
Münster. Münster gilt im Volksmund als Stadt, in der es entweder regnet oder die Glocken läuten. Doch ganz so einfach ist das Wetterbild nicht. Seit 2014 misst die Universität Münster auf dem Dach des GEO1-Gebäudes alle zehn Minuten wichtige Klimavariablen. Die Daten zeigen: Münster gehört nicht zu den regenreichsten Gebieten Deutschlands. Auffällig ist aber, wann der Regen besonders häufig fällt.
Der Langzeitmessturm der Universität Münster liefert seit mehr als zehn Jahren kontinuierliche Daten zu Temperatur, Niederschlag und weiteren Klimawerten. Ausgewertet werden sie unter anderem von der Forschungsgruppe „Biosphere-Atmosphere Interaction“. Der Mikrometeorologe Dr. Toprak Aslan ordnet die Ergebnisse ein und erklärt, warum langfristige Messungen für das Stadtklima besonders wichtig sind.
Der schlechte Wetterruf Münsters hält sich hartnäckig. Die Messdaten stützen diese Einschätzung aber nur bedingt. „Anders als viele Menschen meinen oder behaupten, gehört Münster nicht zu den regenreichsten Gebieten Deutschlands“, sagt Dr. Toprak Aslan. Der Eindruck entstehe offenbar eher durch häufig wechselhaftes, bewölktes Wetter. Dieses hänge mit dem maritimen Einfluss Westeuropas zusammen.
Besonders interessant ist der Tagesverlauf des Niederschlags. Zwischen 12 Uhr und Mitternacht fällt in Münster rund 32 Prozent mehr Regen als in der ersten Tageshälfte. Ein auffälliger Schwerpunkt liegt zwischen 16 und 19 Uhr. In diesen späten Nachmittagsstunden kommt durchschnittlich etwa ein Viertel der täglichen Niederschlagsmenge herunter.
Der Nachmittagsregen hängt mit feuchter Luft vom Atlantik und von der Nordsee zusammen. Wenn diese Luftmassen über das Land ziehen, erwärmt die Sonne am Vormittag den Boden. Warme Luft steigt auf, kühlt in höheren Schichten ab und bildet Wolken. Am späten Nachmittag erreicht diese Entwicklung häufig ihren Höhepunkt. Dann können Schauer oder Gewitter entstehen.
Aus den Daten ergibt sich eine einfache Faustregel: Wer morgens ab etwa 9 Uhr in Münster unterwegs ist, braucht den Regenschirm oft nicht zwingend. Für Termine am späten Nachmittag oder Abend ist ein Schirm dagegen sinnvoller. Aslan formuliert es so: „Wenn man erst um 9 Uhr morgens etwas zu erledigen hat, kann man den Regenschirm in der Regel zu Hause lassen.“ Für Unternehmungen am späten Nachmittag und Abend empfehle es sich dagegen, einen Regenschirm einzupacken.
Auch die Sommerhitze wird am GEO1-Gebäude erfasst. Der bisher heißeste gemessene Sommertag war der 25. Juli 2019. Damals wurden um 16 Uhr 37,6 Grad erreicht. Im Juni dieses Sommers lagen die Werte mit 37,3 Grad bereits nah an diesem Rekord. Die Messungen zeigen aber keinen einfachen jährlichen Anstieg der Sommerhitze. Stattdessen schwanken heiße Sommer und Hitzewellen stark von Jahr zu Jahr.
Auch bei den Nächten zeigt sich kein durchgehend gleichmäßiger Trend. Tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, traten besonders in den Jahren 2019, 2020 und 2022 häufiger auf. Für die Belastung in Städten sind solche Nächte wichtig, weil Gebäude und versiegelte Flächen Wärme speichern und die Abkühlung verzögern können.
Die jährliche Niederschlagsmenge lag im Messzeitraum im Durchschnitt bei 715,7 Millimetern. Die Unterschiede zwischen den Jahren sind jedoch deutlich. 2017 war mit mehr als 1100 Millimetern besonders nass. 2018 blieb mit weniger als 500 Millimetern deutlich trockener. Auch die Sommermonate schwankten stark: 2014 war sehr regenreich, 2022 dagegen außergewöhnlich trocken.
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