
Münster. Noch bevor der Ball bei der Fußball-Weltmeisterschaft rollt, richtet sich im Allwetterzoo Münster der Blick auf einen ungewöhnlichen Experten: Ameisenbär Taio soll vor jedem Deutschlandspiel vorhersagen, ob die Nationalmannschaft gewinnt, verliert oder unentschieden spielt. Seine Methode ist einfach, aber publikumswirksam. Drei Flaschen, drei mögliche Ergebnisse und eine lange Zunge entscheiden darüber, welchen Tipp das tierische Orakel abgibt.
Für Taio ist die neue Rolle vor allem eine Beschäftigung. Der Große Ameisenbär bekommt Mehlwürmer in Flaschen angeboten und holt sie mit seiner langen Zunge vom Flaschenboden. Genau dieses Verhalten nutzt der Allwetterzoo nun für die WM-Aktion.
Vor jedem Deutschlandspiel werden drei Flaschen in einer speziell entwickelten Halterung in seinem Gehege aufgebaut. Eine Flasche steht für einen deutschen Sieg, eine für einen Sieg des Gegners und eine für ein Unentschieden. Welche Flasche Taio zuerst auswählt, gilt als seine Voraussage.
Seinen ersten Einsatz als Orakel hat Taio am Freitag, 12. Juni 2026. Dann soll er das Ergebnis des Spiels Deutschland gegen Curaçao vorhersagen. Für Besucher ist die Aktion auch deshalb interessant, weil sie einen Einblick in das natürliche Verhalten des Ameisenbären gibt.
Für Taio selbst geht es nicht um Fußball. Die Flaschen mit Mehlwürmern dienen als Beschäftigung und fördern zugleich seine Nahrungssuche. Der Zoo nutzt damit ein spielerisches Element, das zum Verhalten des Tieres passt.
Ein tierisches Fußball-Orakel gab es im Allwetterzoo Münster bereits zur Europameisterschaft 2024. Damals übernahm Flachlandtapir Theo diese Aufgabe. Seine Trefferquote fiel allerdings eher bescheiden aus.
Zoodirektorin Dr. Simone Schehka sagt dazu: „Bei der Europameisterschaft 2024 hat Flachlandtapir Theo die Rolle des Orakels übernommen. Damals lag er bei fast allen Voraussagen falsch. Wir werden sehen, ob Taios lange Nase den besseren Riecher hat.“
Der Allwetterzoo Münster versteht das Orakel nicht nur als Fußballaktion. Die Aufmerksamkeit rund um die Weltmeisterschaft soll auch auf bedrohte Tierarten gelenkt werden. Dazu zählt auch der Große Ameisenbär.
„Wir halten und züchten bei uns im Allwetterzoo viele bedrohte Tierarten. Dazu gehört auch der Ameisenbär“, erklärt Schehka. Taio sei eine Nachzucht des Zoos und stehe damit stellvertretend für viele andere Tierarten, die geschützt werden müssen.
Taio ist der Nachwuchs der Ameisenbären Junio und Milo. Seine Elterntiere sind Ende Mai in einen Zoo nach Dublin umgezogen. Da Ameisenbären Einzelgänger sind, bewohnt Taio die Anlage in der tropischen Meranti-Halle inzwischen allein.
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