Premiere in Münster: Uni gründet erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands

Uni Münster gründet zum 1. Juli die erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands.
Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels (l.) und Gründungsdekan Prof. Dr. Mouhanad Khorchide informierten über die Gründung der ersten deutschen „Islamisch-Theologischen Fakultät“ an der Universität Münster. © Uni MS - Linus Peikenkamp

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Münster. Die Universität Münster baut ihre theologische Landschaft weiter aus und geht dabei einen bundesweit einmaligen Schritt. Zum 1. Juli wird an der Hochschule die erste islamisch-theologische Fakultät Deutschlands gegründet. Der reguläre Betrieb des neuen Fachbereichs beginnt dann zum Wintersemester 2026/27. Damit erhält die islamische Theologie in Münster künftig deutlich mehr Eigenständigkeit in Forschung, Lehre und akademischer Selbstverwaltung.

Neuer Fachbereich mit weitreichenden Rechten

Mit der Gründung wird das bisherige Zentrum für Islamische Theologie in einen eigenen Fachbereich überführt. Diese Umwandlung bedeutet mehr als nur einen neuen Namen. Die Fakultät kann künftig ihr Forschungsprofil selbst weiterentwickeln, Lehrangebote eigenständig ausbauen und Prüfungsordnungen formulieren. Auch bei Promotions- und Habilitationsverfahren sowie bei Berufungen und der Besetzung wissenschaftlicher Stellen erhält sie deutlich mehr Verantwortung.

Gleichzeitig wächst aber auch der organisatorische Aufwand. Die neue Fakultät muss ihr Lehrangebot eigenständig sichern, Studiengänge akkreditieren lassen, Beratungsangebote vorhalten und Zielvereinbarungen mit dem Rektorat treffen. Trotz der neuen Autonomie bleibt sie an die zentralen Regeln der Universität und an das Hochschulrecht gebunden.

Jahrelange Vorbereitung bis zur Entscheidung

Die Entscheidung ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Ausgangspunkt war die Gründung des Zentrums für Islamische Theologie im Jahr 2012. Bereits wenige Jahre später begannen innerhalb der Universität Überlegungen, das Zentrum zu einem eigenständigen Fachbereich weiterzuentwickeln. 2019 fasste das Rektorat dann den Beschluss, diesen Schritt konkret vorzubereiten.

An dem Verfahren waren mehrere Gremien und Institutionen beteiligt. Dazu zählten unter anderem das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium, der Senat der Universität, der Hochschulrat, der Konfessionelle Beirat für islamische Theologie sowie der zuständige Fachbereich. Auch Studierende wurden über Fachschaften und den Allgemeinen Studierendenausschuss in den Prozess einbezogen.

Mouhanad Khorchide übernimmt als Gründungsdekan

Gründungsdekan der neuen Fakultät wird Prof. Dr. Mouhanad Khorchide. Er leitet bereits das bisherige Zentrum für Islamische Theologie und hat seit 2010 eine Professur für islamische Religionspädagogik in Münster. Khorchide sieht in dem Schritt ein wichtiges Signal für die Anerkennung muslimischen Lebens in Deutschland und für die Weiterentwicklung der islamischen Theologie an deutschen Hochschulen.

Auch aus Sicht der Universitätsleitung hat die neue Fakultät eine besondere Bedeutung. Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels wertet die Gründung als Meilenstein für die islamische Theologie und zugleich als gesellschaftliches Zeichen, das weit über Münster hinaus Aufmerksamkeit finden dürfte. Die Universität unterstreicht damit ihren Anspruch, ein Ort theologischer Vielfalt zu sein.

Rund 450 Studierende und acht Professuren geplant

Zum Start der islamisch-theologischen Fakultät sind vier Professorinnen und vier Professoren vorgesehen. Inhaltlich soll das Angebot ein breites Spektrum abdecken. Genannt werden unter anderem Themen wie islamische Philosophie oder der Islam in der Sozialarbeit. Schon jetzt studieren in Münster rund 450 Menschen in islamisch-theologischen Studiengängen oder im Lehramt für verschiedene Schulformen.

Im Sommersemester 2027 sollen die Mitglieder der Fakultät erstmals einen eigenen Fachbereichsrat wählen. Dieses Gremium wird dann auch über die Amtszeit des Gründungsdekans entscheiden. Damit beginnt nach der Aufbauphase die reguläre Selbstverwaltung des neuen Fachbereichs.

Teil des neuen Campus der Theologien und Religionswissenschaften

Die neue Fakultät wird künftig gemeinsam mit der evangelischen und der katholisch-theologischen Fakultät einen zentralen Teil des neuen Campus der Theologien und Religionswissenschaften bilden. Dieser Standort soll in den kommenden Monaten eröffnet werden. Die Universität verfolgt damit das Ziel, einen Ort des Austauschs zwischen Wissenschaft, Religion, Politik, Medien sowie Kultur zu schaffen.

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