
Münster. Die geplante Übergabe der St.-Antonius-Kirche an der Weseler Straße in Münster an die koptisch-orthodoxe Gemeinde sorgt für wachsenden Protest. Eine Petition mit dem Titel „Unser katholischer Glaube braucht ein Zuhause. Dialog über den Verkauf der St. Antonius Kirche“ macht deutlich, dass es vielen Gläubigen nicht nur um ein Gebäude geht. Für sie ist St. Antonius ein gewachsener Ort von Gottesdienst, Sprache, Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Nach zuletzt bekanntem Stand haben bereits mehr als 1.000 Menschen die Petition unterstützt. In sozialen Netzwerken wird sie unter anderem aus dem Umfeld der Polnischen Katholischen Mission verbreitet. Der Protest richtet sich nicht gegen eine andere christliche Gemeinde, sondern gegen den drohenden Verlust eines religiösen Zuhauses und gegen die aus Sicht der Betroffenen unzureichende Einbindung in die Entscheidung.
Die Kirchengemeinde St. Joseph Münster-Süd bereitet nach Angaben des Bistums Münster die Übergabe von St. Antonius an die koptisch-orthodoxe Gemeinde vor. Die Verträge sollen bis zum Frühsommer unterzeichnet werden. Der offizielle Übergabetermin ist für den 1. Oktober 2026 vorgesehen. Die Krypta soll von St. Joseph Münster-Süd für fünf Jahre zurückgemietet und weiter genutzt werden.
Für die koptisch-orthodoxe Gemeinde wäre St. Antonius eine wichtige Perspektive. Sie benötigt mehr Raum für Gottesdienste, Treffen und Gemeindeleben. Zugleich bedeutet die Entscheidung für andere Gemeinden einen tiefen Einschnitt. Denn die Kirche wird seit Jahren nicht nur von der Pfarrei genutzt, sondern auch von mehreren katholischen Gemeinden anderer Sprachen und Riten.
Besonders betroffen sind die Polnische Katholische Mission, die spanischsprachige katholische Gemeinde, die tamilische katholische Gemeinde und die eritreische katholische Gemeinde. Sie nutzen St. Antonius seit Jahren als Gottesdienstort und als festen Bezugspunkt ihres Gemeindelebens in Münster.
Gerade für diese Gemeinden ist ein Kirchenraum mehr als eine Adresse im Pfarrbrief. Er ist ein Ort, an dem Menschen ihren Glauben in der eigenen Sprache feiern, familiäre und soziale Netzwerke pflegen und über die Liturgie hinaus Gemeinschaft erleben. Wird dieser Ort aufgegeben, geht deshalb nicht nur ein Raum verloren. Es geht um Bindung, Sichtbarkeit und das Gefühl, innerhalb der Kirche wirklich beheimatet zu sein.
Das Bistum Münster hat inzwischen eingeräumt, dass sich Gemeinden anderer Sprachen und Riten in ihrem Engagement nicht ausreichend gesehen fühlen. Zugleich betont das Bistum, diese Gemeinden seien ein unverzichtbarer Teil der Kirche von Münster. Bis zum Sommer sollen verbindliche neue Orte für Gottesdienste und Gemeindeleben gefunden werden. Für Mittwoch, 20. Mai, 20 Uhr, ist eine Versammlung in St. Antonius angekündigt.
Genau hier liegt der Kern des Konflikts. Ein neuer Gottesdienstort kann organisatorisch eine Lösung sein. Für viele Gläubige ersetzt er aber nicht automatisch das, was über Jahre gewachsen ist. St. Antonius ist für sie kein austauschbarer Raum, sondern ein Ort, an dem religiöse Praxis, Herkunft, Sprache und Gemeinschaft zusammenkommen.
Die Petition macht aus einer geplanten Kirchenübergabe einen öffentlichen Streit über Mitsprache und Zugehörigkeit. Das Bistum muss nun nicht nur erklären, warum St. Antonius abgegeben werden soll. Es muss auch zeigen, dass die bisherigen Gemeinden nicht lediglich verwaltet, sondern ernsthaft einbezogen werden.
Die Lage bleibt komplex. Die koptisch-orthodoxe Gemeinde sucht berechtigt eine tragfähige Zukunft. Die katholische Pfarrei muss ihre Gebäude und Kosten neu ordnen. Die bisherigen Gemeinden brauchen zugleich verlässliche Orte. Gerade deshalb entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob aus dem Konflikt ein belastbarer Dialog entsteht.
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