
Münster. Der Verkehrsversuch Wolbeck steht vor dem politischen Abschluss: Nach zwei Jahren Laufzeit empfiehlt die Verwaltung, mehrere verkehrslenkende Maßnahmen im Ortskern dauerhaft zu übernehmen. Die Bezirksvertretung Münster-Südost befasst sich am 9. Juni mit der Vorlage, entscheiden soll der Ausschuss für Verkehr und Mobilität am 17. Juni.
Der Verkehrsversuch im historischen Ortskern von Wolbeck endete im Februar 2026. Ausgangspunkt war ein fraktionsübergreifender Ratsantrag aus dem Dezember 2022, mit dem die Verwaltung beauftragt wurde, eine nachhaltige Verkehrsberuhigung zu erproben. Ursprünglich war der Versuch auf zwölf Monate angelegt. Wegen anhaltender Baumaßnahmen im Ortskern wurde er auf die gesetzlich mögliche Höchstdauer von zwei Jahren verlängert.
Ziel war es, den Ortskern vom motorisierten Individualverkehr zu entlasten und gleichzeitig die Situation für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende zu verbessern. Nach Einschätzung der Verwaltung haben die erprobten Maßnahmen überwiegend die angestrebten Wirkungen erzielt. Der Verkehr im Ortskern sei messbar zurückgegangen, zugleich werde die Ortsumgehung stärker genutzt.
Die Entwicklung lässt sich an mehreren Zählwerten ablesen. Vor der Eröffnung der Ortsumgehung fuhren täglich rund 11.600 Fahrzeuge durch den Ortskern. Bis 2023 sank dieser Wert auf etwa 9.200 Fahrzeuge. Während des Verkehrsversuchs ging die Belastung weiter zurück.
Am Steintor wurden 2024 werktäglich 8.000 Kraftfahrzeuge gezählt, 2025 waren es noch 7.100. In der Hofstraße sank die Zahl von 3.100 Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 2.300 Fahrzeuge im Jahr 2025. Gleichzeitig nahm der Verkehr auf der Ortsumgehung zu. Dort wurden während des Verkehrsversuchs 10.800 Kraftfahrzeuge je Werktag gezählt.
Trotz dieser Entlastung bleibt die Situation im Ortskern nicht vollständig gelöst. Die Verwaltung weist darauf hin, dass die Verkehrsbelastung wegen der engen Straßenquerschnitte weiterhin als hoch wahrgenommen wird. Zudem werden einige Prognosewerte aus früheren Planungen noch nicht überall erreicht. Auf dem Abschnitt der Münsterstraße zwischen Hofstraße und Eschstraße liegt die Belastung nach den Angaben der Verwaltung weiterhin über dem früher berechneten Zielwert.
Mehrere Elemente aus dem Verkehrsversuch wurden bereits zuvor dauerhaft beschlossen, darunter eine Engstelle an der Münsterstraße auf Höhe der Middelerstraße, eine Querungshilfe für den Fußverkehr auf Höhe des Aldi-Marktes sowie rot eingefärbte Fahrradaufstellflächen an der Ampel im Bereich Antoniuskapelle und Münsterstraße.
Nun sollen weitere Maßnahmen verstetigt werden. Dazu zählen die Fahrbahnverschwenkung mit Freiburger Kegeln auf der Münsterstraße in Höhe des Mühlendamms, die Verengung des Einmündungsbereichs Münsterstraße und Dirk-von-Merveldt-Straße sowie die Engstelle an der Hofstraße in Richtung Telgter Straße.
Gerade die Hofstraße bleibt ein sensibler Punkt. Die Verwaltung bewertet die Engstelle dort verkehrsplanerisch als wirksam, verweist aber zugleich auf Auswirkungen für den Löschzug Wolbeck. Seit Einrichtung der Engstelle seien die Ausrückezeiten der Freiwilligen Feuerwehr im Schnitt um eine Minute angestiegen. Deshalb soll geprüft werden, ob eine abknickende Vorfahrt eine dauerhafte Entlastung ermöglichen kann.
Nicht alle Maßnahmen können sofort dauerhaft beschlossen werden. Für die Engstelle Am Steintor und das Rechtsabbiegegebot aus der Hofstraße soll die Verwaltung zunächst weiterplanen und später einen eigenen Planungs- und Baubeschluss vorlegen. Beide Punkte hängen eng mit den laufenden privaten Baumaßnahmen im Ortskern zusammen.
Die Verwaltung sieht in der einstreifigen Verkehrsführung Am Steintor positive Effekte. Das Geschwindigkeitsniveau sei gesunken, außerdem habe der Fußverkehr einen geschützten Bereich erhalten. Zugleich muss der Busverkehr den Abschnitt in beide Richtungen befahren können, um den Bahnhof Wolbeck an das ÖPNV-Netz anzubinden. Ein niveaugleicher Ausbau wird aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht weiterverfolgt.
Für die nächsten Schritte sind weitere politische Entscheidungen nötig. Die Vorlage macht deutlich, dass die Ergebnisse des Verkehrsversuchs Grundlage für die künftige verkehrsplanerische und gestalterische Entwicklung des Wolbecker Ortskerns sein sollen. Zugleich sind dafür derzeit noch keine zusätzlichen Personal- und Haushaltsmittel eingeplant. Die Stadt rechnet für die nun anstehenden Schritte zunächst mit Kosten von rund 10.000 Euro.
Die Verwaltung will das Verkehrsaufkommen im Ortskern künftig weiter beobachten. Zunächst sollen jährliche Zählungen stattfinden, später in angemessenen Abständen. Die Ergebnisse sollen den politischen Gremien regelmäßig vorgelegt werden.
Offen bleibt, wie der Ortskern langfristig gestaltet werden kann. Weitergehende Maßnahmen wie Tempo 20 als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich wären nach der neuen Straßenverkehrsordnung grundsätzlich denkbar. Dafür müssten nach Einschätzung der Verwaltung aber zunächst weitere verkehrslenkende Maßnahmen im Umfeld geprüft werden.
Auch bestehende Planungen für Kreuzungsbereiche müssen neu bewertet werden. Das betrifft unter anderem Hiltruper Straße und Am Steintor sowie Münsterstraße, Am Borggarten und Eschstraße. Für Wolbeck ist der Verkehrsversuch damit zwar beendet, die politische und planerische Debatte über die Zukunft des Ortskerns aber noch nicht.
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