
Eine ausgediente SpaceX-Rakete auf dem Mond sollte am Mittwochmorgen einen neuen Krater hinterlassen. Die Oberstufe einer Falcon 9 befand sich nach Berechnungen von Astronomen und der NASA auf einem sicheren Kollisionskurs. Der Einschlag des als 2025-010D katalogisierten Objekts wurde für etwa 8.35 Uhr deutscher Zeit erwartet. Eine unmittelbare Bestätigung durch Aufnahmen lag zunächst nicht vor. Die NASA will den Einschlagsort mit Teleskopen und Mondsonden untersuchen. Eine Gefahr für die Erde bestand nicht.
Der berechnete Einschlagspunkt liegt in einer stark zerklüfteten Region zwischen den Mondkratern Einstein und Bell. Eine präzise Bahnberechnung verortete ihn bei etwa 19,46 Grad nördlicher Breite und 93,29 Grad westlicher Länge. Von der Erde aus befindet sich die Stelle sehr nahe am Rand der sichtbaren Mondscheibe.
Als wahrscheinlichster Zeitpunkt galt der 5. August um 6.35 Uhr und 38 Sekunden koordinierter Weltzeit. Das entspricht etwa 8.35 Uhr MESZ. Wegen schwer exakt vorherzusagender Einflüsse des Sonnenlichts auf die taumelnde Raketenstufe waren Abweichungen von einigen Sekunden und wenigen Kilometern möglich.
Die rund 14 Meter lange Oberstufe bewegte sich mit ungefähr 2,43 Kilometern pro Sekunde auf die Oberfläche zu. Das entspricht rund 8.750 Kilometern pro Stunde. Ihre Masse wird je nach Berechnungsgrundlage mit etwa 3,9 bis 4,9 Tonnen angegeben. Die NASA spricht von einer verwendeten Falcon-9-Oberstufe, deren Einschlagwahrscheinlichkeit zuletzt bei 100 Prozent lag.
Die NASA erwartet einen ungefähr 18 Meter breiten und knapp vier Meter tiefen Krater. Andere wissenschaftliche Modellrechnungen kommen abhängig von den Annahmen zur Masse, Bodenbeschaffenheit und Einschlagsgeometrie auf größere Werte von bis zu etwa 40 Metern. Die tatsächlichen Ausmaße können erst durch Bilder des Einschlagsortes bestimmt werden.
Bei der Kollision wurde eine Energie in der Größenordnung mehrerer Tonnen TNT freigesetzt. Ein Teil davon dürfte Mondgestein und Staub aus der Oberfläche geschleudert haben. Simulationen gehen davon aus, dass feines Material mehrere Kilometer hoch steigen könnte. Einzelne Bestandteile der Staubwolke könnten nach Modellrechnungen deutlich größere Höhen erreichen.
Für den Mond ist die freigesetzte Energie nicht außergewöhnlich. Nach Angaben der NASA trifft im Durchschnitt etwa alle sechs Tage ein natürlicher Himmelskörper mit vergleichbarer Einschlagsenergie auf seine Oberfläche. Ungewöhnlich ist vor allem, dass Herkunft, Masse, Geschwindigkeit und Flugbahn dieses künstlichen Impaktors vergleichsweise gut bekannt sind.
Mit bloßem Auge war das Ereignis nicht sichtbar. Auch mit gewöhnlichen Amateurfernrohren waren die Chancen auf eine Beobachtung äußerst gering. Der Einschlagsort lag nahe am hell beleuchteten Rand der Mondscheibe. Ein möglicher Lichtblitz musste sich daher gegen die helle Oberfläche durchsetzen.
Hinzu kam, dass sich der Mond zum berechneten Zeitpunkt von Deutschland aus unter dem Horizont befand. Günstigere Bedingungen hatten Beobachter in Teilen Nordamerikas und Südamerikas. Dort konnten leistungsfähige Teleskope versuchen, den kurzen Lichtblitz oder eine über den Mondrand aufsteigende Staubwolke aufzunehmen.
Selbst für große Instrumente blieb eine erfolgreiche Beobachtung unsicher. Wegen der vergleichsweise niedrigen Einschlagsgeschwindigkeit dürfte nur ein kleiner Teil der Energie als sichtbares Licht freigesetzt worden sein. Wissenschaftler richteten ihr Augenmerk deshalb vor allem auf ausgeworfenes Material, das sich vor dem dunklen Weltraum möglicherweise deutlicher abzeichnen konnte.
Die NASA plante Beobachtungen mit erdgebundenen Teleskopen sowie mit dem Lunar Reconnaissance Orbiter. Auch das Instrument ShadowCam an Bord des südkoreanischen Mondorbiters Danuri sollte nach Möglichkeiten suchen, die Region vor und nach dem Aufprall aufzunehmen.
Ob die Raumsonden den Einschlag unmittelbar beobachten konnten, hing von ihrer jeweiligen Position, den Lichtverhältnissen und dem Zeitpunkt des Überflugs ab. Die NASA rechnete deshalb damit, dass es mehrere Tage dauern könnte, bis geeignete Bilder vorliegen. Erst ein Vergleich älterer und neuer Aufnahmen kann den frischen Krater zweifelsfrei nachweisen.
Die Aufnahmen sollen zeigen, wie groß der Krater tatsächlich geworden ist, welche Form er besitzt und wie weit Material über die Umgebung verteilt wurde. Da die Eigenschaften der Raketenstufe besser bekannt sind als bei einem natürlichen Meteoroiden, lässt sich das Ergebnis mit bestehenden Modellen zur Entstehung von Einschlagskratern vergleichen.
Die Falcon 9 war am 15. Januar 2025 gestartet. Sie brachte den US-Mondlander Blue Ghost 1 von Firefly Aerospace sowie den japanischen Lander Resilience der Firma ispace auf den Weg zum Mond. Blue Ghost landete im März 2025 erfolgreich. Resilience ging bei seinem Landeversuch im Juni 2025 verloren.
Nach dem Aussetzen der Raumfahrzeuge verblieb die Oberstufe in einer weitläufigen Umlaufbahn um die Erde. Ihre Entfernung schwankte zeitweise zwischen ungefähr 220.000 und 510.000 Kilometern. Damit bewegte sie sich regelmäßig durch den Bereich der Mondbahn.
Gravitationskräfte von Erde, Mond und Sonne sowie der geringe, aber über längere Zeit wirksame Strahlungsdruck des Sonnenlichts veränderten ihre Bahn. Astronomen erkannten bereits im September 2025, dass das Objekt im August 2026 mit dem Mond kollidieren dürfte. Ein kontrolliertes Manöver war nicht mehr möglich, weil die Stufe nach Abschluss ihrer Mission nicht mehr steuerbar war.
Der Aufprall ist kein einmaliger Vorgang. Während der Apollo-Missionen ließ die NASA mehrere Raketenstufen gezielt auf den Mond stürzen. Die dabei erzeugten Erschütterungen halfen, Messgeräte auf der Oberfläche zu kalibrieren und Erkenntnisse über das Innere des Mondes zu gewinnen.
2009 lenkte die NASA eine Raketenstufe der Mission LCROSS absichtlich in einen Krater nahe dem Südpol. Dabei wurde ausgeworfenes Material untersucht, um nach Wasser und anderen flüchtigen Stoffen zu suchen. 2022 schlug zudem eine nicht mehr kontrollierte Raketenstufe auf der erdabgewandten Mondseite ein und erzeugte überraschenderweise einen Doppelkrater.
Im Vergleich zu natürlichen Einschlägen bleiben Kollisionen menschengemachter Objekte selten. Der Mond wird täglich von kleineren Meteoroiden getroffen. Seine fehlende Atmosphäre sorgt dafür, dass diese Objekte nicht abgebremst werden und die Oberfläche unmittelbar erreichen.
Der Fall zeigt, dass Weltraumschrott nicht nur in niedrigen Erdumlaufbahnen vorkommt. Mit der steigenden Zahl kommerzieller und staatlicher Mondmissionen wächst auch die Zahl ausgedienter Raketenstufen, defekter Raumfahrzeuge und anderer Objekte im Raum zwischen Erde und Mond.
Für künftige Mondstationen stellt dieser einzelne Einschlag keine konkrete Gefahr dar. Der berechnete Ort liegt weit entfernt von bestehenden Landegeräten und vorgesehenen Einsatzgebieten. Natürliche Meteoroiden bleiben gegenwärtig das deutlich größere Risiko für Menschen, Fahrzeuge und technische Anlagen auf der Mondoberfläche.
Langfristig gewinnen planbare Entsorgungsbahnen dennoch an Bedeutung. Oberstufen können je nach Mission gezielt auf unkritische Mondgebiete gelenkt, zurück zur Erde geführt oder auf eine Umlaufbahn um die Sonne gebracht werden. Präzise Angaben zu Flugbahnen und geplanten Endzuständen sollen verhindern, dass spätere Einschläge unerwartet erfolgen oder wissenschaftlich und wirtschaftlich wichtige Gebiete gefährden.
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