
Greven. In sozialen Netzwerken ist ein neues Video aufgetaucht, das am Mittwochmorgen für Gesprächsstoff in Greven sorgt. In der Facebook-Gruppe „Greven aktuell“ wurde unter anderem eine Aufnahme geteilt, die aus einem fahrenden Auto heraus entstanden ist. Auf dem Video ist ein Tier zu sehen, bei dem es sich nach erster Einschätzung um einen Wolf handeln könnte. Die Sequenz zeigt, wie der mögliche Wolf in Greven die Straße entlangläuft und dabei auch am Firmengelände von LUC vorbeikommt.
Das Video ist nicht der einzige Hinweis, der die Behörden und die Grevener Öffentlichkeit erreichte. Bereits am Vormittag meldeten Anwohnerinnen und Anwohner ein ähnliches Tier nahe der Grabenstraße, nur wenige Meter entfernt von einer Kindertagesstätte. Eine Beobachterin berichtete, das Tier habe ruhig die Straße überquert und sei dann in eine angrenzende Sackgasse eingebogen. Auch sie hielt die Szene auf dem Handy fest. Das Material verbreitet sich ebenso schnell wie das Video aus dem Auto.
Wie bei allen Meldungen dieser Art wurde das Material an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima weitergegeben. Dort prüft man routinemäßig, ob die Aufnahmen tatsächlich einen Wolf zeigen. Da Verwechslungen mit großen Hunden oder Hybriden häufig vorkommen, erfolgt die Auswertung in mehreren Schritten: Silhouette, Bewegungsmuster, Körperbau und zusätzliche Umgebungsdetails werden sorgfältig abgeglichen. Mit einer offiziellen Bestätigung oder einem Ausschluss ist erst in einigen Tagen zu rechnen.
Die Meldung aus Greven reiht sich ein in eine zunehmende Zahl einzelner Sichtungen in ganz Nordrhein-Westfalen. Während stabile Rudel bislang vor allem im Bereich des westlichen Münsterlands und am Niederrhein nachgewiesen wurden, streifen einzelne Jungtiere auf der Suche nach neuen Revieren weite Strecken – gelegentlich auch durch dicht besiedelte Regionen. Daher sind Sichtungen in Randbereichen von Städten mittlerweile keine Seltenheit mehr.
Für Menschen gelten Wölfe nach Einschätzung von Fachstellen als äußerst scheu. Ihre typische Reaktion ist das Meiden von Ortschaften, Begegnungen mit Menschen enden in aller Regel mit einem zügigen Rückzug des Tieres. Angriffe auf Menschen sind in Deutschland nicht dokumentiert. Eine Gefährdung ergibt sich vor allem für Weidetiere wie Schafe und Ziegen, weshalb der Herdenschutz in NRW stark ausgeweitet wurde.
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Gleichzeitig wird empfohlen, den Tieren grundsätzlich mit Abstand zu begegnen: nicht herantreten, nicht füttern, nicht bedrängen und Haustiere angeleint halten. Wer einem Wolf begegnet, sollte ruhig bleiben, sich bemerkbar machen und dem Tier Raum lassen – das reicht oft schon, damit es sich zurückzieht. Sichtungen können grundsätzlich an die zuständigen Stellen gemeldet werden, damit diese Entwicklungen im Blick behalten.