Münster verliert Einwohner: Was hinter dem Rückgang steckt

Münster verliert 2025 Einwohner. Hauptgründe sind mehr Fortzüge als Zuzüge und ein Geburtendefizit.
Christian Schnettelker, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Münster. Jahrelang stand Münster vor allem für Wachstum, steigende Einwohnerzahlen und den Druck auf Wohnungen, Kitas, Schulen und Verkehr. Die neuen Zahlen von IT.NRW zeigen nun eine andere Entwicklung: Die Stadt ist im Jahr 2025 kleiner geworden. Am 31. Dezember 2025 lebten nach amtlicher Landesstatistik noch 306.368 Menschen mit Hauptwohnsitz in Münster. Das waren 1.998 weniger als ein Jahr zuvor.

Der Rückgang ist kein statistischer Ausreißer ohne Erklärung. Er setzt sich aus zwei Entwicklungen zusammen: Zum einen verließen deutlich mehr Menschen die Stadt, als neu nach Münster zogen. Zum anderen starben auch 2025 mehr Menschen, als Kinder geboren wurden. Damit folgt Münster einem Trend, der sich im vergangenen Jahr auch landesweit in Nordrhein-Westfalen gezeigt hat.

Mehr Fortzüge als Zuzüge drücken Münsters Einwohnerzahl

Der wichtigste Faktor für den Rückgang ist der negative Wanderungssaldo. Unter dem Strich verließen 1.796 Menschen mehr die Stadt, als nach Münster zogen. Gerade dieser Wert fällt auf, weil Münster im Jahr 2024 laut derselben Statistik noch ein Wanderungsplus von 1.250 Personen verzeichnet hatte.

Auch innerhalb des Jahres 2025 wurde die Entwicklung deutlicher. Zur Jahresmitte lag die amtliche Einwohnerzahl noch bei 307.979 Menschen. Bis Ende Dezember sank sie auf 306.368. Damit verlor Münster allein im zweiten Halbjahr rechnerisch 1.611 Einwohner nach der Landesstatistik. Aus einer Stadt, die lange vor allem mit Wachstum verbunden wurde, wurde damit zumindest statistisch eine Stadt im Rückwärtsgang.

Zusätzlich starben mehr Menschen, als geboren wurden

Neben den Fortzügen spielte auch die natürliche Bevölkerungsentwicklung eine Rolle. In Münster gab es 2025 ein Geburtendefizit von 202 Personen. Das bedeutet, dass mehr Menschen starben, als Kinder geboren wurden. Bereits 2024 hatte dieses Defizit bei 235 Personen gelegen.

Für sich genommen wäre dieser Effekt vergleichsweise klein. Zusammen mit dem negativen Wanderungssaldo verstärkt er jedoch den Rückgang. Die Zahlen zeigen also nicht nur, dass weniger Menschen nach Münster kamen oder mehr Menschen wegzogen. Sie zeigen auch, dass die Stadt ihre Einwohnerzahl 2025 nicht durch Geburten stabilisieren konnte.

Warum IT.NRW und die Stadt Münster unterschiedliche Zahlen nennen

Wer die Zahlen vergleicht, stößt schnell auf zwei unterschiedliche Werte. IT.NRW nennt für Ende 2025 eine amtliche Bevölkerungszahl von 306.368 Menschen. Die Stadt Münster meldete dagegen 320.728 Personen. Der Unterschied liegt nicht an einem Widerspruch, sondern an der Methode.

IT.NRW zählt nur Menschen mit alleiniger oder Hauptwohnung in Münster. Zweitwohnsitze tauchen in dieser amtlichen Landeszahl nicht auf. Die Stadt Münster führt dagegen alle Personen, die mit Erst- oder Zweitwohnsitz im Melderegister stehen. Deshalb liegt die städtische Zahl deutlich höher. Auch nach dieser Rechnung ging die Einwohnerzahl aber zurück, und zwar um 0,6 Prozent gegenüber Ende 2024.

Melderegister wurde in Münster bereinigt

Die Stadt hatte den Rückgang bereits Anfang 2026 erklärt und dabei auch auf Bereinigungen im Melderegister verwiesen. Im Zuge der Bundestags- und Kommunalwahlen seien verstärkt fehlerhafte Einträge aufgefallen. Dabei ging es vor allem um Personen, die nicht mehr unter ihrer gemeldeten Anschrift wohnten, sich aber nicht korrekt ab- oder umgemeldet hatten.

Solche Bereinigungen können einen Teil des Rückgangs in der städtischen Statistik erklären. Gleichzeitig zeigen die Zahlen von IT.NRW unabhängig davon, dass Münster auch nach amtlicher Fortschreibung Einwohner verloren hat. Beide Datengrundlagen kommen also trotz unterschiedlicher Methode zum selben Ergebnis: 2025 war für Münster kein Wachstumsjahr.

NRW verliert ebenfalls Einwohner

Münster steht mit dieser Entwicklung nicht allein. In ganz Nordrhein-Westfalen lebten Ende 2025 noch 17.986.214 Menschen. Das waren 48.240 weniger als Ende 2024. Damit fiel NRW wieder unter die Marke von 18 Millionen Einwohnern.

Landesweit war vor allem das Geburtendefizit ausschlaggebend. 2025 starben in Nordrhein-Westfalen 70.762 Menschen mehr, als Kinder geboren wurden. Zwar zogen weiterhin mehr Menschen nach NRW als fort, doch der positive Wanderungssaldo von 22.601 Personen reichte nicht aus, um diese Lücke zu schließen.

Langfristig erwartet Münster wieder Wachstum

Der aktuelle Rückgang bedeutet allerdings nicht, dass Münster dauerhaft schrumpfen muss. Die Stadt rechnet in ihrer kleinräumigen Bevölkerungsprognose 2025 bis 2035 langfristig wieder mit Wachstum. Bei Eintreten der Annahmen würde die wohnberechtigte Bevölkerung von 320.728 auf 335.781 Personen steigen.

Das entspräche einem Plus von 15.053 Menschen oder 4,7 Prozent. Kurzfristig bleibt der Befund aber deutlich: Die Einwohnerzahl in Münster ist 2025 gesunken, vor allem weil mehr Menschen fortzogen als zuzogen und zugleich mehr Menschen starben, als geboren wurden.

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