
Münster. Die neue Osttribüne, ein Stadion für rund 19.000 Menschen, fast 7.000 Fahrradstellplätze, eine Kita in der Südost-Ecke und zugleich eine klare Absage an große Konzerte: Im Podcast „Auf ein Wort“ hat Münsters Sportdezernent Thomas Paal ungewöhnlich offen darüber gesprochen, was aus dem Preußenstadion werden soll und was ausdrücklich nicht.
Das Gespräch zeigt vor allem eines: Der Umbau in Berg Fidel ist längst mehr als ein reines Bauprojekt für den SC Preußen Münster. Es geht um Stadtentwicklung, um politische Rechtfertigung für eine Investition von 88,5 Millionen Euro, um die Erwartungen der Fans und um die Frage, wie weit ein Stadion in einem dicht besiedelten Umfeld überhaupt gedacht werden kann.
Für viele Anhänger dürfte ein Satz aus dem Podcast entscheidend sein: Die neue Osttribüne soll zur kommenden Saison zur Verfügung stehen. Paal dämpfte aber zugleich die Hoffnung auf eine frühere Nutzung. Die Tribüne sei noch nicht fertig, und eine vorzeitige Öffnung komme schon aus Sicherheitsgründen nicht infrage.
Gerade darin liegt für den Verein ein sensibles Thema. Die Osttribüne ist nicht irgendein Bauteil, sondern der emotionale Kern des neuen Stadions. Dort soll künftig die Heimkurve stehen, dort soll sich die Atmosphäre bündeln, dort soll das entstehen, was viele in Münster in den vergangenen Monaten schmerzlich vermisst haben.
Paal beschrieb im Podcast ausführlich, warum die sogenannte mundlochfreie Osttribüne für den Verein so wichtig ist. Gemeint ist eine Bauweise ohne die sonst typischen Öffnungen an der Vorderseite der Tribüne. Die Fans gelangen von unten auf die Ränge, dahinter entsteht eine geschlossene Wand. Für die Stimmung im Stadion ist genau das ein entscheidender Unterschied. Die Kurve wirkt geschlossener, dichter und druckvoller. Für die Fanszene ist das nicht nur eine bauliche Frage, sondern ein Stück Identität.
Nach Abschluss des Umbaus soll das Preußenstadion rund 19.000 Plätze bieten. Allein 8.700 davon entfallen auf die Osttribüne. Das bedeutet: Der Bereich, der für die Heimfans am wichtigsten ist, wird zugleich einer der prägendsten Teile des gesamten neuen Stadions.
Im Podcast machte Paal außerdem klar, dass in Berg Fidel bewusst ein reines Fußballstadion entsteht. Genau das dürfte viele Preußen-Anhänger freuen. Leichtathletikanlagen und große Abstände zum Spielfeld gelten bei vielen Fans als Stimmungskiller. Künftig soll die Nähe zum Platz das Stadiongefühl prägen.
Auch die Nordtribüne wurde im Gespräch erwähnt. Dort sind unter anderem Logen und eine Stadionterrasse vorgesehen. Das zeigt, dass der Umbau nicht nur auf Fanatmosphäre zielt, sondern auch auf zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten. Das neue Preußenstadion soll lauter, moderner und wirtschaftlich tragfähiger werden.
Besonders interessant wurde das Gespräch immer dann, wenn es um Geld und Verantwortung ging. Paal sprach von 88,5 Millionen Euro Baukosten, die Kita nicht eingerechnet. In einer Stadt, in der regelmäßig über Investitionen, Prioritäten und knappe Haushalte gestritten wird, ist das eine Summe, die politisch erklärt werden muss.
Genau das versuchte der Sportdezernent. Seine zentrale Botschaft: Das Stadion sei von Anfang an ein städtisches Stadion. Deshalb sei die Stadt auch verantwortlich, wenn dort grundlegend modernisiert werde. Die Investition solle nicht als Geschenk an den SC Preußen verstanden werden, sondern als kommunales Projekt mit langfristigem Nutzen.
Paal argumentierte dabei mit Pachteinnahmen und mit wirtschaftlichen Effekten für Münster. Ein erfolgreicher Profifußballstandort könne Impulse für die lokale Wirtschaft auslösen. Diese Argumentation ist nicht neu, bekommt in Münster aber neue Schärfe, weil hier sehr viel öffentliches Geld in einen Standort fließt, der emotional stark aufgeladen ist.
Gerade deshalb dürfte die Debatte über das Stadion auch nach der Fertigstellung nicht enden. Denn je höher die Summe, desto größer wird die politische Erwartung, dass das Projekt nicht nur architektonisch gelingt, sondern auch wirtschaftlich und gesellschaftlich überzeugend funktioniert.
Im Podcast zeichnete Paal das Bild eines deutlich breiter gedachten Standorts. Das Stadion werde nicht ausschließlich für den SC Preußen Münster gebaut. Er verwies auf weitere Nutzungen, die dort oder im direkten Umfeld möglich seien. Genannt wurden schulische Nutzungen, weitere Vereine und der Sportbereich rund um Berg Fidel.
Damit ordnet die Stadt den Umbau bewusst in ein größeres Konzept ein. Der Bereich rund um das Stadion soll sich weiter zu einem Sportcampus entwickeln. Paal nannte dabei unter anderem Volleyball, Basketball, USC, Preußen und die Baskets. Berg Fidel soll also nicht nur Fußballstandort sein, sondern ein Knotenpunkt für den Sport in Münster.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Stadt damit versucht, aus einem emotionalen Einzelprojekt ein breiter legitimiertes Infrastrukturprojekt zu machen. Je mehr Gruppen davon profitieren, desto leichter lässt sich die hohe Investition rechtfertigen.
Neben Kapazität und Tribünen sprach Paal auch über Punkte, die in klassischen Stadiondebatten oft zu kurz kommen. Das Preußenstadion soll nach seinen Angaben ein Plus-Energie-Stadion werden. Es soll also mehr Energie erzeugen, als es verbraucht. Für ein kommunales Großprojekt ist das ein bemerkenswerter Anspruch.
Hinzu kommen fast 7.000 Fahrradstellplätze. Das ist für Münster keine Nebensache, sondern fast schon ein politisches Symbol. Die Stadt will sichtbar machen, dass auch ein Fußballstadion in einer Fahrradstadt anders gedacht werden kann als in vielen anderen Kommunen.
Auffällig war außerdem, welchen Stellenwert Paal dem Thema Inklusion einräumte. Ein Prozent der Stadionkapazität soll als Rollstuhlplätze angeboten werden, also 190 Plätze. Diese sollen nicht isoliert an einem Rand liegen, sondern auch im Gästebereich und im Hospitality-Bereich eine Rolle spielen. Das ist ein Detail, das im Alltag schnell untergeht, für die Qualität des Projekts aber viel aussagt.
Besonders spannend an dem Podcast war, dass er Einblicke in Bereiche gab, über die bislang deutlich seltener gesprochen wurde. So soll in der Südost-Ecke eine fünfgruppige Kita entstehen. Dort ist auch die Geschäftsstelle des SC Preußen Münster vorgesehen. Eine weitere Ecke soll Funktionsräume aufnehmen.
Damit wird klar: Das neue Stadion wird kein in sich abgeschlossener Fußballkörper, sondern ein Mischort mit zusätzlichen Nutzungen. Gerade die Kita ist dafür ein starkes Beispiel. Sie zeigt, dass die Stadt das Gelände nicht nur an Spieltagen denkt, sondern auch im Alltag.
Offen bleibt allerdings die Zukunft der Südwest-Ecke. Dort, in der sogenannten Preußen-Ecke, ist nach Paals Worten noch nicht abschließend entschieden, was möglich sein wird. Der Verein habe dort Ideen, doch Bebauungsplan und Emissionsschutz setzen Grenzen. Auch das ist eine interessante Botschaft: Selbst bei einem Prestigeprojekt kann nicht jeder Wunsch erfüllt werden.
Für manche dürfte gerade dieser Teil des Gesprächs ernüchternd gewesen sein. Wer gehofft hatte, Münster bekomme mit dem neuen Stadion zugleich eine Arena für große Open-Air-Konzerte, dürfte enttäuscht sein. Paal machte im Podcast deutlich, dass genau das nicht der Plan ist.
Der Hauptgrund liegt im Bebauungsplan. Dieser erlaubt im Wesentlichen sportbezogene Nutzungen. Hinzu kommt die Lage des Stadions in einem Umfeld, in dem viele Menschen wohnen. Große Konzerte würden dort schnell Konflikte auslösen. Paal sagte sinngemäß: Für Taylor Swift oder Coldplay ist das Preußenstadion nicht der Ort.
Diese Aussage ist brisant, weil sie den Möglichkeitsraum des Neubaus klar begrenzt. Die Stadt investiert viel Geld, schafft aber bewusst keine Multifunktionsarena. Das neue Preußenstadion soll vor allem eins sein: ein Fußballstadion. Für manche ist genau das die richtige Entscheidung. Andere werden fragen, ob bei einer Investition dieser Größenordnung nicht mehr denkbar sein müsste.
Großprojekte im öffentlichen Bau sind oft mit Verzögerungen, Kostensteigerungen und Streit verbunden. Paal nutzte den Podcast erkennbar auch dafür, das Gegenteil zu betonen. Das Projekt laufe seit 2019, die Westtribüne sei bereits 2022 abgerissen worden, der Baustart für das neue Stadion sei im März 2025 erfolgt. Die lange Zwischenzeit sei intensiv für Planung und Vorbereitung genutzt worden.
Er verwies außerdem auf das sogenannte Totalunternehmerverfahren. Dahinter steckt die Hoffnung, Planung, Bau, Kosten und Termine enger zusammenzuführen. Nach Paals Darstellung liegt das Projekt derzeit im vereinbarten Kosten- und Zeitrahmen.
Noch ist das kein Schlusspunkt, aber es ist ein Signal. Die Stadt will zeigen, dass sie dieses Vorhaben kontrolliert und nicht von ihm überrollt wird. Gerade bei einem Projekt, das öffentlich so stark beobachtet wird wie das Preußenstadion, ist das politisch fast ebenso wichtig wie der Baufortschritt selbst.
So technisch viele Aussagen im Podcast auch waren, am Ende kreiste das Gespräch immer wieder um ein emotionales Versprechen: Das neue Stadion soll für den SC Preußen Münster ein echter Heimvorteil werden. Die dichte Osttribüne, das reine Fußballstadion, die Nähe zum Spielfeld und die neue bauliche Qualität sollen genau das erzeugen.
Ob dieser Plan aufgeht, wird sich erst zeigen, wenn die Tribünen gefüllt sind und der Ball rollt. Klar ist aber schon jetzt: Der Umbau verändert nicht nur die Optik des Stadions. Er verändert auch den Anspruch, mit dem die Stadt, der Verein und die Fans auf diesen Ort blicken.
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