
Münster. Literatur mitten in einer außergewöhnlichen Landschaft: Von Donnerstag, 20. August, bis Sonntag, 23. August 2026 finden in Münster die 11. Rieselfelder-Kulturtage statt. Unter dem Motto „Anverwandelte Räume“ verbindet das Festival Literatur mit Musik, Film, Kunst, Geschichte, Hörkunst und Naturbeobachtung. Hauptveranstaltungsort ist das rekonstruierte Rieselwärterhäuschen nahe dem Heidekrug. Fast alle Programmpunkte sind kostenlos.
Das diesjährige Motto greift die besondere Geschichte der Rieselfelder auf. Wo einst Münsteraner Abwasser auf landwirtschaftliche Flächen verteilt wurde, liegt heute ein international bedeutendes Feucht- und Vogelschutzgebiet. Das ehemalige Rieselwärterhäuschen wird dabei selbst zum Kulturort.
Gleichzeitig nehmen die Veranstalter Bezug auf die bevorstehenden Skulptur Projekte Münster 2027. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen vorhandene Räume neu nutzen, kulturell besetzen und verändern. Passend dazu gehören neben Lesungen und Konzerten auch Installationen, Naturbeobachtungen und Film zum Programm.
Die Kulturtage beginnen am Donnerstag bereits um 6 Uhr mit „Die Schwingen des Falken“. Theaterregisseur Manfred Kerklau bietet eine Stunde Zhineng Qigong inmitten der Vogelwelt an. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Um 15 Uhr folgt die dialogische Lesung „My secret place – Anverwandelte Räume der Droste“ mit Literaturwissenschaftler Walter Gödden und Schauspieler Carsten Bender. Anschließend wird der POETREE eröffnet: Aus einer Baumhöhle erklingen Gedichte und Haikus. Am Abend spielt Harfenist und Komponist Stijn Bovenkamp ab 19 Uhr sein speziell für das Festival entwickeltes Programm „Anverwandelte musikalische Räume“.
Der Freitag verbindet Natur, Literatur und Film. Von 11 bis 14 Uhr startet an der Biologischen Station Rieselfelder eine dreistündige Veranstaltung rund um Obstbäume, Vogelbeobachtung und J. A. Bakers Naturklassiker „Der Wanderfalke“.
Um 17 Uhr präsentiert Verlagsgründer und Regisseur Klaus Sander unter dem Titel „Singende Hunde, pfeifende Frösche, balztolle Hähne“ ungewöhnliche Tieraufnahmen aus dem Archiv der Edition supposé. Ab 21 Uhr zeigt der Filmclub Die Linse auf dem Rieselfeldhof Chloé Zhaos Oscar-prämierten Film „Nomadland“ in englischer Originalfassung mit Untertiteln. Bei schlechtem Wetter wird die Vorführung in den Dachbodensaal verlegt.
Am Samstag steht die Literatur besonders im Mittelpunkt. Ab 15 Uhr werden bei „Vier Lesungen – Vier Sprachen – Vier anverwandelte Räume“ Texte auf Englisch, Arabisch, Persisch und Deutsch präsentiert. Beteiligt sind Andrew Rossiter, Albatoul Alraey, Mohaddeseh Hossini und Silke Borchardt. Schauspieler Carsten Bender liest jeweils die Übersetzungen.
Um 19 Uhr folgt Julia von Sell mit zwei Erzählungen der isländischen Autorin Ásta Sigurðardóttir. Gelesen werden „Streichhölzer“ und „Lammzeit“. Auch dieser Programmpunkt ist kostenlos.
Am Sonntag beginnt das Programm um 10 Uhr mit einer zweiten Qigong-Stunde von Manfred Kerklau. Der große Festivalabschluss folgt um 16 Uhr mit Thomas Thieme, Julia von Sell und Arthur Thieme. Unter dem Titel „Ohne Dich schlafe ich heut Nacht nicht ein – Liebesschlager und Kleistbriefe“ werden Briefe Heinrich von Kleists an Wilhelmine von Zenge mit Schlagermusik verbunden.
Thomas Thieme gehört seit der ersten Ausgabe fest zu den Rieselfelder-Kulturtagen und war nach Veranstalterangaben bei allen elf Festivals dabei. Für die Abschlussveranstaltung kosten die Tickets im Vorverkauf 25, 30 oder 35 Euro, je nach gewählter Unterstützungsstufe. An der Tageskasse werden jeweils fünf Euro mehr fällig.
Konzerte, Märkte, Partys, Familienangebote und weitere Termine für Münster und Umgebung.
Neben den Veranstaltungen gehören auch Kunstprojekte zum Programm. Beim POETREE erklingen Texte des 92-jährigen Paters Stephan Reimund Senge sowie Haikus der New Yorker Dichterin Yuko Otomo. Außerdem werden erneut Skulpturen von Christoph Otto Hetzel gezeigt, die sich mit Menschen beschäftigen, die früher in den Rieselfeldern gearbeitet haben oder dort arbeiten mussten.
Die detaillierte Programmseite führt beide Installationen für Donnerstag bis Samstag auf. Ob sie auch am Sonntag zugänglich sind, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht eindeutig hervor.
Die Rieselfelder entstanden ab Ende des 19. Jahrhunderts als Teil der Münsteraner Abwasserentsorgung. Rieselwärter verteilten das Abwasser auf einzelne Flächen und dokumentierten, welche Parzellen wann bewässert wurden. Mit der Inbetriebnahme der Hauptkläranlage 1975 verlor das System seine ursprüngliche Funktion.
Heute umfassen die Rieselfelder ein rund 430 Hektar großes Europäisches Vogelschutzgebiet. Seit 1983 sind sie als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention anerkannt. Damit passt das Festivalmotto besonders gut zum Ort: Aus einem technischen Funktionsraum ist über Jahrzehnte ein bedeutender Natur- und Kulturraum geworden.
Nicht alle Programmpunkte finden am Rieselwärterhäuschen an der Coermühle 100 statt. Die Veranstaltung „Der Wanderfalke“ startet an der Biologischen Station an der Coermühle 181, das Open-Air-Kino findet am Rieselfeldhof statt. Besucher sollten deshalb vorab auf den jeweiligen Veranstaltungsort achten.
Für die Anreise am Freitag weist der Veranstalter zudem auf die voraussichtliche Sperrung des Schiffahrter Damms zwischen Sudmühlenstraße und Hessenweg hin. Wer zu den Kulturtagen fährt, sollte entsprechend zusätzliche Zeit einplanen.
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