
Münster. Der Bundestagswahlkreis Münster könnte vor der nächsten Bundestagswahl neu zugeschnitten werden. Grund ist eine Änderung im Bundeswahlgesetz: Seit dem 1. Januar 2026 gelten strengere Vorgaben für die Größe der Wahlkreise. Die Wahlkreiskommission sieht deshalb bundesweit erheblichen Anpassungsbedarf. Für Münster liegen zwei Varianten auf dem Tisch.
Wahlkreise sollen möglichst ähnlich groß sein, damit Stimmen vergleichbares Gewicht haben. Die zulässige Abweichung vom bundesweiten Durchschnitt wurde zum Jahresbeginn abgesenkt. Statt bisher 15 Prozent soll ein Wahlkreis nur noch höchstens zehn Prozent nach oben oder unten abweichen. Eine Neuabgrenzung ist jetzt zwingend, wenn die Abweichung mehr als 15 Prozent beträgt. Zuvor lag diese Grenze bei 25 Prozent.
Der Wahlkreis Münster liegt nach den vorliegenden Angaben bereits bei rund 14 Prozent über dem Durchschnitt. Damit ist die gesetzliche Pflichtgrenze noch nicht überschritten, der Abstand ist aber gering. Im Bericht der Wahlkreiskommission werden bundesweit 145 Wahlkreise genannt, die um mehr als zehn Prozent abweichen. 78 Wahlkreise überschreiten bereits die neue 15-Prozent-Grenze.
Für Münster bedeutet das: Der bisherige Zuschnitt könnte politisch und rechtlich unter Druck geraten, auch wenn noch keine Entscheidung gefallen ist. Die Kommission macht Vorschläge, endgültig entscheiden müsste aber der Bundestag.
Nach den diskutierten Varianten würde Münster nicht vollständig in einem Bundestagswahlkreis bleiben. Eine Möglichkeit sieht vor, Hiltrup aus dem Wahlkreis Münster herauszulösen und dem Nachbarwahlkreis Coesfeld – Steinfurt II zuzuordnen. In einer zweiten Variante würden Hiltrup und Südost gemeinsam wechseln.
Damit wäre erstmals seit Jahrzehnten fraglich, ob das gesamte Stadtgebiet weiter in einem einheitlichen Bundestagswahlkreis abgebildet wird. Politisch ist der Zuschnitt relevant, weil Direktmandate über die Erststimme vergeben werden. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann Sylvia Rietenberg von den Grünen den Wahlkreis Münster mit 31,2 Prozent der Erststimmen. Stefan Nacke von der CDU kam auf 28,5 Prozent.
Die CDU-Ratsfraktion hatte bereits im Januar beantragt, dass sich der Rat gegen eine Veränderung des Bundestagswahlkreises Münster ausspricht. Der Antrag sieht außerdem vor, diese Haltung gegenüber Land, Innenministerium und Wahlkreiskommission deutlich zu machen.
Entschieden ist der Neuzuschnitt damit nicht. Die Vorschläge der Wahlkreiskommission sind Grundlage für die weitere politische Befassung. Ob Hiltrup, Südost oder andere Teile Münsters tatsächlich einem anderen Wahlkreis zugeordnet werden, liegt am Ende beim Bundestag.
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