
Münster. In Berg Fidel könnte schon bald eine neue Anlaufstelle für Gesundheitsfragen entstehen. Dort, wo viele Menschen Unterstützung bei Arztkontakten, Anträgen oder der Orientierung im Gesundheitssystem brauchen, plant die Stadt ein eigenes Gesundheitszentrum für den Stadtteil.
Das Vorhaben bekommt zusätzliches Gewicht, weil Berg Fidel seit Ende März keine eigene Hausarztpraxis mehr hat. Das neue Zentrum soll diese zwar nicht ersetzen, aber eine Lücke im Alltag vieler Bewohner schließen. Für 2027 und 2028 sind insgesamt 360.000 Euro vorgesehen. Die endgültige Entscheidung über das Konzept soll der Rat am 7. Oktober treffen.
Das geplante Gesundheitszentrum soll ausdrücklich keine Hausarztpraxis ersetzen. Medizinische Untersuchungen wie Blutdruck- oder Blutzuckermessungen gehören nicht zum vorgesehenen Angebot.
Stattdessen soll die Einrichtung eine Lotsenfunktion übernehmen. Menschen könnten dort Hilfe bei Krankenkassen- und Pflegeanträgen bekommen, Arzttermine vor- und nachbereiten oder Unterstützung bei der Suche nach Haus- und Fachärzten erhalten. Auch Fragen zu Impfausweis, Medikamentenplan, Patientenverfügung und Organspendeausweis sollen dazugehören.
Hinzu kommt ein ungewöhnlich moderner Schwerpunkt: Das Zentrum soll vermitteln, wie sich Gesundheitsinformationen aus dem Internet und auch Antworten von KI-Anwendungen kritisch beurteilen lassen. Die Planungen entstanden übrigens nicht erst nach der Schließung der letzten Hausarztpraxis Ende März. Nach Angaben der Stadt war das Zentrum bereits zuvor in Vorbereitung.
Auch in Coerde, Kinderhaus-West und Angelmodde sieht die Stadt erhöhten Unterstützungsbedarf. Für Berg Fidel sprechen nach Darstellung der Verwaltung unter anderem Erkenntnisse aus Sozialmonitoring und Schuleingangsuntersuchungen. Hinzu kommen Sprachbarrieren, soziale Faktoren und Schwierigkeiten, sich im Gesundheits- und Sozialsystem zurechtzufinden.
Die Grünen begrüßen, dass Berg Fidel den Anfang machen soll. Katharina Könning, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion und Ratsfrau für Berg Fidel, erklärt:
„Mit einem neuen Ansatz und mit einer starken Einbindung der Menschen im Stadtteil gewinnt Berg Fidel enorm.“
Christiane Schwab, Sprecherin der Grünen in der Bezirksvertretung Hiltrup, verweist vor allem auf die Situation nach dem Ende der einzigen Hausarztpraxis. Aus ihrer Sicht müsse eine Gesundheitsvorsorge stärker in den Blick genommen werden, die sprachliche, kulturelle und finanzielle Hürden möglichst gering hält.
Das Angebot steht bewusst noch nicht bis ins Detail fest. Zunächst soll ein sogenannter Community Health Survey klären, welche Unterstützung im Stadtteil tatsächlich benötigt wird.
Dabei sollen sogenannte Community-Forscher eine wichtige Rolle übernehmen. Menschen aus Berg Fidel sollen Bedürfnisse erfassen, bei Sprachbarrieren helfen, Bewohner an das Zentrum heranführen und neue Angebote mitentwickeln. Mehrsprachigkeit ist ausdrücklich vorgesehen.
Das Zentrum soll bestehende Angebote nicht verdrängen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten. Dazu gehören etwa Quartiersangebote, das Hebammenmobil, Familienzentren, Ärzte, Apotheken und Beratungsstellen. Grundsätzlich soll die Einrichtung zwar einen Schwerpunkt in Berg Fidel haben, aber nicht ausschließlich Menschen aus dem Stadtteil offenstehen. Auch andere Münsteraner sollen das Angebot nutzen können.
Wo das Gesundheitszentrum untergebracht wird, ist noch nicht entschieden. Gesucht wird ein möglichst zentraler Standort nahe der Einkaufspassage. Dort gibt es nach Angaben der Verwaltung leerstehende Räume in Immobilien der LEG.
Auch der Betreiber steht noch nicht fest. Möglich wäre eine Trägerschaft durch das Gesundheitsamt, angestrebt wird jedoch die Übertragung an einen freien Träger. Dieser müsste neutral beraten und dürfte Ratsuchende nicht bevorzugt an eigene Angebote weitervermitteln.
Bei den Öffnungszeiten sind neben Vormittagen auch Nachmittage, möglicherweise ein Abend und etwa ein Samstag im Monat vorgesehen. Im Konzept werden zudem zeitweise getrennte Öffnungszeiten für Frauen und Männer als mögliche Option genannt.
Personell sind zunächst 1,5 Stellen eingeplant. 0,75 Stellen sollen auf die Leitung entfallen, möglichst besetzt mit einer Pflegefachkraft beziehungsweise perspektivisch einer Community Health Nurse. Weitere 0,75 Stellen sind für Sozialarbeit oder eine Kombination aus Pflege und Sozialarbeit vorgesehen.
Eine zusätzliche Vollzeitstelle ist im Konzept zwar berücksichtigt, lässt sich aus dem aktuellen Finanzrahmen aber nicht bezahlen. Auch Kosten für Umbau und Möblierung stehen noch nicht endgültig fest. Die insgesamt 360.000 Euro sichern deshalb zunächst nur den Betrieb in den Jahren 2027 und 2028. Eine dauerhafte Finanzierung darüber hinaus gibt es bislang nicht.
Berg Fidel soll nur die erste Phase des Projekts sein. Voraussichtlich ab 2028 könnte von dort aus ein mobiles Angebot für Coerde, Kinderhaus-West und Angelmodde aufgebaut werden. Vorgesehen wären regelmäßige Sprechstunden an festen Orten, nicht jedoch Hausbesuche. Für diese Erweiterung ist bislang kein Geld gesichert.






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