Warum die Stadionpacht für Preußen Münster erst nach dem Umbau teuer wird

Preußen Münster Preußenstadion
Foto: Caroline Muffert

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Münster. Die Stadionpacht von Preußen Münster ändert sich durch den Abstieg in die 3. Liga zunächst nicht. Für das LVM-Preußenstadion gilt aktuell noch eine ligaunabhängige Vereinbarung. Die größere finanzielle Frage entsteht erst nach dem Umbau. Dann soll die jährliche Zahlung an die Stadt deutlich steigen.

Aktuelle Pacht bleibt trotz Abstieg stabil

Preußen Münster zahlt derzeit für das LVM-Preußenstadion, die Trainingsplätze und das weitere Vereinsgelände eine Pacht in der Größenordnung von rund 460.000 Euro pro Jahr. Nach Angaben der Stadt lag die zuletzt genannte Vollkostenpacht bei 442.414 Euro, inzwischen wurde sie angepasst.

Entscheidend ist: Diese aktuelle Zahlung hängt nicht von der Liga ab. Der Abstieg aus der 2. Bundesliga in die 3. Liga führt bei der Stadionpacht deshalb nicht automatisch zu geringeren Einnahmen für die Stadt Münster. Kurzfristig bleibt die Pacht also stabil.

Davon zu trennen ist der Betriebskostenzuschuss. Die Pacht zahlt Preußen an die Stadt. Der Betriebskostenzuschuss fließt dagegen von der Stadt an den Verein beziehungsweise an den Profibereich. Nach den vorliegenden Angaben soll dieser Zuschuss im kommenden Jahr 585.000 Euro betragen.

Nach dem Stadionumbau beginnt eine andere Rechnung

Die heutige Pacht ist nicht der Maßstab für die Zeit nach der Fertigstellung des umgebauten Stadions. Für den Umbau des LVM-Preußenstadions nennt die Stadt Münster ein Budget von 88,5 Millionen Euro. Die Westtribüne ist seit Ende 2025 abgeschlossen, Ost- und Nordtribüne sollen bis Ende 2027 folgen. Ergänzende Arbeiten an der Südtribüne und an den Außenanlagen sind bis Februar 2028 vorgesehen.

Mit dem fertigen Stadion soll ein neues Pachtmodell greifen. Der endgültige Vertrag ist noch nicht abschließend fixiert. Genannt werden aber bereits klare Größenordnungen: In der 3. Liga könnte die künftige Vollkostenpacht zwischen 2,3 und 2,6 Millionen Euro liegen. In der 2. Bundesliga wären es 3,7 bis 4,0 Millionen Euro.

Damit würde sich die Belastung deutlich erhöhen. Gegenüber der heutigen Zahlung von rund 460.000 Euro wäre die künftige 3.-Liga-Pacht etwa fünf- bis knapp sechsmal so hoch. In der 2. Bundesliga läge die Pacht ungefähr beim Acht- bis knapp Neunfachen.

In der 3. Liga wäre die Pacht besonders anspruchsvoll

Die neue Pacht ist vor allem deshalb relevant, weil die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen 3. Liga und 2. Bundesliga erheblich sind. In der 3. Liga fließen aus dem aktuellen Medienrechtevertrag jährlich 23,58 Millionen Euro an die berechtigten Klubs. Zweite Mannschaften von Lizenzvereinen sind von der Ausschüttung ausgenommen. Bei 18 berechtigten ersten Mannschaften ergibt sich ein Orientierungswert von 1,31 Millionen Euro pro Klub.

Setzt man diesen Wert ins Verhältnis zur möglichen Münsteraner 3.-Liga-Pacht, wird die Dimension sichtbar. Eine Zahlung von 2,3 bis 2,6 Millionen Euro läge deutlich über diesem Orientierungswert aus der medialen Verwertung. Sie entspräche rechnerisch etwa 176 bis 198 Prozent davon.

Das bedeutet nicht, dass Preußen Münster die Pacht allein aus Medienerlösen finanzieren müsste. Es zeigt aber, wie stark der Verein in der 3. Liga auf andere Einnahmen angewiesen wäre: Ticketing, Sponsoring, Hospitality, Merchandising und sonstige Vermarktung würden noch wichtiger.

In der 2. Bundesliga verschiebt sich das Verhältnis

Die 2. Bundesliga bewegt sich wirtschaftlich in einer anderen Größenordnung. Laut DFL lagen die Erträge aus medialer Verwertung in der Saison 2024/25 ligaweit bei 288,3 Millionen Euro. Rein rechnerisch entspricht das bei 18 Vereinen einem Durchschnitt von rund 16 Millionen Euro je Klub. Dieser Wert ist keine konkrete Ausschüttung für Preußen Münster, sondern nur eine rechnerische Vergleichsgröße.

Genau diese Vergleichsgröße zeigt aber den Unterschied zur 3. Liga. Eine künftige Zweitliga-Pacht von 3,7 bis 4,0 Millionen Euro wäre weiterhin ein großer fixer Kostenblock. Im Verhältnis zum durchschnittlichen Wert der medialen Verwertung in der 2. Bundesliga wäre sie jedoch deutlich leichter einzuordnen als eine Millionenpacht in der 3. Liga.

Hinzu kommen in der 2. Bundesliga meist höhere Erlöse aus Sponsoring, Ticketing und Hospitality. Das neue Stadion kann diese Einnahmen zusätzlich stärken. Wirtschaftlich tragfähiger wird das Modell deshalb vor allem dann, wenn Preußen Münster mittelfristig wieder auf Zweitliga-Niveau spielt und die zusätzlichen Stadionmöglichkeiten tatsächlich ausschöpft.

Preußens eigene Zahlen zeigen die Größenordnung

Preußen Münster meldete für die Saison 2024/25 einen Umsatz von 29,2 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 3,473 Millionen Euro. Die KGaA verwies dabei auf gestiegene Erlöse unter anderem im Ticketing, Merchandising, bei den TV-Erlösen und in der Vermarktung.

Als Vergleichsrechnung zeigt das die Dimension der künftigen Pacht. Eine Zahlung von 2,3 bis 2,6 Millionen Euro hätte gemessen am Umsatz 2024/25 rund 7,9 bis 8,9 Prozent ausgemacht. Eine Pacht von 3,7 bis 4,0 Millionen Euro hätte bei rund 12,7 bis 13,7 Prozent gelegen.

Diese Werte sind keine Prognose für die kommenden Jahre. Das neue Stadion soll zusätzliche Einnahmen ermöglichen. Sie zeigen aber, wie groß der Sprung von der heutigen Pacht zur künftigen Vollkostenpacht wäre.

Das Stadion wird zum wirtschaftlichen Prüfstein

Kurzfristig ist der Abstieg für die Stadionpacht weniger einschneidend, als es zunächst klingt. Die aktuelle Zahlung bleibt ligaunabhängig. Langfristig verschiebt sich die Debatte aber deutlich. Nach dem Umbau wird aus der heutigen Pacht eine Millionenverpflichtung.

Für die Stadt Münster soll die künftige Vollkostenpacht helfen, Investition, Abschreibung, Verzinsung, Verwaltungskosten und spätere Instandhaltung abzubilden. Für Preußen Münster wird sie zu einem festen Kostenblock, der sportlich und wirtschaftlich erwirtschaftet werden muss.

Damit ist der Stadionumbau mehr als ein Infrastrukturprojekt. Er soll neue Erlöse ermöglichen, setzt diese höheren Einnahmen aber auch voraus. In der 3. Liga wäre die künftige Pacht im Verhältnis zu den zentralen Ligaerlösen besonders anspruchsvoll. In der 2. Bundesliga passt sie deutlich besser zum Einnahmeniveau. Genau deshalb bleibt die sportliche Perspektive für die Stadionrechnung entscheidend.

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