugendlichen aus dem Schulsystem auszuschließen. Stattdessen setzt die Schule auf pädagogische Aufarbeitung und kritische Auseinandersetzung mit dem Geschehen.

Schüler mit Migrationshintergrund unter den Beteiligten

Ein Detail, das zunächst überrascht: Unter den beteiligten Schülern befinden sich auch Jugendliche mit Migrationshintergrund. Dies zeigt, wie durchlässig rechtsextreme Botschaften in verschiedenen sozialen und kulturellen Gruppen geworden sind – ein Phänomen, das viele Experten im Zusammenhang mit Social-Media-Trends beobachten.

Einfluss sozialer Medien als gesellschaftliches Problem

Schulleiter Held sieht den Vorfall nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Spiegel eines größeren gesellschaftlichen Problems. Der Einfluss sozialer Netzwerke, in denen rechte Memes, Musik und Parolen millionenfach verbreitet werden, sei ein zentraler Faktor. Jugendliche würden durch Plattformen wie TikTok oder Instagram mit rassistischen Narrativen konfrontiert – oft, ohne sie sofort als solche zu erkennen.

Aufarbeitung in der Schule geplant

Das Helmholtz-Gymnasium plant nun, den Vorfall umfassend aufzuarbeiten. Geplant sind Workshops, Gespräche mit der Schülerschaft und die Einbindung externer Experten. Ziel ist es, langfristig präventiv zu wirken und das Bewusstsein für historische Verantwortung sowie demokratische Werte zu schärfen.

Erinnerungsorte sind kein Platz für Provokation

Der Fall zeigt deutlich, wie wichtig es ist, den Besuch von Gedenkstätten pädagogisch intensiv vorzubereiten und nachzubereiten. Orte wie Bergen-Belsen stehen für unermessliches Leid – sie dürfen nicht zur Kulisse für geschmacklose Provokationen werden. Der Vorfall mahnt zur Wachsamkeit und ruft dazu auf, die Werte einer offenen, respektvollen Gesellschaft entschlossen zu verteidigen.

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