Skulptur Projekte 2027 erobern Münsters Stadtteile

Skulptur Projekte Münster 2027: Erste Künstler und Standorte stehen fest. Kinderhaus, Berg Fidel und York-Quartier rücken in den Fokus.
LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Landesdirektor Dr. Georg Lunemann, Verena Putzer (Projektleiterin Skulptur Projekte Münster 2027), Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović (Kuratorinnenkollektiv WHW), Oberbürgermeister Tilman Fuchs und die Kulturdezernentin der Stadt Münster, Cornelia Wilkens (v.l.), gaben auf einer Pressekonferenz im Botanischen Garten Informationen zu den Skulptur Projekten Münster 2027. ©Stadt Münster / MünsterView

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Münster. Die Skulptur Projekte Münster 2027 nehmen konkrete Formen an. Rund ein Jahr vor der Eröffnung haben Stadt, LWL und das Kuratorinnenkollektiv What, How & for Whom erste Standorte und künstlerische Projekte vorgestellt. Die international bekannte Ausstellung läuft vom 13. Juni bis 3. Oktober 2027 und feiert dann zugleich ihr 50-jähriges Bestehen. Neben der Innenstadt rücken diesmal besonders Stadtteile im Wandel in den Blick, darunter Kinderhaus, Berg Fidel und das York-Quartier.

Ausstellung weitet den Blick über die Innenstadt hinaus

Seit 1977 gehören die Skulptur Projekte zu Münster. Alle zehn Jahre verwandelt die Ausstellung die Stadt in einen internationalen Ort für Kunst im öffentlichen Raum. Für 2027 sind rund 30 künstlerische Beiträge geplant, die bis zur Eröffnung nach und nach bekannt gegeben werden. Träger sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Stadt Münster, Veranstalter ist erneut das LWL-Museum für Kunst und Kultur.

Die künstlerische Leitung liegt beim Kuratorinnenkollektiv WHW mit Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović. Seit ihrer Ernennung im Sommer 2024 haben die Kuratorinnen gemeinsam mit dem Team in Münster recherchiert, Gespräche geführt und lokale Netzwerke aufgebaut. Aus diesen Begegnungen sollen nun künstlerische Arbeiten entstehen, die Münster mit anderen Orten, Erfahrungen und gesellschaftlichen Fragen verbinden.

Kinderhaus, Berg Fidel und York-Quartier im Fokus

Ein besonderer Schwerpunkt liegt 2027 auf Stadtteilen, in denen sich soziale, wirtschaftliche und bauliche Veränderungen deutlich zeigen. Dazu gehören Kinderhaus im Norden, Berg Fidel im Süden und das York-Quartier im Südosten. Damit lösen sich die Skulptur Projekte nicht von der Innenstadt, erweitern aber ihren Blick auf Nachbarschaften, die sonst seltener im Zentrum großer Kunstausstellungen stehen.

Das Kuratorinnenkollektiv beschreibt den Ansatz so: „Wir gehen der Frage nach, wie offen und zugänglich die Stadt für unterschiedliche Menschen und Perspektiven ist.“ Dabei gehe es um die „vielen Städte in der Stadt“, um Teilhabe, Ausgrenzung und Gemeinschaft. Genau diese Fragen sollen sich in den Arbeiten der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler wiederfinden.

Erste Arbeiten entstehen in Kinderhaus und der Innenstadt

In Kinderhaus entsteht ein Schwerpunkt mit mehreren künstlerischen Arbeiten. Die polnische Künstlerin Iza Tarasewicz entwickelt ein Projekt auf dem Gut Kinderhaus, einer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Ihre Arbeit soll sich an Jahreszeiten, landwirtschaftlichen Abläufen und gemeinschaftlichen Formen von Arbeit, Fürsorge und Zusammenleben orientieren.

In der Innenstadt plant Hew Locke eine Installation im Haus der Niederlande im Krameramtshaus. Der Ort ist historisch eng mit den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden verbunden. Locke setzt sich in seinen Arbeiten mit Monumenten, Repräsentation und Macht auseinander und verbindet den lokalen historischen Kontext mit größeren Fragen zu Kolonialismus, Migration und politischer Ungleichheit. Auf dem ehemaligen Hörster Friedhof wiederum arbeitet Selma Selman mit weiblichen Perspektiven, Familiengeschichten und Materialien, die andernorts als Schrott entsorgt würden.

Kunst zwischen Botanischem Garten, Berg Fidel und York-Quartier

Róza El-Hassan entwickelt ihren Beitrag mit Blick auf zwei sehr unterschiedliche Orte: den Botanischen Garten am Schloss und den Stadtteil Berg Fidel. Das Wohngebiet steht für moderne Stadtplanung der 1960er- und 1970er-Jahre, aber auch für demografische Vielfalt und internationale Lebensgeschichten. El-Hassan beschäftigt sich mit Migration, Flucht, Schutzbedürftigkeit und gegenseitiger Unterstützung.

Auch das York-Quartier wird Teil der Ausstellung. Die frühere York-Kaserne gehört zu den größten Transformationsflächen Münsters und wird derzeit zu einem neuen Wohnquartier umgebaut. Im ehemaligen Offizierskasino entwickelt Oscar Murillo eine Installation, die gemeinsames Kochen und kollektives Teilen in den Mittelpunkt stellt. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit lokalen Agrarbetrieben sowie Bürgergruppen und fragt danach, wie Arbeit, Austausch und Gemeinschaft miteinander verbunden sind.

Stadt Münster sieht neue Begegnungen in den Stadtteilen

Oberbürgermeister Tilman Fuchs begrüßt den erweiterten Blick der Ausstellung: „Die Skulptur Projekte widmen sich 2027 in besonderer Weise der Vielfalt unserer Stadt.“ Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Stadtteilen mache urbane Veränderungen sichtbar und bringe die Skulptur Projekte in Dialog mit neuen Nachbarschaften.

Auch Kulturdezernentin Cornelia Wilkens betont die Bedeutung für Münster. Die Skulptur Projekte prägten seit fünfzig Jahren das kulturelle Selbstverständnis der Stadt und machten Münster international als Kunststandort sichtbar. Besonders wichtig sei 2027, dass die Ausstellung bewusst auch Stadtteile wie Kinderhaus, Berg Fidel und das York-Quartier einbeziehe. So könnten neue Begegnungen zwischen Kunst und den Menschen entstehen, die diese Orte prägen.

Vorprogramm läuft bereits bis zur Eröffnung

Bis zur Ausstellung läuft das Vorprogramm „Skulptur Projekte Sessions“. Es soll die Öffentlichkeit in den Entstehungsprozess einbeziehen und den Austausch mit Künstlerinnen, Kuratorinnen, Hochschulen und Stadtgesellschaft ermöglichen. Die nächste Veranstaltung ist für Dienstag, 7. Juli 2026, um 18 Uhr im Rahmen der „Münster Lectures“ der Kunstakademie Münster geplant. Zu Gast ist die Black-Studies- und Medienwissenschaftlerin Nelly Y. Pinkrah.

Kulturministerin Ina Brandes verweist auf den freien Zugang als besonderes Merkmal der Ausstellung: „Markenzeichen der Ausstellung Skulptur Projekte Münster ist der freie Zugang zu Kunstwerken auf internationalem Spitzenniveau.“ Genau dadurch erreiche Kunst auch Menschen, die sonst nicht regelmäßig Museen oder Galerien besuchen. Für Münster wird 2027 damit nicht nur ein Jubiläumsjahr, sondern erneut ein internationales Kunstereignis im öffentlichen Raum.

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