Warum der Brent-Ölpreis nach neuen Iran-Spannungen wieder zulegt

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Ölmarkt reagiert am Mittwoch erneut empfindlich auf die Lage im Nahen Osten. Der Preis für Brent-Öl zur Lieferung im August stieg auf 92,40 US-Dollar je Barrel und lag damit knapp ein Prozent über dem Niveau des Vorabends. Am Dienstag hatte der Kontrakt nach deutlichen Verlusten bei 91,45 Dollar geschlossen. Im Tagesverlauf kletterte Brent zeitweise deutlich höher und näherte sich wieder der Marke von 94 Dollar. Auch die US-Sorte WTI zog an. Nach einem Vortagesschluss von 88,20 Dollar wurde WTI am Mittwoch wieder um 90 Dollar gehandelt.

Damit kehrte ein Teil der Risikoprämie zurück, die Anleger am Vortag wegen vorsichtiger Hoffnungen auf Deeskalation zunächst ausgepreist hatten.

Neue Angriffe und Drohungen treiben die Risikoprämie

Auslöser der Bewegung waren neue militärische Spannungen zwischen den USA und Iran. Nach Berichten über weitere Gefechte, Drohungen aus Washington und erneute Angriffe in der Region bewerteten Händler das Risiko für die Ölversorgung wieder höher. Im Fokus stehen vor allem mögliche Attacken auf Energieinfrastruktur, Tanker und militärische Einrichtungen rund um den Persischen Golf.

Zusätzlich belastet die unsichere diplomatische Lage. Gespräche über eine Entspannung gelten als fragil, während Iran zugleich seine Haltung gegenüber westlichen Forderungen im Atomstreit verschärft. Für den Ölmarkt bedeutet das: Jede neue Meldung kann starke Bewegungen auslösen, weil die Versorgung aus der Golfregion ohnehin eingeschränkt ist.

Straße von Hormus bleibt der zentrale Risikofaktor

Das größte Risiko bleibt die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Seit Beginn der Eskalation ist der Tankerverkehr dort nur eingeschränkt möglich. Blockaden, Sanktionen und militärische Drohkulissen sorgen dafür, dass Exporte aus der Region schwer planbar bleiben. Zwar gibt es immer wieder Hinweise auf einzelne Entlastungen im Schiffsverkehr. Von einer Normalisierung kann der Markt aber nicht ausgehen.

Die OPEC und ihre Partner stehen damit vor einem schwierigen Zielkonflikt. Eigentlich hatten einzelne OPEC+ Staaten zusätzliche Fördermengen vorgesehen. In der Praxis wird diese Entlastung jedoch durch Ausfälle, Sanktionen und Sicherheitsprobleme teilweise überlagert. Das erklärt, warum der Preis trotz schwächerer Konjunktursignale über 90 Dollar bleibt.

Nach dem Rückgang unter 100 Dollar bleibt Brent nervös

Die vergangenen Wochen zeigen, wie stark der Ölpreis zwischen Kriegsangst und Friedenshoffnung schwankt. Brent war im Frühjahr zeitweise deutlich über 100 Dollar gestiegen, nachdem die Eskalation im Nahen Osten die Versorgungssorgen massiv verschärft hatte. Später fiel der Preis wieder unter die psychologisch wichtige Marke, weil Marktteilnehmer auf eine Waffenruhe und eine schrittweise Öffnung der Transportwege setzten.

Am Dienstag rutschte Brent sogar auf ein Sieben-Wochen-Tief. Der Anstieg am Mittwoch zeigt jedoch, dass der Markt noch nicht bereit ist, die Kriegsprämie vollständig abzubauen. Analysten verweisen darauf, dass schon einzelne Schlagzeilen zu Militäraktionen, Tankerzwischenfällen oder politischen Ultimaten ausreichen, um die Richtung kurzfristig zu drehen.

Folgen für Inflation, Spritpreise und Aktienmärkte

Für Deutschland bleibt der Ölpreis ein wichtiger Inflationstreiber. Steigende Rohölpreise schlagen nicht sofort vollständig auf Benzin und Diesel durch, erhöhen aber den Druck auf Raffinerien, Großhandel und Tankstellen. Besonders problematisch ist, dass höhere Energiepreise auch Transport, Logistik und viele Vorprodukte verteuern können. Damit wächst das Risiko, dass die Inflation länger erhöht bleibt.

An den Aktienmärkten zeigt sich ein gemischtes Bild. Breite europäische Indizes standen wegen Konjunktur und geopolitischer Unsicherheit unter Druck. Ölwerte profitierten dagegen von den höheren Preisen. Shell, BP und TotalEnergies legten im Handel zu. Für diese Konzerne verbessern hohe Ölpreise kurzfristig die Ertragsperspektiven, während Anleger zugleich die Risiken für Förderung, Handel und Transportwege im Blick behalten.

Ausblick

Entscheidend bleibt nun, ob die Lage am Golf erneut eskaliert oder ob diplomatische Signale den Ölpreis wieder unter Druck setzen. Solange die Verhandlungen über eine Deeskalation ohne Ergebnis bleiben und die Versorgungswege rund um Hormus angespannt sind, dürfte Brent über der Marke von 90 Dollar volatil bleiben.

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