54 Jahre Trigema, klare Kante: Wolfgang Grupp kommt nach Münster

Wolfgang Grupp kommt nach Münster. Der frühere Trigema-Chef spricht am 7. Oktober im Skaters Palace über Verantwortung, Krisen und Unternehmertum.
Wolfgang Grupp

Teilen:

Münster. 54 Jahre lang stand Wolfgang Grupp an der Spitze von Trigema. Er machte das schwäbische Familienunternehmen bundesweit bekannt, hielt trotz des Strukturwandels in der Textilbranche an der Produktion in Deutschland fest und wurde mit seinen oft pointierten Aussagen zu einem regelmäßigen Gast in Talkshows. Anfang 2024 übergab Grupp die operative Verantwortung an die nächste Generation. Ruhig geworden ist es um den Unternehmer deshalb nicht. Am 7. Oktober kommt Wolfgang Grupp nach Münster.

Der 84-Jährige ist einer der Gäste beim Unternehmenskongress „Chefsache Zukunft 2026“ im Skaters Palace. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr und richtet sich an Unternehmer und Führungskräfte aus dem Mittelstand. Für Grupp ist dabei ein Thema vorgesehen, das eng mit seiner eigenen Unternehmerbiografie verbunden ist: Verantwortung in schwierigen Zeiten.

Wolfgang Grupp spricht in Münster über Verantwortung in Krisen

Gemeinsam mit Patric Fedlmeier, stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden der Provinzial Holding AG, ist Grupp für einen Fokus-Talk angekündigt. Die Veranstalter stellen dabei die Frage in den Mittelpunkt, warum Unternehmer Krisen aus eigener Kraft bewältigen und nicht auf politische Hilfe warten sollten.

Dass ausgerechnet Wolfgang Grupp über dieses Thema spricht, ist kein Zufall. Noch im Mai 2026 vertrat der frühere Trigema-Chef in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ erneut die Auffassung, dass Schwankungen zum Geschäftsleben gehörten und Unternehmer ihre Probleme selbst lösen müssten. Auch bei einer schwächeren Nachfrage habe Trigema unter seiner Führung weiterproduziert und Ware notfalls eingelagert, statt die Produktion zurückzufahren.

Die Haltung zieht sich durch Grupps Karriere. Er verbindet Unternehmertum seit Jahrzehnten mit persönlicher Verantwortung, langfristigem Denken und dem Anspruch, für geschäftliche Entscheidungen selbst einzustehen. Seine Aussagen sind dabei nicht unumstritten – gerade deshalb hat Grupp über viele Jahre öffentliche Debatten über Unternehmensführung, Haftung und den Standort Deutschland geprägt.

1969 übernimmt Grupp ein verschuldetes Unternehmen

Als Wolfgang Grupp 1969 die Geschäftsleitung von seinem Vater Franz Grupp übernahm, war das Unternehmen nach eigener Darstellung stark diversifiziert und verschuldet. Grupp reduzierte die Zahl der Geschäftsfelder und konzentrierte die Firma stärker auf T-Shirts, Tennis- und Freizeitbekleidung. Gleichzeitig baute er eine eigene Designabteilung auf und entwickelte Trigema zu der Marke weiter, unter der das Unternehmen bis heute bekannt ist.

Bis 1975 waren nach Angaben des Unternehmens die damaligen Schulden vollständig zurückgezahlt. Trigema entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bekanntesten deutschen Textilhersteller. Das Unternehmen mit Sitz in Burladingen hält bis heute an der Produktion in Deutschland fest und bezeichnet sich selbst als Deutschlands größten Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung.

Zur Bekanntheit Grupps trug allerdings nicht nur das Unternehmen selbst bei. Generationen von Fernsehzuschauern kennen die Trigema-Werbung mit dem Affen vor der „Tagesschau“. Grupp selbst wurde zugleich immer stärker zum Gesicht der Firma. In Interviews und Fernsehrunden vertrat er seine Vorstellungen von Führung häufig mit Sätzen, die deutlich über die Textilbranche hinaus diskutiert wurden.

Nach 54 Jahren gibt Wolfgang Grupp die Führung ab

Zum Jahreswechsel 2023/2024 endete schließlich eine außergewöhnlich lange Ära. Nach 54 Jahren zog sich Wolfgang Grupp aus dem operativen Geschäft zurück. Sein Sohn Wolfgang Grupp junior übernahm als persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer Verantwortung, Tochter Bonita Grupp wurde Mitglied der Geschäftsführung. Auch Grupps Ehefrau Elisabeth blieb dem Familienunternehmen als Gesellschafterin verbunden.

Die Übergabe bedeutete für Trigema erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert eine neue Führung. Die Kinder hatten allerdings bereits Jahre zuvor operative Aufgaben übernommen: Wolfgang Grupp junior unter anderem in den Bereichen B2B-Vertrieb und Digitalisierung, Bonita Grupp im E-Commerce, Marketing und Personal.

Wolfgang Grupp selbst ist seitdem zwar nicht mehr Trigema-Chef, als Stimme in Wirtschaftsfragen aber weiterhin präsent. Sein Interview im Mai 2026 zeigte, dass sich an seinen grundsätzlichen Positionen wenig geändert hat. Auch mit über 80 Jahren spricht er weiter über Risiko, Verantwortung und die Frage, was einen Unternehmer für ihn ausmacht.

Von Burladingen nach Münster

Genau diese Mischung aus jahrzehntelanger Unternehmererfahrung und einer klaren eigenen Haltung dürfte seinen Auftritt in Münster prägen. „Chefsache Zukunft 2026“ stellt Verantwortung, Sicherheit und Wachstum im Mittelstand in den Mittelpunkt. Neben Vorträgen sind interaktive Gespräche und Impulse für Unternehmer angekündigt.

Für Münster bedeutet das den Besuch eines Mannes, der mehr als ein halbes Jahrhundert lang persönlich an der Spitze seines Unternehmens stand – und der auch nach der Übergabe an seine Kinder offenbar wenig Interesse daran hat, sich aus der öffentlichen Debatte über Unternehmertum zurückzuziehen.

Wolfgang Grupp ist am Mittwoch, 7. Oktober 2026, bei „Chefsache Zukunft 2026“ im Skaters Palace in Münster zu Gast. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr. Anmeldungen sind über chefsache-zukunft.de möglich.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu