
Münster. Um kurz nach halb elf wird es im Süden von Münster plötzlich dunkel. Ampeln springen auf Schwarz, in Wohnungen verstummen Kühlschränke, Handys werden zu Taschenlampen. Wer aus dem Fenster blickt, sieht keine Explosion, keinen Rauch – nur eine Stadt, die für einen Moment aus dem Takt gerät.
Seit dem Angriff auf Stromleitungen in Berlin Anfang Januar ist die Nervosität größer als früher. Als dort nach einem Brandanschlag zehntausende Haushalte über mehrere Tage ohne Strom waren, wurde aus einem abstrakten Risiko ein reales Szenario. Entsprechend schnell tauchte auch in Münster die Frage auf: War das ein technischer Defekt – oder mehr?
Nach Angaben der örtlichen Versorger fiel gegen 22.40 Uhr in mehreren Stadtteilen im Süden der Strom aus. Betroffen waren unter anderem die Aaseestadt, Mecklenbeck, Berg Fidel, das Geistviertel sowie Teile des Südviertels. Insgesamt war von rund 15.000 Haushalten die Rede, etwa acht Prozent des Stadtgebiets.
Die Wiederzuschaltung erfolgte gestaffelt. Ein Teil der Haushalte war nach rund 20 Minuten wieder versorgt, weitere folgten kurze Zeit später. Spätestens gegen 23.30 Uhr war die Störung behoben.
Für viele dauerte der Ausfall weniger als eine Stunde. Für eine Großstadt wirkt selbst das jedoch wie eine kleine Zäsur.
Als Ursache wurde ein Schaden an einem Mittelspannungskabel im Bereich Daimlerweg ermittelt. Betroffen war nach bisherigen Angaben eine sogenannte Muffe, also ein Verbindungsstück zwischen Kabelabschnitten. Solche Bauteile gelten als sensible Punkte im Netz, weil hier mechanische Belastung und Feuchtigkeit besonders wirksam werden können.
Entscheidend war jedoch nicht nur der Defekt selbst, sondern die automatische Schutzabschaltung im Umspannwerk. Das Stromnetz ist so konstruiert, dass es bei Unregelmäßigkeiten sofort reagiert. Vereinfacht gesagt: Bevor ein Fehler größere Schäden verursacht, trennt das System vorsorglich ganze Abschnitte vom Netz.
In Münster waren an dem betroffenen Umspannwerk rund 120 Netzstationen angeschlossen. Als der Schutzmechanismus griff, wurden diese Stationen gleichzeitig abgeschaltet. Was technisch als Sicherheitsfunktion gedacht ist, wirkt für Außenstehende wie ein flächiger Zusammenbruch.
Bekannt ist: Der Ausfall war zeitlich begrenzt, ein technischer Fehler wurde lokalisiert, die Reparatur erfolgte noch am Folgetag. Hinweise auf einen äußeren Eingriff gibt es nach aktuellem Stand nicht.
Unklar bleibt naturgemäß, warum genau die Muffe versagte. Materialermüdung, Feuchtigkeit oder andere Einflüsse sind mögliche Ursachen, wie sie in komplexen Netzen immer wieder auftreten. Eine abschließende technische Analyse liegt öffentlich bislang nicht vor.
Die entscheidende Differenzierung lautet daher: Ein größerer Stromausfall bedeutet nicht automatisch Sabotage. Ebenso wenig heißt ein technischer Defekt, dass Netze unangreifbar wären.
Anfang Januar 2026 hatte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Südwest zehntausende Haushalte tagelang vom Netz getrennt. Der Netzbetreiber sprach von einem gezielten Angriff auf kritische Infrastruktur. Die Bilder von dunklen Straßenzügen und geschlossenen Geschäften prägten sich ein.
Solche Ereignisse verändern die Wahrnehmung. Was früher als „Störung“ durchging, wird heute schneller als mögliches Warnsignal interpretiert. Sicherheitsbehörden weisen seit Jahren darauf hin, dass Energieinfrastruktur grundsätzlich als potenzielles Ziel gilt – zugleich betonen Netzbetreiber, dass Redundanzen und Schutzsysteme genau für solche Szenarien gebaut werden.
Der Unterschied zwischen Berlin und Münster liegt im Kern der Ursache: Dort ein bestätigter Anschlag mit mehrtägigen Folgen, hier nach jetzigem Stand ein lokaler technischer Defekt mit schneller Wiederherstellung.
Der Ausfall zeigte dennoch, wie verzahnt moderne Infrastruktur ist. Mehrere Ampelanlagen schalteten sich automatisch ab. Da viele Anlagen bundesweit keine eigene Notstromversorgung besitzen, bleiben sie bei einem Netzausfall zunächst außer Betrieb.
Nach der Wiederzuschaltung kann es durch Spannungsschwankungen zu erneuten Sicherheitsabschaltungen kommen. In einigen Fällen mussten Techniker Anlagen manuell überprüfen und wieder in Betrieb nehmen. Bis in die frühen Morgenstunden kam es deshalb vereinzelt zu Verzögerungen.
Stromnetze gehören zu den am stärksten überwachten und gesicherten Infrastrukturen in Deutschland. Gleichzeitig sind sie komplexe Systeme, in denen ein einzelner Knotenpunkt große Bereiche beeinflussen kann. Beides ist richtig: Sie sind robust – und punktuell empfindlich.
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das vor allem, vorbereitet zu sein, ohne in Alarmismus zu verfallen. Notbeleuchtung, geladene Akkus und ein batteriebetriebenes Radio gehören zur allgemeinen Krisenvorsorge. Entscheidend ist jedoch die Einordnung: Ein regionaler Stromausfall von weniger als einer Stunde ist kein Blackout.
Der Vorfall im Süden von Münster war einer der größeren Ausfälle der vergangenen Jahre. Er war spürbar, aber beherrschbar. Und er zeigt vor allem eines: Wie abhängig eine Stadt vom Strom ist – und wie schnell sie wieder funktioniert, wenn das System greift.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu