
Münster. Die geplante Ausweitung der Anwohnerparkzonen in Pluggendorf und Erpho stößt auf deutliche Kritik. Der Umwelt- und Verkehrsverband NaturFreunde sieht die Verkehrswende in Münster in Gefahr und warnt vor einer weiteren Verschärfung bereits bestehender Probleme. Im Zentrum der Kritik steht nicht die Idee des Bewohnerparkens an sich, sondern das aus Sicht des Verbands unzureichende Vorgehen der Stadt bei Kontrolle und Durchsetzung der Regeln.
Nach Auffassung der NaturFreunde drohe sich mit den neuen Parkzonen ein Kontrollnotstand auszuweiten. Schon heute seien viele Anwohnerparkplätze regelmäßig durch Fahrzeuge ohne Parkberechtigung belegt. Die Folge sei Frust bei denjenigen, die für einen Anwohnerparkausweis bezahlen, aber dennoch keinen Stellplatz finden. Besonders in innenstadtnahen Bereichen sei das Problem seit Längerem bekannt.
Deutlich wird die Kritik in den Worten des NaturFreunde-Vorstands Rüdiger Sagel. Er bemängelt, dass Anwohnerparkplätze bereits jetzt nur unzureichend kontrolliert würden. Falschparker blockierten regelmäßig die reservierten Flächen, während bei Kontrollen lediglich geringe Verwarnungsgelder anfielen. Das sende aus Sicht des Verbands ein falsches Signal und lade geradezu dazu ein, die Regeln zu missachten.
Nach Angaben der NaturFreunde sei das Ausmaß an Markttagen besonders hoch. In einzelnen Zonen der Altstadt seien an solchen Tagen zahlreiche Verstöße festgestellt worden. Die Erweiterung des Bewohnerparkens in weiteren Stadtteilen könne dieses Problem weiter verschärfen, wenn sich an der Kontrolldichte nichts ändere.
Die NaturFreunde stellen die aktuelle Entwicklung in einen größeren Zusammenhang. Seit der Umgestaltung und Reduzierung von Parkflächen auf zentralen Plätzen sowie durch Zufahrtsbeschränkungen zu Parkhäusern habe sich der Parkdruck in angrenzenden Vierteln deutlich erhöht. Fahrzeuge würden zunehmend auf Anwohnerparkplätze ausweichen, was die Situation für die dort lebenden Menschen verschärfe.
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Aus Sicht des Verbands entstehe so der Eindruck, dass neue Parkzonen vor allem zusätzliche Einnahmen generieren, ohne den Betroffenen eine spürbare Verbesserung zu bringen. Ziel müsse es sein, den Autoverkehr tatsächlich zu reduzieren und nicht lediglich zu verlagern.
Die NaturFreunde nehmen sowohl Politik als auch Verwaltung in die Pflicht. Die deutliche Erhöhung der Kosten für Anwohnerparkausweise sei politisch beschlossen worden. Nun müsse die Stadt liefern und sicherstellen, dass diese Parkflächen auch tatsächlich den Anwohnerinnen und Anwohnern zur Verfügung stünden. Ohne konsequente Kontrollen drohe das Gegenteil einer Entlastung: mehr Suchverkehr, mehr Frust und letztlich mehr Autos in der Innenstadt.
Adressat der Forderungen ist dabei klar die Stadt Münster. Aus Sicht der NaturFreunde reicht es nicht aus, neue Regeln zu schaffen. Entscheidend sei deren Durchsetzung. Nur dann könne das Bewohnerparken ein wirksames Instrument der Verkehrswende sein.
Der Verband warnt abschließend davor, dass ohne ein Umsteuern das eigentliche Ziel aus dem Blick gerät. Weniger Autoverkehr und mehr Lebensqualität in den Quartieren seien nur erreichbar, wenn Regelverstöße konsequent unterbunden werden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass steigende Parkgebühren und neue Zonen die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter schwächen.