
Westfalen-Lippe. Die Getreideernte 2026 hat in Westfalen-Lippe begonnen. Den Auftakt macht wie jedes Jahr die Wintergerste, die bereits im Herbst ausgesät wurde und nun als erste Kultur von den Feldern kommt. Nach einem trockenen Frühjahr mit spürbaren Wasserdefiziten in vielen Böden haben die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Wochen die Lage deutlich entspannt. Zusammen mit den warmen Temperaturen im Juni hat das vielerorts für gute Wachstumsbedingungen gesorgt. Die ersten Ergebnisse fallen entsprechend positiv aus, auch wenn die Erträge je nach Standort unterschiedlich bleiben.
Die ersten Ernteergebnisse bei der Wintergerste deuten in vielen Regionen auf gute Erträge und eine hohe Qualität hin. Nach Angaben des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes liegen die bisherigen Werte auf leichteren Böden bei etwa 6 bis 7 Tonnen je Hektar, während auf guten Standorten auch 8 bis 9 Tonnen je Hektar erreicht werden. Damit fällt der Start in die Getreideernte insgesamt erfreulich aus. WLV-Präsident Hubertus Beringmeier rechnet überwiegend mit guten Qualitäten, macht aber zugleich deutlich, dass die Unterschiede zwischen den Standorten spürbar bleiben werden.
Nach der erneut trockenen Frühjahrsphase war die Wasserversorgung vieler Felder lange ein kritischer Punkt. Erst die ergiebigen Niederschläge kurz vor der aktuellen Hitzewelle brachten Entlastung und verbesserten die Bedingungen für viele Kulturen deutlich. Davon profitierten nicht nur die Getreidebestände, sondern auch der Mais, dessen Wasserversorgung sich laut WLV ebenfalls merklich verbessert hat. Für den weiteren Verlauf der Ernte bleibt das Wetter allerdings entscheidend. Die Landwirte hoffen nun auf stabile Hochdrucklagen mit trockenem Wetter, damit die Ernte ohne größere Unterbrechungen eingebracht werden kann.
Nach der Wintergerste geht die Erntesaison in Westfalen-Lippe in den kommenden Wochen weiter. Ab Mitte Juli folgen Sommergerste, Weizen, Triticale, Roggen, Hafer und Raps. Besonders wichtig ist dabei der Weizen, der in der Region die bedeutendste Getreideart ist. Ein großer Teil der Ernte wird später als Futtermittel genutzt, was die enge Verbindung zwischen Ackerbau und Tierhaltung in Westfalen-Lippe zeigt. Die Erntesaison endet traditionell erst im Herbst, wenn im September und Oktober die Maisernte ansteht.
So positiv der Erntestart ausfällt, so angespannt bleibt die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Hohe Kosten für Dünger, Energie und Kraftstoff belasten die Höfe weiterhin, während die Entwicklungen auf den internationalen Getreidemärkten schwer kalkulierbar bleiben. Gute Erträge bedeuten deshalb nicht automatisch gute Einkommen. Gerade in Jahren mit hohen Betriebskosten entscheidet nicht allein die Menge auf dem Feld, sondern auch, welche Preise am Markt erzielt werden können und wie stark die Ausgaben die Erlöse aufzehren.
Neben Wetter und Marktpreisen rücken auch pflanzengesundheitliche Risiken stärker in den Fokus. Der WLV warnt insbesondere vor der zunehmenden Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade. Das Insekt kann Krankheiten übertragen und dadurch erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen. Für die Betriebe ist das eine zusätzliche Herausforderung in einer ohnehin anspruchsvollen Zeit. Trockenheit, Hitze, Starkregen, neue Schädlinge und steigende Kosten zeigen, wie stark sich die Rahmenbedingungen im Ackerbau verändern.
Der Ackerbau prägt Westfalen-Lippe in besonderem Maß. Rund 730.000 Hektar und damit etwa drei Viertel der landwirtschaftlichen Fläche werden ackerbaulich genutzt. Mit dem Beginn der Ernte nimmt deshalb auch der Verkehr mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen deutlich zu. In den kommenden Wochen sind wieder mehr Mähdrescher, Traktoren und Erntegespanne auf Landstraßen und Wirtschaftswegen unterwegs. Der WLV bittet Autofahrer deshalb um Rücksicht und Geduld, damit die Ernte sicher eingebracht werden kann.
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