
Die Adidas-Aktie hat am Mittwoch im DAX zugelegt und damit ihre Erholung fortgesetzt. Auslöser war ein positiver Kommentar der kanadischen Bank RBC, der dem Sportartikelhersteller wieder mehr Vertrauen am Kapitalmarkt verschaffte. Im Xetra-Handel wurde die Aktie zeitweise bei 169,25 Euro gesehen, was einem Plus von gut einem Prozent entsprach. Später notierte der Wert bei 172,10 Euro und lag damit 4,75 Euro über dem Vortagesschluss von 167,35 Euro. Das entsprach einem Tagesgewinn von 2,84 Prozent.
Damit gehörte Adidas zu den auffälligeren Einzelwerten im DAX. Der Kursanstieg fiel in ein Marktumfeld, in dem Investoren wieder stärker auf berechenbares Ergebniswachstum und Bewertungsabschläge achten. Genau an diesem Punkt setzte die RBC-Studie an.
RBC stufte Adidas von Sector Perform auf Outperform hoch. Das Kursziel wurde deutlich von 170 auf 210 Euro angehoben. Verantwortlicher Analyst ist Piral Dadhania. Er begründete den Schritt mit einem inzwischen gut berechenbaren Ergebniswachstum, das im Branchenvergleich am oberen Ende liege. Gleichzeitig erscheine die Bewertung der Aktie weiterhin attraktiv.
Die Hochstufung ist deshalb bemerkenswert, weil RBC Adidas zuvor eher neutral gesehen hatte. Noch Anfang Mai lag das Kursziel bei 170 Euro. Mit dem neuen Ziel von 210 Euro signalisiert die Bank nun deutlich mehr Zutrauen in die operative Entwicklung. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal, weil Adidas nach der schwankungsreichen Entwicklung der vergangenen Jahre wieder stärker als planbarer Wachstumstitel wahrgenommen wird.
Operativ lieferte Adidas zuletzt Zahlen, die den positiveren Blick der Analysten stützen. Im ersten Quartal 2026 stieg der währungsbereinigte Umsatz um 14 Prozent. Nominal erreichte der Konzern Erlöse von 6,6 Milliarden Euro. Die Bruttomarge lag bei 51,1 Prozent. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 16 Prozent auf 705 Millionen Euro, die operative Marge stieg auf 10,7 Prozent.
Auch der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten legte zu und erreichte 484 Millionen Euro. Damit gelang Adidas ein starker Jahresauftakt, obwohl Währungseffekte und Zölle belasteten. Für 2026 hatte der Konzern zuvor ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und ein Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
An der Spitze des Unternehmens steht weiterhin Bjørn Gulden als Vorstandsvorsitzender. Finanzvorstand ist Harm Ohlmeyer. Beide stehen für die aktuelle Phase der operativen Normalisierung nach den schwierigen Jahren rund um den Yeezy-Ausstieg und die Neuordnung des Geschäfts.
Bei den Bewertungskennzahlen zeigt sich, warum RBC die Aktie trotz der jüngsten Erholung nicht als ausgereizt ansieht. Auf Basis der Schätzungen für 2026 wird Adidas mit einem KGV von rund 18 gehandelt. Das erwartete EV/EBITDA liegt je nach Datenbasis im Bereich von rund 9,6 bis 10,6. Für einen globalen Markenhersteller mit zweistelligem Umsatzwachstum und wieder steigenden Margen ist das aus Analystensicht kein überzogenes Niveau.
Die Marktkapitalisierung lag zuletzt im Bereich von rund 29 bis 30 Milliarden Euro. Das 52-Wochen-Hoch wird je nach Handelsplatz bei rund 215 Euro angegeben, das 52-Wochen-Tief bei rund 130 Euro. Damit hat die Aktie seit dem Tief zwar deutlich aufgeholt, bleibt aber noch spürbar unter den Hochs des vergangenen Jahres.
Auch andere Analysten hatten sich 2026 überwiegend konstruktiv gezeigt. UBS sah Adidas zuletzt bei 219 Euro, Bernstein bei 245 Euro, Deutsche Bank bei 200 Euro, Jefferies bei 190 Euro. Das durchschnittliche Kursziel lag zuletzt bei rund 196 Euro. RBC liegt mit 210 Euro nun wieder klar über diesem Durchschnitt.
Im Wettbewerb bleibt Adidas vor allem an Nike und Puma zu messen. Nike ist weiterhin der globale Branchenprimus, hatte zuletzt aber selbst mit Wachstumsfragen und Sortimentsanpassungen zu kämpfen. Adidas konnte dagegen besonders mit Retro-Modellen, Lifestyle-Produkten und einer besseren operativen Steuerung punkten.
Puma steht stärker unter Druck. Der kleinere Herzogenauracher Rivale kämpfte zuletzt mit Umsatzrückgängen, einer schwächeren Markenwahrnehmung und einem laufenden Umbau. Für Adidas ergibt sich daraus die Chance, Marktanteile und Investorenzutrauen zurückzugewinnen. Der RBC-Kommentar trifft deshalb auf einen günstigen Moment. Adidas liefert wieder bessere Zahlen, die Bewertung bleibt moderat und der Abstand zu früheren Kursniveaus ist noch nicht geschlossen.
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