Immunzellen im Fokus: Millionen für Forschung an weißen Blutkörperchen in Münster

Die DFG fördert die Neutrophilen-Forschung der Universität Münster mit rund 13 Millionen Euro.
Blick ins Innere einer Immunzelle: Diese dreidimensionale Darstellung zeigt die Zellorganellen eines Neutrophilen – Endoplasmatisches Retikulum (blau), Lysosomen (gelb), Mitochondrien (violett), Lipidtröpfchen (cyan) und Golgi-Apparat (grün). Maßstab: 0,7 µm. © Angelika Rambold

Teilen:

Münster. Was im Blut millionenfach zirkuliert, könnte für die Medizin weit wichtiger sein als lange angenommen: An der Universität Münster rücken neutrophile Granulozyten in den Mittelpunkt eines großen Forschungsverbunds. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Sonderforschungsbereich/Transregio 332 „Neutrophile: Entwicklung, Verhalten und Funktion“ für weitere vier Jahre mit rund 13 Millionen Euro. Koordiniert wird der Verbund von Prof. Dr. Dr. Oliver Söhnlein vom Institut für Experimentelle Pathologie. Im Fokus stehen die häufigsten weißen Blutkörperchen des menschlichen Blutes und ihre Rolle bei Entzündungen, Krebs, Infektionen und weiteren Krankheitsprozessen.

Vom unterschätzten Abwehrhelfer zum Schlüssel der Immunmedizin

Neutrophile gehören zu den ersten Zellen, die bei Infektionen, Verletzungen oder Entzündungen im Körper aktiv werden. Lange galten sie vor allem als kurzlebige Abwehrzellen, die Krankheitserreger bekämpfen und anschließend absterben. Dieses Bild hat sich jedoch grundlegend verändert. Heute zeigt sich, dass Neutrophile weit stärker in Krankheitsprozesse eingreifen als lange angenommen. Sie beeinflussen chronische Entzündungen, stehen mit Tumorprozessen in Verbindung und sind an der Regulation wichtiger Vorgänge im Körper beteiligt. Genau deshalb rückt ihre Funktion zunehmend in den Fokus der modernen Immunforschung.

Neue Förderperiode soll Forschung näher an Therapien bringen

In der zweiten Förderperiode will der Verbund seine bisherigen Grundlagenarbeiten stärker auf konkrete Krankheitsbilder ausrichten. Im Mittelpunkt stehen Gefäßentzündungen, Krebserkrankungen und Infektionen. Ziel ist es, die Erkenntnisse aus der ersten Forschungsphase so weiterzuentwickeln, dass langfristig neue therapeutische Ansätze entstehen können. Dafür wird auch die technische Infrastruktur ausgebaut. Die zentrale Bildgebungsplattform soll künftig noch genauer sichtbar machen, wie sich Neutrophile im Gewebe verhalten. Ergänzend sollen Proteine, Stoffwechselprozesse und Genaktivitäten direkt im Gewebe analysiert werden.

Datenanalyse, Bildgebung und Nachwuchsförderung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf modernen Einzelzellanalysen. Sie sollen helfen, unterschiedliche Zustände von Neutrophilen in menschlichen und tierischen Zellen präziser zu beschreiben. Gleichzeitig entwickelt die Informatikplattform des Verbunds neue Methoden, um aus großen Datenmengen biologische Zusammenhänge abzuleiten. Der Forschungsverbund verbindet damit Immunologie, Tumorbiologie, Infektionsforschung, Bildgebung und datenbasierte Analyseverfahren. Mit dem neuen Graduiertenkolleg „NeutroTrain“ entsteht zudem ein strukturiertes Programm für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Münster arbeitet mit starken Forschungspartnern zusammen

Am SFB/TRR 332 sind neben der Universität Münster auch die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Duisburg-Essen als antragstellende Universitäten beteiligt. Assoziierte Partner sind unter anderem die Technische Universität Dresden, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und das Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften in Dortmund. Der Verbund vereint Expertise aus Immunologie, Tumorbiologie, Infektiologie, Bildgebung und Künstlicher Intelligenz.

Weitere DFG-Förderung mit Beteiligung der Universität Münster

Auch ein weiterer Forschungsverbund mit Münsteraner Beteiligung war erfolgreich. Der SFB/Transregio „Dynamiken von immunologischer, glialer und neuronaler Netzwerkinteraktion“ wird von der Universität Mainz koordiniert, die Universität Münster ist daran als Mitantragstellerin beteiligt. Der Verbund untersucht das Gehirn als Zusammenspiel neuronaler, glialer und immunologischer Netzwerke. Ziel ist es, Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Ansätze gegen Neurodegeneration, kognitiven Abbau und psychische Beeinträchtigungen zu entwickeln.

Was Sonderforschungsbereiche leisten

Sonderforschungsbereiche sind langfristig angelegte, interdisziplinäre Forschungsverbünde, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden. Sie ermöglichen Hochschulen, besonders komplexe wissenschaftliche Fragen über mehrere Jahre hinweg gemeinsam zu bearbeiten. Ein SFB/Transregio wird von mehreren Hochschulen getragen. An der Universität Münster werden derzeit sechs Sonderforschungsbereiche koordiniert; darüber hinaus sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität an weiteren überregionalen Verbünden beteiligt.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu